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Digitalindustrie: "Da kommt noch etwas auf uns zu"

Von dpa
26.05.2022Lesedauer: 3 Min.
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Die deutsche Elektro- und Digitalbranche hofft bei der Hannover Messe auf einen Stimmungsschub inmitten der eher tr├╝ben Gemengelage aus Kriegsfolgen, Lieferkettenstress und Handelsproblemen. "Mit Blick auf Corona k├Ânnen wir in Europa hoffentlich den n├Ąchsten Herbst durchstehen, ohne wieder Lockdowns verh├Ąngen zu m├╝ssen", sagte der Pr├Ąsident des Branchenverbands ZVEI, Gunther Kegel, der Deutschen Presse-Agentur. "Anders in China: Dort zeichnet sich gerade ab, dass die Null-Covid-Strategie scheitert. Der mehrw├Âchige Stillstand in Shanghai wird einen Schock durch die Lieferketten der Welt jagen, dessen Folgen wir erst in sechs bis acht Wochen sehen werden." Kegel warnte: "Da kommt noch etwas auf uns zu."

Die wichtigste Industrieschau der Welt wird am Sonntagabend er├Âffnet. Sie ist nach einer pandemiebedingten Absage 2020 und einer Online-Ausgabe 2021 verk├╝rzt und dauert bis zum Donnerstag.

Eigentlich sind die Hersteller von Elektro- und Digitaltechnik sowie Elektronik in einer guten Position, weil viele ihrer Produkte auf die gro├čen Themen erneuerbare Energien, CO2-Verringerung, Digitalisierung und Effizienzsteigerung zugeschnitten sind. Doch die aktuellen Krisen ├╝berschatten den prinzipiell optimistischen Ausblick ein wenig.

"Wenn man die Lieferung nicht zum Kunden bekommt, kann man auch keine Rechnung stellen", meinte Kegel zum stockenden China-Handel aus Sicht der Exporteure. "Fehlende Zahlungseing├Ąnge werden sich f├╝r viele Mittelst├Ąndler noch ├╝bel bemerkbar machen." Ob wegen h├Âherer Kosten am Ende auch Verbraucher mehr zahlen m├╝ssen, sei nicht genau abzusehen. "Die Elektro- und Digitalindustrie ist insgesamt nicht so energieintensiv wie manche anderen Branchen. Die Energiekosten in den Produktkalkulationen sind oft also gar nicht so hoch - auch wenn es Ausnahmen gibt." Allgemeine Preiseffekte h├Ątten derzeit vor allem einen anderen Ursprung: die "mangelnde Versorgung mit Halbleitern, die Unternehmen nachbestellen m├╝ssen, wo diese noch erh├Ąltlich sind".

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In Teilen der Auto- und Maschinenbauindustrie hatte man erwartet, dass sich die Lieferprobleme bei den ├╝berall verbauten Mikrochips in der zweiten Jahresh├Ąlfte entspannen. "Die Mangelversorgung wird sich wohl aber noch bis 2023 ziehen", sch├Ątzt Kegel. "Das hat sich durch die Lockdowns in China deutlich versch├Ąrft. Auch viele internationale Chiphersteller sind von den Engp├Ąssen in Shanghai massiv betroffen. Ich bef├╝rchte, dass sich dies abermals negativ auf die Versorgungslage auswirken wird." Gleichzeitig gelte: "Zurzeit sitzt die Elektro- und Digitalindustrie auf gigantischen Auftragsb├╝chern."

F├╝r Deutschland habe der Krieg in der Ukraine die Konsequenz, dass der ├ľkostromausbau nicht mehr verz├Âgert werden d├╝rfe, mahnte Kegel. "Wenn Strom aus erneuerbaren Quellen der wichtigste Energietr├Ąger der Zukunft ist, d├╝rfen wir ihn nicht durch zus├Ątzliche Abgaben belasten." Das Auslaufen der EEG-Umlage zur Jahresmitte sei positiv. "Aber es m├╝ssen noch weitere Schritte folgen - auch damit Anreize geschaffen werden, wenn sich Industrie und Verbraucher von fossilen zu elektrischen Energieformen bewegen."

Russland und die Ukraine sind f├╝r die deutsche Elektro- und Digitalindustrie keine vergleichbar wichtigen Absatzm├Ąrkte wie f├╝r andere Branchen des verarbeitenden Gewerbes. Insgesamt entfallen gut 2 Prozent des Au├čenhandels der Branche auf die beiden L├Ąnder. "Der direkte Schaden ist f├╝r uns insofern relativ gering", sagte Kegel.

Zudem werde das beschleunigte Umschwenken in Richtung Erneuerbare die Nachfrage nach Elektro- und Digitaltechnik st├╝tzen. "Deshalb glauben wir, dass wir an unserer Prognose eines Wachstums von 4 Prozent in diesem Jahr festhalten k├Ânnen. Schwierig k├Ânnte es werden, falls der Krieg im kommenden Jahr noch nicht beendet sein und es eine Spirale von weiteren Sanktionen und Gegensanktionen geben sollte."

Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft sei ein zentraler Punkt, f├╝r den man die Hannover Messe als Forum nutzen wolle. Kegel nannte die Beispiele Stahl und Chemie, wo es bew├Ąhrte Verfahren f├╝r den Ersatz von Kokskohle und Gas durch Wasserstoff gebe. "Wir brauchen diesen im Umbau unserer Grundstoffindustrien, wenn diese mittelfristig CO2-neutral werden sollen. Da m├╝ssen wir ran. Alle anderen weiterverarbeitenden Industrien h├Ąngen daran. Und dies muss politisch weiter gef├Ârdert werden, damit die Unternehmen in Deutschland wettbewerbsf├Ąhig bleiben." Hierzu geh├Âre auch, den Fachkr├Ąftemangel in den Ingenieurberufen noch ernster zu nehmen.

"Wir freuen uns auf die Messe", sagte der ZVEI-Chef. "Echte Messen haben uns viel mehr gefehlt, als wir anfangs vermutet hatten. Das breitere Tor in die ├ľffentlichkeit war nicht mehr da. Kundenkontakt und Wettbewerb um L├Âsungen ist auf einer Messe besser zu leisten."

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