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JVA Oldenburg: Mutter von Getöteter aus Hannover spricht mit Mörder – Projekt


Tochter vor 13 Jahren erstochen
Traumatisierte Mutter findet Heilung durch Gespräch mit Mörder

Von t-online, MAS

29.05.2024Lesedauer: 3 Min.
Die JVA in Oldenburg: Dort kam es zum Zusammentreffen mit einem Mörder.Vergrößern des BildesDie JVA in Oldenburg: Dort kam es zum Zusammentreffen mit einem Mörder. (Quelle: Hauke-Christian Dittrich)
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Vor 13 Jahren löschte ein Mörder das Leben der jungen Annika aus. Um das Trauma zu verarbeiten, wählt ihre Mutter nun einen besonderen Weg. Sie spricht mit jemanden, der ebenfalls einen Mord begangen hat.

2011 schockierte der Mord an Annika B. die Region Hannover. Die damals 20-Jährige wurde am 27. November vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße niedergestochen. Kurze Zeit später starb sie im Krankenhaus an den Folgen mehrerer Stichverletzungen am Oberkörper. Gesucht wurde damals nach einem 20 bis 30 Jahre alten Mann mit Brille, etwa 1,80 Meter groß, mit sportlicher Figur und blonden, kurzen Haaren. Anwohner hatten den Angreifer in der Straße gesehen.

Die Staatsanwaltschaft Hannover und die Ermittler der "Mordkommission Annika" überprüften innerhalb eines Jahres mehr als 1.000 Spuren und 530 Hinweise aus der Bevölkerung zu einem Phantombild des Täters. Doch gefasst wurde er nie.

Annika B. hatte schreckliche Ahnung

Wie sich später herausstellte, soll sich Annika B. Monate vor ihrem Tod ihrer Mutter Rieka Herrmann anvertraut und ihr gesagt haben: "Da gibt es einen Mann, der will mich umbringen", berichtete die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" (HAZ) im Jahr 2013. Der Mann habe gesagt, er komme im November her und bringe die junge Frau um.

Annika B. wollte den Namen des Mannes nicht preisgeben und auch nicht die Polizei alarmieren. Der Unbekannte soll bei Rostock gelebt haben. Die Polizei habe diesbezügliche Hinweise sowie drei bis vier Personen überprüft – jedoch ohne Ergebnis.

Auch 13 Jahre nach der Tat bleibt die Familie von Annika im Ungewissen darüber, wer der jungen Frau das Leben gewaltsam genommen hat. Mutter Rieka Herrmann hat nun an einem ganz besonderen Projekt teilgenommen – und mit einem Mörder gesprochen.

Projekt findet in der JVA Oldenburg statt

"Restorative Justice" nennt sich das Projekt, in dem Opfer mit Tätern in einen Dialog kommen. Dies ist in Niedersachsen einzigartig und fand in der JVA Oldenburg statt. Unter Anleitung habe es einen Schutzraum für ein Gespräch mit der Gegenseite gegeben, berichtet der NDR. Es sei nicht der Täter, der für das eigene Trauma verantwortlich sei, sondern ein Stellvertreter, der ähnliche Taten begangen habe und bereit sei, darüber zu sprechen. Durchgeführt und geleitet wurde das Ganze von Therapeutin Daniela Hirt aus Oldenburg, die auch weitere Treffen in anderen JVA plant.

Bevor es zum Zusammentreffen kam, wurden beide Gruppen, also Opfer und Täter, in fünf Treffen unabhängig voneinander vorbereitet. Für Rieka Herrmann war die Teilnahme am "Restorative Justice"-Projekt sehr heilsam. Sie erzählt, dass sie nach dem Mord an ihrer Tochter an einem Schock-Stress-Trauma gelitten habe. Es habe sich angefühlt wie eine Bombe in ihrem Gehirn, die alles Leben verbrannt habe.

Im Rahmen des Projekts fand die Frau Zugang zu ihren Gefühlen, bekam die Möglichkeit, ihre Geschichte zu erzählen. "Mein Trauma durfte sprechen", so Herrmann, Ihr Schmerz sei im Hochsicherheitstrakt der JVA Oldenburg geblieben. Das helfe ihr.

Chance auf Tatbewältigung und Rückkehr ins Alltagsleben

Im Gespräch mit dem einsitzenden Mörder verstand sie, dass solche Taten mit der Konfliktfähigkeit dieser Person zu tun habe. "Die war nicht in der Lage, einen Konflikt, der offensichtlich da war, auf eine andere angemessene Art zu lösen. Und ist einfach durchgedreht", sagte sie dem NDR. Diese Erklärung sei für sie befreiend.

Bei der Teilnahme am "Restorative Justice"-Projekt solle für Betroffene einer Straftat die Chance "auf Tatbewältigung und eine Rückkehr in das Alltagsleben" erhöht werden, "Heilung und Wiedergutmachung" sollen ermöglicht und erfahren werden. Bei Tätern wiederum könne das Projekt zur "nachhaltigen Veränderung in ihrem zukünftigen Denken und Handeln führen" sowie die "Wirkungsfaktoren für eine erfolgreiche Resozialisierung" erhöhen, erklärt Daniela Hirt den Zweck.

Verwendete Quellen
  • Mitteilungen der Polizeidirektion Hannover vom 27.11.2011 und 26.11.2012
  • haz.de: Polizei gibt im Mordfall Annika B. vorerst auf
  • ndr.de: Gegen den Schmerz: Mutter von Getöteter spricht mit einem Mörder
  • daniela-hirt.com: restorative justice
  • daniela-hirt.com: Referenzen
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