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Köln: Demo am Hauptbahnhof – Islamisten & Rechtsextreme für "freies Palästina"


Die Mächte des Wahnsinns in trauter Einigkeit

Von Florian Eßer

Aktualisiert am 09.12.2023Lesedauer: 3 Min.
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Markus Beisicht (Archivbild): Er ruft zur pro-palästinensischen Demo auf. (Quelle: IMAGO/Christoph Hardt/imago)

Am Sonntag will eine umstrittene Partei in Köln demonstrieren. Wer daran teilnimmt, geht einen Pakt mit dem Teufel ein, meint t-online-Redakteur Florian Eßer.

Die Partei "Aufbruch Frieden-Souveränität-Gerechtigkeit" hat zu einer pro-palästinensischen Demonstration am Kölner Hauptbahnhof aufgerufen. Und eines muss man diesem Zusammenschluss lassen: Die Partei ist durchaus divers aufgestellt. Zumindest, was die Bandbreite der demokratiefeindlichen Verwahrlosung betrifft.

In dem Sammelbecken für politisch und ideologisch Verirrte finden sich islamfeindliche Rechtsextremisten ebenso wie ehemalige Linksterroristen und Juden-hassende Islamisten. Da sind Impfgegner, Chemtrail-Gläubige und Putin-Getreue. Und nun wollen sie gemeinsam für ein "freies Palästina" auf die Straße gehen.

Denn so unterschiedlich die jeweiligen extremistischen Ausprägungen der Akteure auch sein mögen, sie alle eint die Ablehnung einer demokratischen Ordnung sowie der Hass auf Israel, die USA und den Westen. Da scheint es ihnen schon egal zu sein, welche politische Kuh gerade genau gemolken wird. Hauptsache, sie gibt Milch für die braune Plörre.

Die Redner- und Teilnehmerliste jener unsäglichen Veranstaltung am Fuße des Kölner Doms allein sollte schon reichen, um dem gesunden Menschenverstand ein Beiwohnen zu verbieten. Und dabei ist es egal, wie man zur Politik Israels oder der Deutschen Bundesregierung steht. Wer sich mit diesem Gruselkabinett gemein macht, sucht den Schulterschluss mit dem Wahnsinn.

Hand in Hand mit Bombenbauern

Zum Vorstand von "Aufbruch Frieden-Souveränität-Gerechtigkeit" gehört unter anderem André Poggenburg. Poggenburg ist ein Rechtsextremist und ehemaliger AfD-Politiker, der in Deutschland lebende Türken als "Kameltreiber" und "Kümmelhändler" bezeichnete. Noch bis November hatte Elena Kolbasnikova den Vorsitz des Vorstandes inne. Kolbasnikova ist prorussische Aktivistin, die wegen der Billigung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt wurde.

Dann wären da noch der neue Vorsitzende Markus Beisicht und Bernhard Falk. Als Jurist und Anwalt musste Beisicht zwar schwören, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren, doch er vertrat regelmäßig Rechtsextremisten und Neonazis vor Gericht, die diese ablehnen. Auch war er lange Zeit in der islamfeindlichen und rechtsextremen Partei "Pro-NRW" aktiv. Heute sitzt er für seine Partei "Aufbruch Leverkusen" im dortigen Stadtrat.

Bernhard Falk hingegen ist ein ehemaliger Linksterrorist, der wegen vierfachen versuchten Mordes und Bombenanschlägen in Haft saß. Heute ist Falk Islamist und laut Recherchen von "Endstation rechts" Schatzmeister bei "Aufbruch Frieden-Souveränität-Gerechtigkeit". Ein Gesinnungswandel, der mit Blick auf seine Sprengstoff-geladene Vergangenheit nur Gleichgesinnte beruhigen dürfte.

Der Pakt mit dem Teufel ist keine Lösung

So verquer der Einzelne, so spreizen sie angesichts des wieder aufgeflammten Nahost-Konflikts doch die Lippen zum gemeinschaftlichen Bruderkuss. Die finsteren Mächte aus dem Lala-Land rotten ihre Alu-behelmten Anhänger am Breslauer Platz nun also zum Kampf für ein freies Palästina zusammen.

Doch nicht aus Nächstenliebe für die Menschen im Gazastreifen, sondern getrieben von Machtgier und Hass. Und für diejenigen, die an einer solchen Veranstaltung teilnehmen, gibt es keine Ausreden mehr – dafür reicht es nicht mehr aus, sich für die Palästinenser einsetzen zu wollen oder ein "besorgter Bürger" zu sein.

Die Bürger in der Ukraine und in Israel sind besorgt, die Menschen im Gazastreifen sind es berechtigterweise auch. Und die Kölnerinnen und Kölner sollten es tatsächlich ebenfalls sein. Und zwar wegen der verwirrten Allianz aus Verfassungs- und Menschenfeinden, die am Sonntag ihren Hass auf den Breslauer Platz erbrechen wollen. Die Welt ist kompliziert, der Nahost-Konflikt ist es allemal. Doch ein Pakt mit dem Teufel kann keine Lösung sein.

Verwendete Quellen
  • Eigene Meinung des Autors
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