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Hirntote Radfahrerin in Berlin: Wie konnte das passieren?


Hirntote Radfahrerin in Berlin: Wie konnte das passieren?

Von t-online, pb

Aktualisiert am 03.11.2022Lesedauer: 4 Min.
Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf: Ein Rettungswagen kam wegen mehrere Minuten zu spät.Vergrößern des BildesEinsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen an der Bundesallee in Berlin-Wilmersdorf: Ein Rettungswagen kam erst mit Verspätung an. (Quelle: Paul Zinken/dpa)
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Ein Betonmischer erfasst eine Radfahrerin, sie wird schwer verletzt. Der Unfall sorgt für eine Debatte – weil umstrittene Klimaaktivisten darin verstrickt sind.

Der Radunfall einer 44-Jährigen in Berlin-Charlottenburg hat in Deutschland eine Debatte um die Proteste der Klimademonstranten der "Letzten Generation" ausgelöst. Am Donnerstag teilte die Polizei dann den Hirntod der Frau mit.

Worum es in dem Fall geht und warum er für Aufsehen sorgt, erfahren Sie im Überblick.

Was ist bei dem Unfall passiert?

Am Montagmorgen ist eine 44-jährige Radfahrerin in der Bundesallee von einem Betonmischer-Lastwagen im Stadtteil Wilmersdorf überrollt und unter dem Wagen eingeklemmt worden. Laut "Tagesspiegel" wurden die Rettungskräfte gegen 8.26 Uhr wegen des Unfalls alarmiert.

Bei dem Vorfall wurde der Lkw-Fahrer nach dem Unfall mit einem Messer angegriffen und kam verletzt ins Krankenhaus. Er wurde nach Angaben einer Polizeisprecherin von einer unbekannten Person attackiert, als er ausstieg, um nach der Frau zu schauen.

Nach Angaben des Feuerwehrsprechers standen Einsatzkräfte mit einem sogenannten Rüstwagen der Feuerwache Charlottenburg-Nord mit Spezialtechnik, die etwa zum Anheben schwerer Lasten eingesetzt wird, eine "recht relevante Zeit" im Stau auf der Stadtautobahn A100.

Da die Technik nicht zur Verfügung stand, habe man an der Unfallstelle improvisieren müssen. Die Frau kam später mit lebensgefährlichen Verletzungen in eine Klinik.

Welche Rolle spielt die "Letzte Generation" in dem Fall?

Die für die Bergung der Frau benötigte Technik hing auf der Stadtautobahn wegen eines Protests der Klimademonstranten der "Letzten Generation" zunächst in einem Stau fest. Mit Verspätung kam das Spezialgerät schließlich am Unfallort in der Bundesallee an.

Nach Angaben eines Polizeisprechers sollen sich die Aktivisten an einer Schilderbrücke auf der A100 festgeklebt haben. Seit Monaten blockiert die Gruppe in Berlin und anderen Städten immer wieder Abschnitte im Straßenverkehr – vor allem auf der Berliner Stadtautobahn, aber auch auf stark frequentierten Kreuzungen.

Kam der Rettungswagen wegen der Aktivisten nicht zum Unfall?

Am Dienstag hieß es von der Polizei, dass es ohne die Blockierer an der Stelle nicht zum Stau gekommen wäre. Ob die Autofahrer eine Rettungsgasse gebildet hatten, konnte sie nicht sagen. Das Fehlen von Rettungsgassen sei in der Hauptstadt ein tägliches Problem, Autofahrer dächten nicht immer daran.

Mitarbeiter des Feuerwehreinsatzes sagten dem "Tagesspiegel", dass "der sehr breite Rüstwagen nur langsam durch den dichten Verkehr" habe kommen können. Bis hinter die Blockade der Aktivisten sei die Fahrt des Wagens "schleppend" gewesen – dann sei der Rettungswagen wieder gut vorangekommen, heißt es in dem Bericht.

Von der Wache bis zum Unfallort brauchte das Fahrzeug demnach also 19 Minuten – sieben mehr, als wenn der Rettungswagen freie Fahrt gehabt hätte. Bei Eintreffen des Fahrzeugs war die Radfahrerin von dem Betonmischer bereits befreit.

Ob durch die Verzögerung die Verletzungen der Frau verschlimmert wurden, ist offen.

