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AfD: Wo die Partei in Düsseldorf erfolgreich ist


Analyse zur Europawahl
Wo die AfD in Düsseldorf erfolgreich ist


28.05.2024Lesedauer: 3 Min.
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Elmar Salinger (Archivbild): Er will die AfD in Düsseldorf nach vorne bringen. (Quelle: IMAGO/Horst Schnase/imago)

Nach einigen Skandalen geht die Partei ohne Rückenwind in die anstehende Europawahl. Wie sich die neue Kreisverbandsspitze nach oben kämpfen will.

Wie gut die AfD in Düsseldorf mobilisiert, ließ sich an einem verregneten Morgen im März dieses Jahres beobachten. Die Partei hatte zu einer Kundgebung gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Düsseltal aufgerufen. 1.000 Menschen kamen, allerdings auf der Gegenseite. Rund 50 Rechte erreichten nur mithilfe eines großen Polizeiaufgebots ihren Kundgebungsort im Zoopark. Ihre Reden verhallten im Lärm der Gegendemonstranten.

Es sah schon einmal besser aus für die AfD im Superwahljahr 2024, das mit der Europawahl am 9. Juni so richtig Fahrt aufnimmt. Die Skandale um das Spitzenduo Maximilian Krah und Petr Bystron habe die Umfrageergebnisse weiter gedämpft. Auch die nordrhein-westfälischen Kandidaten sind zuletzt eher mit Höcke- und Identitären-Nähe oder der Aufhebung ihrer Immunität aufgefallen, wie etwa Gunnar Beck. Dazu kommt, dass die Partei in Düsseldorf noch nie wirklich erfolgreich war. Bei der Landtagswahl 2022 reichte es in der Stadt nur für vier Prozent der Stimmen.

AfD-Vorsitzender ist Fan von Martin Sellner

Anfang Februar veröffentlichte die Düsseldorfer AfD ein Foto ihres Kreisvorstands. Vier Männer sind darauf zu sehen, vor allem drei von ihnen wollen die Partei hier künftig prägen: Kris Schnappertz, Kay Rohmann und Elmar Salinger, der neue Vorsitzende. Salinger war mal bei den Grünen – saß dort sogar mit der heutigen Vizeministerpräsidentin Mona Neubaur im Kreisvorstand.

Unter Salinger dürfte die AfD in der Stadt zunehmend von einem eher gemäßigten Kurs abrücken. Darauf deuten zumindest dessen öffentlichen Beiträge hin. Von "Remigration" sprach Salinger bereits vor dem sogenannten Potsdamer Geheimtreffen. Bei X verlinkt er Interviews mit dem dortigen Hauptredner Martin Sellner. In Reden warnt er vor einer "knallharten muslimischen Monokultur" und Drogenumschlagplätzen, die durch die Anwesenheit geflüchteter Menschen entstünden. Mehr als Salinger mühen sich Schnappertz und Rohmann nach außen hin um Zurückhaltung.

In Düsseldorfs Süden sind die AfD-Hochburgen

Bislang tut sich die AfD gerade in den bürgerlich-wohlhabenden Stadtteilen der Landeshauptstadt wie der Carlstadt und Oberkassel extrem schwer. Anders ist es dort, wo bei Weitem nicht alle am Reichtum Düsseldorfs teilhaben. Die größten Hochburgen der AfD liegen allesamt im Süden der Stadt. In Hassels, Reisholz und vor allem in Garath war die Partei bei den vergangenen Wahlen am stärksten. 12 Prozent, den dreifachen Stadtdurchschnitt, erreichte die AfD bei der Landtagswahl in Garath. Im Wahlbezirk 0103 an der Stettiner Straße reichte es sogar zu knapp jeder vierten abgegebenen Stimme.

Dort, wo die Hochhäuser und die Arbeitslosenquote höher als in anderen Stadtteilen sind, kann die AfD besonders punkten. Es ist kein überraschendes Phänomen. Mit den Republikanern holte auch eine rechte Vorgängerpartei hier besonders viele Stimmen. In einer Studie der Stadt wurden damals Wahlergebnis und Wohnfläche pro Kopf in Verbindung gesetzt. Je weniger Platz ein Wähler für sich hatte, umso eher wählte er die Republikaner.

In diesen Hochburgen liegt für die AfD eine Chance. Dort hat sich die Partei bereits eine Stammwählerschaft gesichert. Neuere Studien zeigen zudem, dass ihre Wählerschaft insgesamt diverser geworden und schwerer einzuordnen ist. Der Weg in konservativ-bürgerliche Schichten schien der AfD zunehmend besser zu gelingen. Die "Correctiv"-Enthüllungen um das vom Düsseldorfer Zahnarzt Gernot Mörig initiierte Potsdamer Geheimtreffen kamen da zur Unzeit. Ausgerechnet ein Düsseldorfer rückte die sich in der Stadt lange gemäßigt gebende Partei in ein schlechtes Licht.

Düsseldorfer AfD auf TikTok ungeschlagen

Die Strategie der Düsseldorfer AfD dagegen scheint klar: eine Fokussierung auf das Thema Migration und der Versuch, sich schon vor den ersten Anzeichen möglicher Probleme als Kümmerer aufzuspielen. Deswegen Demos wie im Zooviertel. Die Partei weiß, dass sie dort in der Unterzahl ist und von den wenigsten Menschen im Stadtteil willkommen geheißen wird. Aber es entstehen verwertbare Bilder für die sozialen Medien. Dort ist die AfD so präsent wie keine zweite Düsseldorfer Partei. Rund 19.000 Menschen folgen ihr allein auf TikTok.

Für Donnerstag, den 30. Mai, hat die AfD zu einer Kundgebung in den Hofgarten geladen. Hans Neuhoff, der am höchsten gelistete NRW-Kandidat zur Europawahl, wird dann ebenso erwartet wie der dem rechten Flügel der Partei zuzuordnende Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner. Es dürften wieder mehr Gegendemonstranten als Zuhörer werden. "Düsseldorf stellt sich quer" hat bereits zu eigenen Kundgebungen aufgerufen.

Verwendete Quellen
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