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Forderung nach Museumsdaten fĂŒr Suche nach Kolonialobjekten

Von dpa
17.10.2019Lesedauer: 3 Min.
Wissenschaftler fordern Museumsdaten fĂŒr Suche nach Kolonialobjekten.
Wissenschaftler fordern Museumsdaten fĂŒr Suche nach Kolonialobjekten. (Quelle: Michel Euler/AP/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die RĂŒckgabe von Kolonialobjekten aus deutschen Sammlungen muss aus Sicht internationaler Wissenschaftler durch eine rasche Öffnung der Museumsinventare beschleunigt werden.

DafĂŒr werde "unbeschrĂ€nkter und unkontrollierter Zugang" zu den Bestandsverzeichnissen gefordert, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Appell an die Kulturminister von Bund und LĂ€ndern.

Kulturstaatsministerin Monika GrĂŒtters (CDU) nannte den Aufruf berechtigt. "Wir mĂŒssen wissen, ĂŒber welche BestĂ€nde wir reden, damit wir den Dialog auf Augenhöhe fĂŒhren können", sagte sie der dpa. "Wenn die Herkunftsgesellschaften und Herkunftsstaaten wissen, was in den Museen ist, können sie ihr Interesse bekunden, AnsprĂŒche geltend machen." Es wĂŒrde sehr lange dauern, erst alle Daten zu erheben und dann ins Netz zu stellen.

Gleichzeitig warnte GrĂŒtters vor unvollstĂ€ndig, fehlerhaften oder fĂŒr Herkunftsgesellschaften sensiblen DatensĂ€tzen. Die geforderte Freischaltung ohne Kontrolle könnte zu Irritationen fĂŒhren.

Den Wissenschaftlern wurden direkte GesprÀche angeboten. Die Initiatoren des Appells sollten in die Arbeitsgemeinschaft von Bund und LÀndern eingeladen werden, die sich mit dem Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten befasse, sagte der Vorsitzende der Kulturministerkonferenz, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD), der dpa. "Dann kann im direkten GesprÀch geklÀrt werden, wie wir möglichst gut und schnell vorankommen." Dies gehe am besten, wenn Politik, Wissenschaft, Museen und Zivilgesellschaft in Deutschland und den Herkunftsgesellschaften zusammenarbeiteten.

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Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz verwies auf "große Anstrengungen", BestĂ€nde offen zu legen und Transparenz zu schaffen. "Die RealitĂ€t der Museen ist lĂ€ngst von intensiver Zusammenarbeit geprĂ€gt", hieß es in einer Mitteilung der von Bund und LĂ€ndern getragenen Stiftung mit rund zwei Dutzend bedeutenden Kunstsammlungen. Die Debatte um Objektbiografien afrikanischer BestĂ€nde sei kein neues Thema. Seit Jahren gehöre es zum Alltag der Kuratoren des Ethnologischen Museums, alle Anfragen zu den Sammlungen zu beantworten und umfassend Auskunft zu geben.

Die Zahl der möglicherweise in kolonialen ZusammenhĂ€ngen nach Deutschland gelangten StĂŒcke ist immens. Allein beim Ethnologischen Museum der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geht es um eine halbe Million Objekte.

Der Appell der Wissenschaftler ist unterzeichnet etwa von der in Berlin lehrenden Kunsthistorikerin BĂ©nĂ©dicte Savoy, dem Hamburger Historiker JĂŒrgen Zimmerer und dem senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr. Savoy und Sarr hatten Ende 2018 in einem Aufsehen erregenden Bericht fĂŒr den französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron empfohlen, aus der Kolonialzeit stammende Kunstwerke an die HerkunftslĂ€nder in Afrika zurĂŒckzugeben.

Die Wissenschaftler bezeichneten es als "Skandal, dass es trotz der anhaltenden Debatte noch immer keinen freien Zugang zu den Bestandslisten der öffentlichen Museen in Deutschland gibt". Kenntnis der BestĂ€nde sei die Grundlage fĂŒr jeden Dialog. "Um Transparenz zu schaffen, sind keine langwierige Datenaufbereitung und abgeschlossene Digitalisierungsprojekte erforderlich." Die Arbeit an den Inventaren werde nie fertig sein. "Es gibt keinen Grund zu warten."

Zimmerer sagte der dpa, das Bestreben sei auffĂ€llig, die Kontrolle ĂŒber die Aufarbeitung zu behalten, etwa ĂŒber die Kontrolle des Zugangs zu den Objekten und Dokumenten. "Das steht einer wahren postkolonialen Aufarbeitung im Weg." Notwendig sei eine "umfassende und radikale Transparenz".

Zuvor hatten Bund und LĂ€nder die Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle beschlossen, um die RĂŒckgabe von Kolonialobjekten zu vereinfachen. Menschen und Institutionen aus Herkunftsstaaten und betroffenen Gesellschaften können sich dort ĂŒber BestĂ€nde von Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland informieren.

In einer gemeinsamen ErklĂ€rung hieß es: "Zahlreiche deutsche Museen und andere Institutionen arbeiten bereits an einer Inventarisierung und Digitalisierung ihrer BestĂ€nde und stellen Daten zur VerfĂŒgung, die in die beratende und vernetzende Arbeit der Kontaktstelle einfließen können."

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