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Waldbrände in Brandenburg: "Bei jedem Einsatz herrscht erstmal Chaos"


Warum Feuerwehrmänner den Wald anzünden


Aktualisiert am 20.06.2022Lesedauer: 3 Min.
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Einsatzkräfte im Geschehen: Die Retter kämpfen im dichten Qualm gegen die Flammen. (Quelle: t-online)

Auf rund 400 Hektar brannten am Wochenende Waldstücke in Brandenburg: Aus ganz Deutschland rückten Rettungskräfte an – unter ihnen auch ein junger Mann, der sich auf den Einsatz bei Waldbränden spezialisiert hat.

Tim Heunisch packt am Sonntagvormittag gerade die Koffer seiner Urlaubsreise aus, als ihm klar wird, wie ernst die Lage bei den Waldbränden in Brandenburg wirklich ist. Schon seit dem Freitag lodern dort in den Wäldern bei Treuenbrietzen und Beelitz die Flammen – nur rund 20 Kilometer voneinander entfernt. Heunisch, 20 Jahre alt, ist Mitglied bei "@fire Internationaler Katastrophenschutz": Die Ehrenamtler des gemeinnützigen Vereins tragen stets gelbe Rettungskleidung und sind versierte Experten im Kampf gegen Waldbrände – aber auch auf den Einsatz in zusammengestürzten Gebäuden und Flutkatastrophen spezialisiert.

Am Sonntagvormittag, als Heunisch gerade die Koffer auspackt, eskaliert die Lage in den Brandenburger Wäldern: Auf bis zu 200 Hektar, umgerechnet 280 Fußballfelder, brennt es bei Treuenbrietzen, auch in Beelitz steht am Sonntag eine ähnlich große Fläche in Flammen. In der Kleinstadt Treuenbrietzen müssen rund 620 Menschen aus ihren Häusern evakuiert werden, in den Wäldern kommt es immer wieder zu Explosionen – denn hier liegen, von früheren Truppenübungen verstreut, Kampfmittel und Munition im Boden, die von einer einzelnen Flamme entzündet und jederzeit explodieren können.

Waldbrände in Brandenburg: "Flammen einen Meter hoch"

Der Landkreis Potsdam-Mittelmark braucht Hilfe, und fordert diese von "@fire Internationaler Katastrophenschutz" an. Der junge Brandschutzexperte lässt die Koffer stehen und macht sich mit Kameraden seines Vereins von der Region Stuttgart aus auf den Weg nach Brandenburg. Nach der mehrstündigen Autofahrt erreichen sie eine Lagerhalle in Kloster Lehnin. Heunisch: "Wir sind um 18.30 Uhr angekommen und haben uns in einer Lagerhalle erst mal gesammelt." Heunisch und die anderen besprechen sich, fahren zur Einsatzleitung.

Tim Heunisch: Der Student hilft im Verein "@fire" bei der Brandbekämpfung im Katastrophenfall.
Tim Heunisch: Der Student hilft im Verein "@fire" bei der Brandbekämpfung im Katastrophenfall. (Quelle: privat)

Tim Heunisch

Der Student hilft im Verein "@fire" bei der Brandbekämpfung im Katastrophenfall und ist auch in der Pressearbeit aktiv. Der gemeinnützige Verein wird von Ehrenamtlern gebildet und ist weltweit bei Rettungseinsätzen vor Ort.

Da ist schon klar: Die Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) und anderen Rettungskräften brauchen mehr Informationen über die Lage in den Wäldern. Immer wieder fachen Winde die Feuer an, die Lage ist nur schwer zu überblicken. Die unterschiedlichen Rettungsorganisationen müssen sich erst einmal untereinander abstimmen. Heunisch kennt das Tohuwabohu in den ersten Stunden einer solchen Lage: "Da herrscht erst mal Chaos." Zwischen den Rettern wird viel geredet, abgestimmt: Wie geht man bei der Lage am besten vor? Welche Einheit, welcher Verein kümmert sich um welches Problem?

Die Leute von "@fire" wollen den Einsatzkräften neue Informationen über die Brände in Beelitz beschaffen: Mit einem Geländewagen fahren Heunisch und zwei Kameraden in den brennenden Wald. "Was wir dort gesehen haben, war ein reines Bodenfeuer. Die Flammen waren etwa einen Meter hoch." Bei einem höheren, dynamischeren Brand wären die Experten nicht in das Waldgebiet gefahren – zu gefährlich.

"@fire"-Experten fahren in den brennenden Wald

Das Trio steigt aus dem Wagen, notiert Wetterdaten: Wie stark weht der Wind? In welche Himmelsrichtung entwickeln sich die Flammen? Was wächst am Boden – und wie ist der beschaffen? Alles Informationen, die im Lagezentrum der Einsatzkräfte dringend gebraucht werden. Nun ist es schon kurz vor Mitternacht, die drei fahren ins Lagezentrum zurück, wo sie an der Lagebesprechung der technischen Einsatzleitung teilnehmen.

Insgesamt sind in dieser Nacht 40 Leute mit zehn Fahrzeugen, darunter ein Helikopter, von "@fire" vor Ort: Etwa 30 Kräfte des Vereins kämpfen in Treuenbrietzen gegen die Flammen. Und zünden dabei auch selbst den Wald an: Bei einem sogenannten Vorfeuer brennen die Retter eine Fläche ab, damit sich der Waldbrand darüber hinaus nicht weiter ausbreiten kann. Damit dieses Feuer nicht außer Kontrolle gerät, beobachten im Hintergrund weitere Feuerwehrleute das Geschehen – und löschen das Vorfeuer im Notfall selbst wieder. In den USA ist die Technik schon lange erprobt, hierzulande wird sie noch kaum eingesetzt.

In dieser Nacht fährt Heunisch noch zweimal in den Wald, notiert Daten, beobachtet das Geschehen: "Die Kollegen aus dem Einsatzteam haben das schon recht gut unter Kontrolle gehabt." Auch der Regen am frühen Morgen habe den Rettern geholfen, meint Heunisch. Für den angehenden Betriebswirtschaftsstudenten kein ungewöhnlicher Einsatz: Und doch beobachtet er, dass in den letzten Jahren "@fire" immer öfter zu Waldbränden gerufen wird. "Durch die Trockenperioden und die Hitze, die auch durch den Klimawandel entsteht, haben solche Einsätze für uns zugenommen."

Am Montagmittag ist Heunisch, der sich auch um die Pressearbeit des Vereins kümmert, schon wieder auf dem Weg in die Heimat: Dort wird er erst mal seine Ausrüstung putzen und sich mit seinen Kameraden darüber beraten, was sie aus den Rettungseinsätzen in Brandenburg gelernt haben. In Brandenburg ist die Lage wieder unter Kontrolle, der starke Regen am Vormittag hat den Hunderten Feuerwehrleuten in der Region unter die Arme gegriffen: Die evakuierten Menschen können in ihre Häuser zurück.

Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Tim Heunisch, "@fire Internationaler Katastrophenschutz"
  • Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa
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