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Köln: Parfüm-Hersteller will Standort schließen – Mitarbeiter geschockt


Parfümkonzern schließt "überfallartig" Kölner Standort


Aktualisiert am 02.06.2021Lesedauer: 3 Min.
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Bis 2013 wurde am Kölner Standort auch das legendäre "4711 Echt Kölnisch Wasser" produziert.Vergrößern des Bildes
Bis 2013 wurde am Kölner Standort auch das legendäre "4711 Echt Kölnisch Wasser" produziert. (Quelle: Florian Eßer)

Der Kosmetikkonzern Coty steckt in der Krise – und will den einzigen Standort in Deutschland schließen. 300 Mitarbeitern droht die Arbeitslosigkeit. Was dahinter steckt.

Der Kosmetikkonzern Coty gehört zur weltweiten Spitze der Parfümherstellung und produziert unter anderem für Marken wie Hugo Boss, Adidas und Gucci. Alleine im Jahr 2020 hat das Unternehmen so einen Umsatz von mehr als 4 Milliarden US-Dollar eingefahren. Das ist zwar auf den ersten Blick eine Menge, spiegelt aber gleichzeitig den deutlichen Abwärtstrend des Unternehmens wider: 2017 etwa lag der Jahresumsatz noch über 7 Milliarden US-Dollar. Ein solcher Gewinnverlust sorgt natürlich auch in den Chefetagen nicht für Champagnerlaune, bedeutete aber vor allem für die Arbeitnehmer die Gefahr des Jobverlustes.

Diese Gefahr konkretisiert sich momentan am Kölner Standort des Unternehmens in Bickendorf: Im Februar dieses Jahres gab die Konzernleitung das Aus des hiesigen Werkes bekannt – eine Verkündigung, die für die 300 Angestellten "völlig überraschend" und "überfallartig" erfolgt sei, wie die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie Köln-Bonn (IG BCE) erklärt. Überraschend kommt die geplante Schließung des Kölner Standorts tatsächlich. Immerhin wurde er in den letzten Jahren unter großem finanziellen und personellen Aufwand zu einem sogenannten "Center of Excellence" ausgebaut.

"Unverantwortlicher Umgang mit dem Schicksal der Beschäftigten"

Wie der IG BCE weiter erklärt, stehe eine schlüssige Begründung und Erklärung für die Schließung noch aus, die bis zum Sommer 2022 erfolgt sein soll. Auch Robert Flesch, der Betriebsratsvorsitzende des Kölner Werks, zeigt sich geschockt: "Wir haben in den letzten Jahren immer alles für den Erfolg, den Erhalt und die Weiterentwicklung des Standortes gegeben", so Flesch. "Daher sind wir umso fassungsloser, wie unverantwortlich hier mit dem hohen Invest der letzten Monate, dem Schicksal der Beschäftigten und der Bedeutung unseres Standortes für die Region Köln umgegangen wird."

In der Tat ist die Bedeutung des Werkes groß – nicht nur für die Angestellten und das Bickendorfer Veedel. So ist Coty tief in Köln-Ehrenfeld verwurzelt: Bis 2003 wurde hier das Echt Kölnische Wasser "4711" produziert, während der Corona-Pandemie spendete das Werk Desinfektionsmittel an das Ehrenfelder St. Franziskus-Hospital und örtliche Senioreneinrichtungen.

Solidarität, die den Angestellten des Werkes nun zumindest von den Kölnern und der Bezirksvertretung Ehrenfeld erwidert wird. Die Bezirksvertretung, die "mit großer Bestürzung von den Plänen des Kosmetikkonzerne" erfahren habe, fordert Coty auf, die Schließung zurückzunehmen.

Udo Hanselmann (SPD): "Appelle an die die soziale Verantwortung verhallen"

"Die Ankündigung der Geschäftsleitung hat mich nicht nur überrascht, sonder es hat mich auch schockiert, dass auf einen Schlag 300 Arbeitsplätze wegfallen sollen", sagt etwa Bezirksvertreter Udo Hanselmann. Wie der SPD-Politiker weiter ausführt, würden nicht nur Arbeitsplätze verloren gehen, auch drohe der Verlust eines traditionsreichen Unternehmens in Bickendorf, den es zu verhindern gäbe.

Dabei räumt Hanselmann aber ein, dass die Politik nicht viele Möglichkeiten habe, auf solche Firmenentscheide Einfluss zu nehmen: "Prinzipiell verhallen Appelle an die soziale Verantwortung der Geschäftsleitung im Nichts", so Hanselmann.

Wie der Bezirksvertreter erklärt, müsse man schließlich bedenken, dass es sich bei dem Bickendorfer Werk zwar um den einzigen Standort des Konzerns in Deutschland handle, er aber auch in Spanien und Frankreich produziert. Dorthin wolle man die europäische Produktion nun vollends auslagern. Warum ausgerechnet das Kölner Werk der Schließung zum Opfer fallen soll, wirft viele Fragen auf. Das US-Unternehmen, dessen Hauptaktionär die deutsche Milliardärsfamilie Reimann ist, begründete die Schließung damit, dass die Kapazitäten im Produktsegment "Düfte" ausgeschöpft sei.

Spekulationen um Verkauf des Werksgeländes

Tatsächlich aber könnte der Grund für die geplante Schließung des Kölner Werks, so wird spekuliert, das wertvolle Grundstück sein, auf dem die Bickendorfer Fabrik beheimatet ist. Dieses misst immerhin 170.000 Quadratmeter: "Der Verkauf des Grundstücks würde einen mehrstelligen Millionenbetrag einbringen", erklärt SPD-Politiker Udo Hanselmann. "Würde dieses Gelände dann für den Wohnungsbau umgewidmet werden, würden höchstwahrscheinlich nur hochpreisige Wohnungen entstehen."

In der Praxis allerdings könnte sich die Nutzung des Areals für den Wohnungsbau als schwierig erweisen: Im Flächennutzungsplan der Stadt Köln ist das Werksgelände nämlich als Gewerbegebiet ausgewiesen – und kann somit nur als solches genutzt werden: "Das werden wir in einem Beschluss noch einmal bekräftigen", so Hanselmann.

"Eine schwierige, aber notwendige Entscheidung"

Ob die geplante Schließung des Kölner Standorts noch abgewendet werden kann, ist fraglich. Gegenüber dem "Handelsblatt" sagte Coty-Chefin Sue Youcef Nabi, dass die Schließung des Werkes in Köln-Bickendorf keine leichte Entscheidung, aber notwendig gewesen sei – immerhin steht das Unternehmen mit Milliarden an Dollar in den Schulden.

Hilfe erhofft sich der US-Konzern daher auch von den Influencerinnen Kim Kardashian und Kylie Jenner, deren Parfümmarken man nun produzieren will. So zitiert das "Handelsblatt" Chefin Nabi weiter damit, dass die Social-Media-Reichweiten der beiden von unschätzbarem Wert seien. Den 300 Kölner Mitarbeitern des Unternehmens aber dürfte die Follower-Zahl der Kardashians ziemlich egal sein: Sie werden weiter gegen die Schließung protestieren.

Verwendete Quellen
  • Persönliche Gespräche
  • Pressemitteilungen des IG BCE Köln-Bonn
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