Sie sind hier: Home > Regional > Köln >

Köln: Hunderte E-Scooter im Rhein gefunden – Akkus Gefahr für Gewässer

Anbieter reagieren nur zögerlich  

Hunderte E-Scooter im Rhein versenkt – Gefahr für Gewässer

15.06.2021, 18:30 Uhr | rde, t-online

Köln: Hunderte E-Scooter im Rhein gefunden – Akkus Gefahr für Gewässer. Zuvor im Rhein versenkte E-Scooter liegen am Ufer (Archivbild): Mehr als 500 der Roller haben Taucher am Grund des Flusses ausgemacht. (Quelle: K.R.A.K.E. e.V.)

Zuvor im Rhein versenkte E-Scooter liegen am Ufer (Archivbild): Mehr als 500 der Roller haben Taucher am Grund des Flusses ausgemacht. (Quelle: K.R.A.K.E. e.V.)

Laut einem Bericht sind rund 500 E-Scooter auf dem Grund des Rheins gefunden worden. Auslaufende Akkus können eine Gefahr darstellen. Einige Verleiher fühlen sich für die Bergung offenbar nicht zuständig und tun sich schwer, das Problem zu verhindern.

Taucher haben im Rhein hunderte Elektro-Tretroller gefunden. Das berichtet der WDR. Ausgewertete GPS-Daten haben ergeben, dass die Scooter im Bereich der Hohenzollernbrücke in der Kölner Innenstadt liegen – in den Rhein geworfen von Randalierern.

Einer der größten E-Scooter-Anbieter wollte das Unternehmen des Kölner Bau-Tauchers Markus Hambüchen beauftragen, die 500 Scooter zu bergen. Doch dann waren dem Anbieter die Kosten für den Einsatz zu hoch. "Im Ergebnis sagte der zuständige Mann, bei den Kosten lohne es nicht, die Scooter aus dem Rhein zu holen. Die sollen bleiben, wo sie sind", berichtet Hambüchen dem WDR. 

Problem für das Trinkwasser?

Der Schrott im Wasser sei laut dem Experten aber nicht nur bei Bauarbeiten ein Hindernis, sondern auch wegen aus den Akkus auslaufender Chemikalien ein massives Problem für die Natur. Das bestätigt auch der im Bericht zitierte Wasserexperte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland in NRW, Paul Kröfges: "Da liegen allein in Köln Hunderte dieser Fahrzeuge im Rhein, giftige und gefährliche Stoffe werden frei und die Eigentümer wollen ihren Schrott im Rhein lassen. Das dürfen die zuständigen Umweltbehörden nicht hinnehmen. Der Rhein ist Trinkwasser-Lieferant für etwa 30 Millionen Menschen in Europa".

Der betroffene Roller-Anbieter beteuere, dass "alle Scooter, die in Reichweite seien, aus dem Wasser geholt würden." Allerdings sei der Rhein tief und die Strömung stark, sodass es schwer werde, alle Fahrzeuge herauszuholen. Gleichzeitig verweise er auf den Kölner Verein "K.R.A.K.E.", der sich angeblich um Bergungen dieser Art kümmere. 

"Wir haben aber überhaupt nicht die Technik und auch nicht die Fähigkeit, solche Fahrzeuge aus dem Strom zu bergen. Das ist falsch, was da behauptet wird", kommentiert Vereinsgründer Christian Stock die Angaben gegenüber dem WDR. Zwar hat der gemeinnützige Verein bereits E-Scooter aus dem Rhein geholt – allerdings nur aus Ufernähe bei niedrigem Pegel.

Roller-Anbieter reagieren nur zögerlich auf das Problem

Fünf E-Scooter-Anbieter wurden vom WDR mit Fragen zu der Problematik konfrontiert, viele blieben unbeantwortet. Das Unternehmen Tier schreibt, dass es "nur sehr selten vorkommt, dass einer unserer Scooter in den Rhein oder andere Gewässer geworfen wird und wir ihn eben nicht direkt bergen können". Die Gefahr für das Wasser durch auslaufende Akkus bestreitet der Anbieter. Auch Konkurrent Voi behauptet, dass die Akkus sicher seien. 

