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Köln: "Barbarossaplatz ist für Radler eine Katastrophe"

Fahrradbürgermeister  

"Der Barbarossaplatz ist für Radler eine Katastrophe"

Von Stefan Rahmann

12.04.2021, 20:46 Uhr
Köln: "Barbarossaplatz ist für Radler eine Katastrophe". Reinhold Goss (56) steht auf dem Radweg des Ubierrings: Der Kölner will den Ausbau des Radverkehrs beschleunigen. (Quelle: Stefan Rahmann)

Reinhold Goss (56) steht auf dem Radweg des Ubierrings: Der Kölner will den Ausbau des Radverkehrs beschleunigen. (Quelle: Stefan Rahmann)

Reinhold Goss trägt für zwei Jahre den Titel "Fahrradbürgermeister von Köln". Ideen hat der 56-Jährige genug, wenn es um eine fahrradfreundlichere Stadt geht. 

Ein ganz kurzes Naserümpfen in den Reihen der Verwaltung hat Reinhold Goss dann doch wahrgenommen. Muss es denn ausgerechnet der Bürgermeistertitel sein? Das Amt sei doch eigentlich schon hochoffiziell vergeben.

Das Engagement des IT-Beraters aus der Kölner Südstadt für den Radverkehr hat sich mittlerweile auch international herumgesprochen. Reinhold Goss hat vom Bicycle Mayor Network in Amsterdam den Ehrentitel Bicycle Mayor for Cologne verliehen bekommen und darf sich jetzt ganz inoffiziell Fahrradbürgermeister von Köln nennen.

"Köln ist zum Erfolg verdammt"

"Ich gehöre damit für zwei Jahre diesem inzwischen global agierenden Netzwerk an, das sich zur Aufgabe gemacht hat, den Ausbau des Radverkehrs in Städten zu beschleunigen, indem die Rolle der Zivilgesellschaft besonders hervorgehoben wird. Inzwischen gibt es über 100 Fahrradbürgermeister in mehr als 30 Ländern. Bicycle Mayors sollen der Verkehrswende ein Gesicht und eine Stimme geben und so dem Thema deutlich mehr Sichtbarkeit verschaffen", beschreibt der 56-Jährige sein neues Ehrenamt.

Er sieht die Stadt "zum Erfolg verdammt" angesichts des Klimawandels. Mindestens 50 Prozent aller Wege sollen in Köln 2025 auf dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden, fordert er. Zwei Drittel des Autoverkehrs in der Kölner Innenstadt seien Durchgangsverkehr. Den einzudämmen bedeute auch mehr Lebensqualität.

Ein Radler auf einer breiten, separaten Fahrradspur am Zülpicher Platz: Fahrrad-Aktivisten wollen in Köln mehr und mehr Autospuren zu Radwegen umfunktionieren. (Quelle: Stefan Rahmann)Ein Radler auf einer breiten, separaten Fahrradspur am Zülpicher Platz: Fahrrad-Aktivisten wollen in Köln mehr und mehr Autospuren zu Radwegen umfunktionieren. (Quelle: Stefan Rahmann)

Schlechte Bedingungen für Radler

Die Berührungsängste der Verwaltung mit dem internationalen Titelträger hat die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nicht. Sie hat dem Fahrradbürgermeister ein Gespräch angeboten. Und es gibt einiges zu besprechen. Denn die Bedingungen für die Radfahrer in Köln seien alles andere als gut, sagt Goss. Das sieht die Oberbürgermeisterin übrigens genauso. Sie hat kürzlich sogar erklärt, dass sie sich in ihrer Stadt nicht aufs Rad traue: "Ich habe Angst." Die würde ihr Goss gerne nehmen.

Das war allerdings nicht das vorrangige Ziel, als er 2015 gemeinsam mit anderen das Bündnis "Ring frei" gründete, das erklärt hatte, die Kölner Ringstraßen fahrradfreundlicher machen zu wollen. Goss ist bis heute Sprecher der Initiative. "Stoppt das Töten von Radfahrern", nannte sich sehr plakativ eine Demonstration des Bündnisses bei der Gründung am 7. Oktober 2015. Vorangegangen waren mehrere für Radfahrer tödliche Unfälle mit rechts abbiegenden Lastwagen.