Welche Folgen hat der Vorfall für die Blockierer?

Am Dienstag wurde bekannt, dass die Polizei gegen zwei Blockierer des Klimaprotests auf der A100 ermittelt. Es wurden gegen einen 63-Jährigen und einen 59-Jährigen wegen unterlassener Hilfeleistung beziehungsweise der Behinderung hilfeleistender Personen Ermittlungen aufgenommen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Ihnen droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat inzwischen rund 730 Verfahren (Stand 25. Oktober) zu den anhaltenden Aktionen von Klimademonstranten auf den Tisch bekommen. Das teilte die Justizverwaltung auf Anfrage mit. Vielfach seien Fälle verbunden worden, weil eine Person an mehreren Aktionen beteiligt gewesen sei. Offen sind den Angaben zufolge derzeit 139 Fälle. Bisher gab es einige Verurteilungen von Demonstranten zu kleineren Geldstrafen wegen Nötigung.

Wie geht es der verunfallten Frau?

Am Donnerstagnachmittag meldete die Berliner Polizei zunächst, dass die verunfallte Radfahrerin ihren Verletzungen erlegen sei. Wenig später korrigierte sich die Behörde und gab an, dass die 44-Jährige als hirntot erklärt worden sei. Die Frau werde weiterhin intensivmedizinisch behandelt.

Davon erholen sich nach bisherigen Erkenntnissen Betroffene nicht – unabhängig davon, welche Maßnahmen Mediziner ergreifen.

Wie reagiert die Politik auf den Fall?

Schon vor Bekanntwerden des Hirntods der Radfahrerin wurden die Blockaden von Berliner Politikern und Bundespolitikern kritisiert. Am Donnerstag spricht sich dann Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) scharf gegen die Aktionen der Klimaaktivisten aus. Den zunächst von der Polizei fälschlich mitgeteilten Tod der Radfahrerin nannte Faeser eine "sehr traurige Nachricht". Das müsse jedem zu denken geben.

Und weiter: "Wer Rettungswege versperrt, setzt Menschenleben aufs Spiel. Das haben wir in dieser Woche in Berlin auf furchtbare Weise gesehen." Sie kritisierte die Blockaden der Klimaaktivisten als undemokratisch: "All das hat mit einer demokratischen Auseinandersetzung überhaupt nichts zu tun. Die Straftäter müssen schnell und konsequent verfolgt werden."

Am Dienstag hatte sich Bundeskanzler Olaf Scholz auch in die Debatte um die Proteste eingemischt. Er appellierte an die Klimaaktivisten, ihre Aktionen dürften nicht zur Gefährdung anderer beitragen. "Ich glaube, dass wir kritische Haltung, kritischen Protest, akzeptieren müssen. Dass die Aktionen jetzt nicht auf sehr weitreichenden Beifall gestoßen sind, ist auch offensichtlich", sagte Scholz.

Was sagen die Klimaaktivisten zu dem Vorfall?

In einer ersten Reaktion auf den Unfall hatte die Sprecherin der Klima-Protestgruppe "Letzte Generation", Carla Hinrichs, gesagt, dass die Gruppe inständig hoffe, dass sich der Gesundheitszustand der Frau durch die Verspätung des Feuerwehr-Spezialwagens nicht verschlimmert habe. "Bei all unseren Protestaktionen ist das oberste Gebot, die Sicherheit aller teilnehmenden Menschen zu gewährleisten."

Die "Letzte Generation" reagierte am Donnerstagnachmittag auf eine Anfrage von t-online zunächst nicht. Auf Twitter äußerte sich die Gruppierung, dass der Hirntod der Frau die Gruppierung "tief" getroffen habe. Und weiter: "Wir wünschen den Angehörigen viel Kraft." Die Aktivisten wollen eine weitere Stellungnahme der Berliner Feuerwehr abwarten, bevor sie sich erneut äußern.

Die Ermittlungen der Polizei gegen zwei der Blockierer der nun viel diskutierten Straßenblockade laufen weiter. Am Dienstag hieß es von der Gruppe, dass man die Blockaden im Berliner Verkehr fortsetzen wolle.

Verwendete Quellen
  • Mit Informationen der Nachrichtenagentur dpa
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