Ein Schwan neben einem im Kölner Mediapark schwimmenden E-Scooter: Das Bild stammt bereits aus dem November 2019 und zeigt: Das Problem besteht nicht nur am Rhein. (Quelle: Volker Adolf)Ein Schwan neben einem im Kölner Mediapark schwimmenden E-Scooter: Das Bild stammt bereits aus dem November 2019 und zeigt: Das Problem besteht nicht nur am Rhein. (Quelle: Volker Adolf)

Voi wolle nun mit eigenem Personal die Fahrzeuge aus dem Rhein holen, wohingegen die Verleiher Tier und Lime behaupten, diesbezüglich mit dem Verein "K.R.A.K.E." zusammenzuarbeiten. Lediglich der Anbieter Bird plane, "so rasch wie möglich eine Fachfirma mit der Bergung im Rhein zu beauftragen."

Um weiteren Schrott im Rhein zu verhindern, sollen nun Parkverbote seitens VOI und Bird für E-Scooter am Flussufer verhängt werden. 

Eine Art Bannmeile um Gewässer macht auch in den Augen von Christian Stock Sinn. Wer einen E-Scooter noch 200 Meter weit schleppen müsse, um ihn ins Wasser zu werfen, der werde sich das zwei Mal überlegen. "Die Hemmschwelle ist dann größer", so Stock zu t-online.

Im vergangenen Jahr muss die bei einigen Menschen noch sehr niedrig gewesen sein. Im September vergangenen Jahres haben Stock und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter von "K.R.A.K.E." bei einer Aufräumaktion am Rhein in einem recht kleinen Bereich weit über 30 E-Scooter und Leihfarräder aus dem Wasser geholt. Damals war der Rheinpegel niedrig, sodass die Mitglieder des Vereins dies auch mit einfachen Methoden bewerkstelligen konnten.

Seit gut einem Jahr führt der von Stock vor einigen Jahren ins Leben gerufene Verein regelmäßig Aufräumaktionen durch. Beim letzten großen Rhein-Cleanup-Day im Herbst 2020 waren es 700 Menschen, die sich beteiligten. "Dieses Jahr wollen wir am 11. September wieder einen großen Aufräumtag starten." Wie viele E-Scooter dann entlang des Rheins zum Vorschein kommen, mag er nicht zu sagen. "Im Zweifel leider mehr", sagt Christian Stock.

Keine Gefahren für die Schifffahrt

Risiken oder Gefahren für die Schifffahrt ergeben sich durch die in den Rhein geworfenen E-Scooter übrigens nicht. "Sie sind mit anderen Gegenständen wie Fahrrädern oder Einkaufswagen vergleichbar, die leider immer wieder in Gewässer eingebracht werden", so ein Sprecher vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein auf Anfrage von t-online. Ein Schiffsrumpf oder auch ein Schiffspropeller würden beim Kontakt mit derartigen Gegenstände nicht ernsthaft beschädigt. "Gefährlicher könnte es werden, wenn Fahrräder, E-Roller oder ähnliches auf das Deck eines Schiffes – speziell eines Fahrgastschiffes – fallen."

Sofern von den Batterien der Elektroroller eine mögliche Umweltgefahr für das Gewässer ausgeht, "obliegt die Pflicht zur Gefahrenabwehr grundsätzlich den Ländern". Die zuständige Wasserbehörde müsste die Bergung der Roller verfügen und diese Verfügung gegen einen verantwortlichen Störer richten. "Dieser wäre dann auch zur Kostentragung verpflichtet", so der Sprecher. Zuständig für derartige Maßnahmen wäre im konkreten Fall die Stadt Köln als untere Wasserbehörde.

Aktuell sieht das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein keinen Bedarf, auf die Anbieter von E-Scootern zuzugehen, denn es sei anzunehmen, "dass die Verleiher im eigenen Interesse Maßnahmen treffen werden, um die Anzahl 'verlorener' Roller zu reduzieren", so der Sprecher.

Verwendete Quellen:

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
10-Tages-Vorhersage

Weltbild.detchibo.deOTTODeichmannbonprix.deLIDLBabistadouglas.deamazon.de

shopping-portal

Hinweis:

Der Internet Explorer wird nicht länger von t-online unterstützt!

Um sicherer und schneller zu surfen, wechseln Sie jetzt auf einen aktuellen Browser.

Wir empfehlen unseren kostenlosen t-online-Browser: