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HSV wehrt St. Paulis Machtanspruch ab

Von dpa
21.01.2022Lesedauer: 3 Min.
FußbĂ€lle
FußbĂ€lle liegen in einem Tor. (Quelle: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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Die Entscheidung um die Vormachtstellung im Hamburger Fußball ist vertagt. Der HSV als historische Nummer eins war zwischenzeitlich im Niedergang begriffen und drohte vom Stadtteilverein FC St. Pauli vom Thron gejagt zu werden. Das 2:1 (0:1) am Freitag im Volksparkstadion hat diese Entwicklung zwar noch nicht umgekehrt, wohl aber gestoppt. Der HSV ist bis auf drei Punkte dran am Kiezclub, der das Hinspiel noch 3:2 gewonnen, sein Polster in der Tabelle aber verspielt hat. Hinter Darmstadt 98 ist St. Pauli nun Zweiter. Umso wichtiger fĂŒr den HSV: Im Aufstiegsrennen zur Bundesliga hat die Truppe von Trainer Tim Walter wieder gute Karten.

"Wir haben 'ne Kiste Bier in der Kabine", beschrieb Walter den bescheidenen Party-Rahmen, um dann mitzuteilen: "Meine Jungs trinken ja nicht so viel." Also nahm er seinen Trainerstab in die Pflicht: "Da trinken wir eins mehr." Jubel erfĂŒllte aber auch ohne Alkohol die HSV-Kabine. Da wollte sich St.-Pauli-Coach Timo Schultz nicht lumpen lassen. "Nachdem wir in den letzten Spielen hĂ€ufiger erfolgreich sein und die Stadtmeisterschaft fĂŒr uns in Anspruch nehmen durften, mĂŒssen wir heute auch mal dem Gegner gratulieren zum verdienten Sieg."

Die Stadtrivalen trennen nur noch drei Punkte. Vier Spieltage zuvor waren es noch neun. In diesem Zeitraum holte Schultz' Truppe nur zwei von zwölf möglichen ZĂ€hlern. Geht St. Pauli die Puste aus, beginnen die Nerven zu flattern? "Wir werden auch nach diesem Spieltag immer noch auf einem der ersten beiden PlĂ€tze stehen", entgegnete Schultz. "Um unser Selbstvertrauen braucht man sich keine Sorgen zu machen." Die jĂŒngste Sieglos-Serie lĂ€sst aber anderes vermuten. Fest steht: St. Pauli spielt nicht mehr so locker auf wie in den Vormonaten.

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Die Achillesferse der Kiezkicker 2021/2022: die AuswĂ€rtsschwĂ€che. Zu Hause ĂŒberragend mit acht Siegen und einem Unentschieden sowie dem besten Wert aller Zweitligisten von 25 Punkten, auswĂ€rts nur drei Siege und zwölf Punkte - Mittelmaß. Dabei waren im Volksparkstadion gegen den HSV nur 2000 Fans zugelassen, darunter sogar 200 von St. Pauli. Die Kulisse kann die Braun-Weißen also nicht gehemmt haben.

Zudem: Zu Hause ist die Abwehr ausnehmend stark. Lediglich sieben Gegentore ließ sie bislang zu. AuswĂ€rts das komplette Gegenteil: Da gehören die Hamburger mit 20 Gegentreffern zu den abwehrschwĂ€chsten Teams der Liga. Dieser Gegensatz schreit geradezu nach VerĂ€nderung.

Dem HSV war zuvor in fĂŒnf Derbys (vier Niederlagen) kein Erfolg ĂŒber St. Pauli gelungen. Vom Nachbarclub gedemĂŒtigt, von den eigenen Fans beschimpft bekamen die Profis Magie und Brisanz der Stadtduelle zu spĂŒren. Da mutet der lang ersehnte Sieg wie eine Erlösung an. Vor allem fĂŒr Fans, fĂŒr die ein Derbysieg wichtiger als der Aufstieg ist.

Bei aller Freude im Umfeld gab sich Walter erstaunlich gelassen, ganz im Gegensatz zu seinem Starkstrom-Coaching am Spielfeldrand. FĂŒr eine neuerliche Verbalattacke an der Linie erhielt er bereits seine zweite Gelbe Karte in dieser Saison. Nach der vierten wird er fĂŒr ein Spiel gesperrt. Walter: "Vielleicht hat der Schiedsrichter recht, wenn ich lautstark bin. Aber ich denke, dass ich immer respektvoll bin."

Eine halbe Stunde nach Spielende war der Puls des 46-JĂ€hrigen jedoch wieder im grĂŒnen Bereich. "Mehr als drei Punkte gibt es heute auch nicht", meinte er und stutzte den Derbysieg auf Normalmaß. "Wir haben nur ein Spiel gewonnen. Wir freuen uns ĂŒber drei Punkte. Aber wir wissen auch, wo wir herkommen und woran wir weiter arbeiten mĂŒssen."

Rundum zufrieden konnte Walter nĂ€mlich nicht sein. In den ersten 30 Minuten hĂ€tte seine Elf deutlich in FĂŒhrung gehen mĂŒssen. Aber wie so hĂ€ufig herrschte vor des Gegners Kasten FahrlĂ€ssigkeit. Wie es geht, demonstrierte der FC St. Pauli: eine Chance, ein Tor - natĂŒrlich durch TorjĂ€ger Guido Burgstaller, sein 15. Erst KapitĂ€n Sebastian Schonlau und StĂŒrmer BakĂ©ry Jatta drehten nach der Pause die Partie.

"Wir haben eine brutale Bereitschaft", versicherte Walter und nannte als Basistugenden: "Mutig im Ballbesitz und extrem aggressiv gegen den Ball." Diese Offensivpower, diese erzwungene Dominanz ließ den Rivalen nicht wie gewohnt in seine AblĂ€ufe kommen. "Wie haben nicht richtig ins Spiel gefunden", gab St. Paulis Mittelfeldakteur Marcel Hartel zu. "Wir hĂ€tten den Fans gerne einen Sieg geschenkt. Das ist traurig fĂŒr uns, aber wir dĂŒrfen die Köpfe nun nicht hĂ€ngen lassen."

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