Auf immer mehr Abschnitten der Flaniermeile Kölner Ringe wurde seitdem jeweils eine Autospur in beide Richtungen zum Radweg. "Ring frei" und Kölner Stadtverwaltung haben zusammengearbeitet. Das gegenseitige Vertrauen wächst langsam, aber stetig.

Radspur, Lieferzone und Taxistand auf dem Hohenstaufenring: Auf immer mehr Abschnitten der Kölner Ringe wurden Autospuren zu Radwegen. (Quelle: Stefan Rahmann)Radspur, Lieferzone und Taxistand auf dem Hohenstaufenring: Auf immer mehr Abschnitten der Kölner Ringe wurden Autospuren zu Radwegen. (Quelle: Stefan Rahmann)

Die Ringe in Köln folgen dem Verlauf der mittelalterlichen Stadtmauer. Sie enden im Norden und Süden am Rhein und bilden einen Halbkreis um die Innenstadt. Mittlerweile gilt auf allen Abschnitten der Ringe durchgängig Tempo 30. Das habe die Sicherheit für die Radfahrer nachhaltig verbessert, sagt Goss: "Wir haben 40 Prozent weniger Unfälle mit Radfahrern als vor Tempo 30."

"Barbarossaplatz eine Katastrophe für Radfahrer"

Aber es gibt noch viel zu tun. Aktuell am Barbarossaplatz, der Teil der Ringe ist. Der ist nach Meinung des Fahrradbürgermeisters für Radfahrer "eine einzige Katastrophe". Im Umfeld des Platzes finden sich zahlreiche Bildungseinrichtungen. Allen voran natürlich die Universität. "Die Ringe sind im Prinzip ein riesiger Campus", erklärt Goss, der auch mal Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft Köln war. In diesem Jahr gelte es auch, sich den Ebertplatz genau anzuschauen, um das Projekt "Ring frei" abzuschließen. Und danach wird es an anderen Orten weitergehen.

Am Barbarossaplatz müssen Radler sich zwischen Autos und Lkw behaupten, um am Verkehr teilzunehmen: Die Probleme sind hier bislang ungelöst.  (Quelle: Stefan Rahmann)Am Barbarossaplatz müssen Radler sich zwischen Autos und Lkw behaupten, um am Verkehr teilzunehmen: Die Probleme sind hier bislang ungelöst. (Quelle: Stefan Rahmann)

Goss fordert eine zentrale Querung der Innenstadt von der Uni bis zur Zentralbibliothek und weist auf einen anderen Aspekt hin: "Ich habe den Eindruck, dass die Verwaltung immer ganz besonders gründlich nachdenkt, wenn es um Verbesserungen für Radfahrer geht. Das dauert in der Regel immer sehr lange".

Ein gutes Beispiel sei die Umgestaltung der Oskar-Jäger-Straße. Die habe von Beginn der Planung bis zur Umsetzung 15 Jahre gedauert. In viel zu vielen Fällen habe man nach Standards geplant, die längst überholt seien. Natürlich sei die Radverkehrsführung in einer alten und engen Stadt wie Köln nicht einfach. Aber es sei jetzt "eminent wichtig, in Routen zu denken".

Pop-up-Radwege oder Grüne Welle für Radler

Auch auf der Nord-Süd-Fahrt, die Köln von der Südstadt bis in den Norden durchschneidet, sollen weitere Autospuren zu Radwegen werden. Die Rheinuferstraße im Linksrheinischen haben die Aktivisten im Blick. "Schwierig ist der Tunnel unter dem Rheingarten", weiß Goss. Und auch im Rechtsrheinischen sollen Möglichkeiten geschaffen werden, sicher flanieren und Rad fahren zu können.

"Man könnte doch einfach mal an der einen oder anderen Stelle 'Pop-up-Bikelanes' schaffen. Auf der Rheinuferstraße zum Beispiel. In anderen Städten war das während des Corona-Lockdowns möglich. In Köln nicht".  Und warum gibt es nicht einfach wie in Kopenhagen auf großen Straßen eine Grüne Welle für Radfahrer? Dem Fahrradbürgermeister gehen die Ideen nicht aus – die Arbeit aber auch nicht.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Fahrradbürgermeister Reinhold Goss 

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