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Hertha am Scheideweg: Magath hackt und Bobic warnt

Von dpa
24.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Fredi Bobic
Fredi Bobic. (Quelle: Tom Weller/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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Felix Magath hackt künftig Holz. Kevin-Prince Boateng will erstmal nur noch auf die Couch. Herthas Retter-Helden gönnen sich jetzt ihr Privatvergnügen. Nur Fredi Bobic muss nach dem Klassenerhalt im Relegationskrimi gegen den Hamburger SV beim Berliner Fußball-Bundesligisten so richtig ran. Und ein Ende im Big-City-Drama ist noch lange nicht in Sicht. Mit der Verwirrung um den angeblich schon fixen Rücktritt von Präsident Werner Gegenbauer sorgte die Hertha am Dienstag gleich nach der Rückkehr in die Hauptstadt wieder für eine beachtliche Kontroverse.

Bobic setzte sich als großer Mahner und letzter verbliebener Macher auf das Podium und gab mit eindringlichen Worten den von ihm gewünschten Kurs für die kommenden Wochen vor: "Jetzt ist es ein Zeitpunkt und der letzte Wink für alle, nicht nur im Verein, sondern auch im Umfeld zu verstehen, was es heißt, durch schwere Zeiten zu gehen. Diese Relegation war die letzte Chance", sagte Bobic. Sonst könnte es wieder eng werden mit dem Klassenerhalt und womöglich sogar ein Schicksal drohen wie dem HSV, der zur fünften Runde in der Zweitklassigkeit antreten muss.

Groß ist beim Geschäftsführer die Sorge, dass die Hertha schon bei der Mitgliederversammlung am Sonntag durch eine Fan-Revolte oder zu forsche Forderungen oder gar Provokationen von Millionen-Investor Lars Windhorst in ein Macht-Vakuum und letztlich ins Führungschaos stürzen könnte. "Alle müssen sich jetzt committen", forderte Bobic. Und meinte ein uneingeschränktes Bekenntnis zum Club in seinem Sinne.

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Dass Gegenbauer über die Versammlung hinaus noch Hertha-Boss ist, glaubt sicher auch Bobic nicht, allen Dementis über einen angeblich schon fixen Rücktritt am Dienstag zum Trotz. Die Zeit des Patrons, der Bobic nach Berlin zurückholte, ist abgelaufen bei der Hertha. Wie auch für Finanzchef Ingo Schiller, der nur noch bis Oktober bleibt.

Bis ein neuer Präsident da ist, muss Bobic als einzig verbliebener Entscheider aber schon die Weichen stellen. "Es ist wichtig, dass die Menschen wissen, was wichtig ist. Wir müssen handlungsfähig bleiben, wir brauchen Kontinuität", mahnte der Manager. Populismus brauche kein Mensch, Fürsorgepflicht für den Verein sei das Gebot, sonst war die beachtliche Leistungssteigerung beim 2:0 in Hamburg, die die Rettung doch noch möglich machte, umsonst.

Bobic hat vorgearbeitet. Schnell will er einen neuen Trainer präsentieren, für Magath, der sich nach seinem nächsten Rettungscoup zur handfesten Gartenarbeit mit der Axt verabschiedete. "Ich bin sehr, sehr weit mit den Gesprächen. Es wird sicher so sein, dass wir in den nächsten Tagen einen neuen Trainer präsentieren können", sagte Bobic. Als Favorit gilt der frühere Mainz-Trainer Sandro Schwarz, der zur Zeit bei Dynamo Moskau arbeitet.

Vom neuen Trainer erwartet Bobic eine attraktivere Spielweise. "Was er mitbringen muss, ist klar. Persönlichkeit und Feuer für die Hertha", sagte der Geschäftsführer. "Ich möchte einen aggressiven Fußball sehen, nach vorne gerichtet, nicht nach hinten. Unser Fußball war von Passivität gezeichnet", bemängelte der 50-Jährige.

Als Grantler war Bobic schon in der Party-Nacht von Hamburg aufgefallen. "Fürchterliche Musik", presste er zwischen den Zähnen hervor, als er aus der Kabine kam. Und überhaupt, was gäbe es zu feiern? Keinen Titel, keinen Pokal hatte Hertha BSC geholt, sondern nur die Relegation mit Mühe und Not überstanden.

Während sich Magath als großer Sieger mit einem üppigen Honorar und dem guten Gefühl, ein Experte für Rettungstaten zu bleiben bis zur nächsten Mission wo auch immer wieder von der Bundesliga-Bühne verabschiedet, beginnt für den 50-jährigen Bobic in Berlin nun die wirkliche Arbeit. Die Hertha muss in ruhige Fahrwasser kommen.

"Wenn wir darüber reden, was wir alles falsch gemacht haben, dauert das zu lange", befand Routinier Boateng, der nach dem Urlaub gerne noch ein Jährchen für die Hertha spielen würde. Mit seinem zur Legendenbildung geeigneten Auftritt als Quasi-Co-Trainer, der Magath angeblich die siegbringende Aufstellung verriet, hat er sich gut inszeniert. Bobic schmunzelte und relativierte etwas: "Felix Magath entmachten? Das kann ich mir nicht vorstellen."

In grundlegenden Dingen wollte sich der zuletzt schmallippige Manager Bobic von der plötzlichen Berliner Euphorie auch nicht anstecken lassen. Öffentlich gepaffte Zigarren, wie noch bei Ex-Trainer Pal Dardai bei der letzten Klassenerhaltsparty vor einem Jahr, gab es diesmal nicht. Bobic muss auch in den kommenden Wochen genau kalkulieren. "Es geht nicht ums Totsparen, das ist nicht in meinem Interesse", sagte er. Dennoch müsse ein Transferüberschuss her. Es bleiben komplizierte Zeiten für Bobic und die Hertha.

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