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Noch kommen Kliniken mit Omikron zurecht

Von dpa
23.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Coronavirus - Intensivstation
Ein Symbol weist auf auf eine Intensivstation fĂŒr Corona-Patienten hin. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild/dpa-bilder)
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In den frĂŒh von Omikron getroffenen StĂ€dten Bremen und Hamburg kommen Kliniken trotz steigender Patientenzahlen bislang ohne grĂ¶ĂŸere Probleme durch die aktuelle Infektionswelle. Sorge bereitet, dass immer mehr Patienten mit Corona infiziert sind, die nicht wegen Covid-19, sondern aus anderen GrĂŒnden eingeliefert wurden. Dies macht die Behandlung auf den Normalstationen aufwendiger. Auch der Ausfall von Krankenhauspersonal durch Krankheit oder QuarantĂ€ne bereitet Probleme.

Bremen und Hamburg gehörten zu den ersten GroßstĂ€dten, in denen die Fallzahlen explodierten. Was die Infektionsrate angeht, sind sie anderen deutschen Regionen etwas voraus. Vergleiche sind aber nur eingeschrĂ€nkt möglich, weil die beiden Stadtstaaten auch zu den Spitzenreitern bei den Impfquoten gehören. Das dĂŒrfte schwere VerlĂ€ufe seltener machen.

Bundesweit sei die Belegung der Normalstationen vergangene Woche um 3,5 Prozent gestiegen, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKD) in Berlin mit. In Schleswig-Holstein liege die Zunahme bei 22 Prozent, in den LĂ€ndern Hamburg, Bremen und Berlin zwischen 10 und 15 Prozent.

"Belastung ja, Überlastung nein", sagte ein Sprecher der Bremer Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) zur Lage der Kliniken. Die Situation habe sich nicht verschĂ€rft. Das kleinste Bundesland weist seit Wochen die höchste Infektionsrate auf. Der Spitzenwert am 14. Januar lag bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1427,2. So viele von je 100 000 Menschen haben sich rechnerisch in einer Woche bestĂ€tigt mit dem Coronavirus infiziert.

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Auch Hamburg ĂŒberschritt nach Angaben des Robert Koch-Instituts zum Ende der Woche eine Sieben-Tages-Inzidenz von 1300. Trotzdem sagt Professor Stefan Kluge, Leiter der Klinik fĂŒr Intensivmedizin am UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): "Die Lage ist handhabbar." Nur stellten "isolationsbedingte AusfĂ€lle" von Personal die Kolleginnen und Kollegen vor Herausforderungen.

"Die gute Nachricht ist, dass aktuelle Daten aus unterschiedlichen LĂ€ndern zeigen, dass das Risiko, mit einer Omikron-Infektion ins Krankenhaus zu mĂŒssen, im Vergleich zur Delta-Variante um mehr als die HĂ€lfte reduziert wird", sagte Kluge. Omikron sei viel leichter ĂŒbertragbar, fĂŒhre aber insbesondere bei Geboosterten ĂŒber alle Altersgruppen hinweg nicht zu so schweren VerlĂ€ufen.

"Wir sehen etwa seit Anfang des Jahres eine deutliche Zunahme an stationĂ€r behandlungsbedĂŒrftigen Patienten", sagte Florian Friedel, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Delme-Klinikums in Delmenhorst. Die kreisfreie Stadt nahe Bremen hat in Niedersachsen die höchste Ansteckungsrate.

"Wir beobachten, dass die Patienten, die wir derzeit versorgen, weniger schwer erkrankt sind und die durchschnittliche Verweildauer geringer geworden ist", sagte er. Neun von zehn Covid-Patienten seien ungeimpft. An seiner Klinik seien derzeit 20 Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter in QuarantÀne oder hÀuslicher Isolation.

Bei den Bremer Krankenhauseinweisungen infizierter Personen sei nur etwa ein Drittel tatsÀchlich an Covid-19 erkrankt, sagte Lukas Fuhrmann, der Sprecher des Gesundheitsressorts. Zwei Drittel der Patienten kÀmen wegen anderer Diagnosen und seien zusÀtzlich infiziert.

"Mit Corona infizierte Patientinnen und Patienten können einen Ă€hnlichen hohen Aufwand verursachen wie tatsĂ€chlich an Covid-19 Erkrankte", sagte der DKD-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß. Sie mĂŒssten isoliert untergebracht werden. Das Personal, das sie betreue, könne nicht in Bereichen mit Nicht-Infizierten eingesetzt werden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte deshalb, die Belastung von Normalstationen tĂ€glich genauso zu erfassen wie die Belegung der Intensivbetten mit Covid-19-Kranken. Auch Zahlen von corona-infizierten Patienten mit anderen Diagnosen sollten tĂ€glich ermittelt werden, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Eugen Brysch.

Über die Entwicklung der kommenden Wochen wollte das Bremer Gesundheitsressort nicht spekulieren. Sollten die Fallzahlen weiter extrem hoch bleiben, werde man eine steigende Anzahl an Patienten auf Normal- wie Intensivstationen sehen, sagte Professor Kluge vom UKE.

Im Bremer Gesundheitsressort hat man beobachtet, dass die Ansteckungsrate stĂ€rker gestiegen ist als die Inzidenz der Krankenhauseinweisungen. Sprecher Fuhrmann fĂŒhrt dies auf die hohe Impfquote in Bremen und den anderen NordlĂ€ndern zurĂŒck.

Unsicher ist, was passiert, wenn Omikron im SĂŒden und Osten Ă€hnlich hohe und höhere Inzidenzen erreicht. "Es ist zu befĂŒrchten, dass die Omikron-Variante aufgrund ihrer höheren InfektiositĂ€t in Gebieten mit niedrigeren Impfquoten wieder zu deutlich höheren Hospitalisierungsraten fĂŒhrt", sagte DKD-Chef Gaß. Dort könnten dann auch die Intensivstationen an Grenzen kommen.

Bisher schlagen sich die steigenden Infektionszahlen der Omikron-Welle bundesweit gesehen nicht auf die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstation nieder. Diese ist laut Intensivmedizinervereinigung DIVI seit der ersten DezemberhĂ€lfte von rund 5000 auf zuletzt 2418 (Freitag) gesunken. Die vom RKI ermittelte sogenannte adjustierte Hospitalisierungsinzidenz, die abschĂ€tzt, wie viele Menschen wegen Covid-19 in einer Klinik behandelt werden mĂŒssen, war zuletzt ĂŒber rund drei Wochen stabil. Hohe Infektionszahlen schlagen sich allerdings erst mit Verzug auf die Kliniken nieder, weil bis zur Einlieferung eines Patienten Zeit vergeht.

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