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Corona in Köln: Klinik-Chef: "Ungeimpfte sind nicht zu ertragen"


Vierte Welle in Köln
Klinik-Chef: "Impf-Unwillige lassen mich Kopf schütteln"

Von Florian Eßer

Aktualisiert am 11.09.2021Lesedauer: 4 Min.
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Eine Pflegerin auf der Intensivstation (Symbolbild): In Köln rechnen die Kliniken mit mehr Corona-Patienten.Vergrößern des Bildes
Eine Pflegerin auf der Intensivstation (Symbolbild): In Köln rechnen die Kliniken mit mehr Corona-Patienten. (Quelle: Reichwein/imago-images-bilder)

Deutschland befindet sich in der vierten Welle. Im Herbst könnten die Corona-Zahlen auch in Köln weiter dramatisch steigen. Krankenhäuser blicken dem gefasst entgegen – doch eines macht den Medizinern Sorge.

Vielerorts in Köln macht es den Anschein, als sei die Gefahr der Corona-Pandemie gebannt. In vereinzelten Bereichen des öffentlichen Lebens gelten zwar nach wie vor die 3G-Regeln und die Maskenpflicht, ansonsten aber scheint die Normalität in den Alltag zurückgekehrt zu sein.

Auch in einem Strategiepapier des Robert Koch-Instituts (RKI) für Herbst und Winter heißt es, dass in der kalten Jahreszeit die für eine Grundimmunität erforderliche Impfquote von 70 bis 80 Prozent noch nicht erreicht sein wird. In Deutschland sind derzeit 61,9 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, in Köln haben etwa 762.822 Personen zumindest eine Erstimpfung erhalten. Das entspricht einem Prozentsatz von rund 70 Prozent – und kommt der empfohlenen Impfquote des RKI schon näher.

"Wir sind seit Beginn auf weitere Wellen gut vorbereitet"

Dennoch stellt man sich auch in Köln bereits auf einen möglichen erneuten Anstieg der Fallzahlen ein. Besonders in den Krankenhäusern laufen diese Vorbereitungen auf Hochtouren. Das St. Elisabeth Krankenhaus in Hohenlind zum Beispiel bereite sich seit Beginn der Pandemie auf weitere Wellen vor, wie eine Sprecherin der Klinik auf Anfrage erklärt. So treffe sich der interdisziplinäre Krisenstab des Hauses seit dem Ausbruch des Virus im März 2020 regelmäßig: "Bei diesen Treffen werden die aktuellen Entwicklungen engmaschig verfolgt und bei Bedarf entsprechende Maßnahmen umgesetzt."

Zuletzt sei eine 3G-Regel für Patienten, Besucher und Begleitpersonen eingeführt worden, auch seien die Hygienemaßnahmen verschärft worden. "Außerdem wurde ein Vorrat an Schutzmaterialien angelegt", so die Sprecherin weiter.

Durch diese Maßnahmen sehe sich das St. Elisabeth Krankenhaus auch bei einem möglichen Anstieg der vierten Welle gut vorbereitet: "Unsere Intensivbettenkapazität können wir bei Bedarf kurzfristig verdoppeln", heißt es von Seiten der Klinik. Außerdem würden seit Beginn der Pandemie coronapositive Patienten, die einen weniger schweren Verlauf haben, auf einer separaten Isolierstation behandelt. Die Anzahl der Covid-Patienten belaufe sich momentan aber noch auf einen niedrigen einstelligen Bereich.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krankenhauses seien mittlerweile "weitestgehend durchgeimpft", erklärt die Sprecherin des Hauses, "sodass wir uns vor einer möglichen vierten Welle gut geschützt sehen".

"Covid ist bei uns zum Alltag geworden"

"Covid ist bei uns zum Alltag geworden", berichtet auch Stefan Hermes vom Ehrenfelder St. Franziskus-Hospital. Hermes ist kommissarischer Leiter der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie sowie Mitglied der Covid-19-Einsatzleitung: "Und man muss dazu sagen, dass unser Alltag auch schwerer geworden ist."

Das St. Franziskus-Hospital gehört zur Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria. Zu dieser zählen in Köln auch das St. Vinzenz-Hospital in Nippes, das St. Marien-Hospital in der Innenstadt und das Heilig-Geist-Krankenhaus in Longerich. Weitere Standorte unterhält die Stiftung in Wuppertal. Die Einsatzleitungen der einzelnen Krankenhäuser stehen in einem steten Austausch und kooperieren eng in der Bewältigung der Pandemie.

Gerade auf der Intensivstation mache sich so eine Erschöpfung unter den Mitarbeitern des Krankenhauses bemerkbar: "Die Leute sind oftmals ausgebrannt und verlassen den intensivmedizinischen Bereich, in dem sie eigentlich immer gerne gearbeitet haben", so Hermes weiter. Dies sei aber ein Problem, das es in vielen Krankenhäusern zu bewältigen gelte – anderthalb Jahre Pandemie und die aus ihr entstandene Belastung zehren an den Kräften des Klinikpersonals. "Das Sterben von Patienten ist auch ein größeres Thema geworden", erzählt Hermes, "es sterben definitiv mehr Menschen als vor der Pandemie."

Zur Belastung auf den Intensivstationen kommt auch das Risiko hinzu, sich selbst mit dem Coronavirus zu infizieren, wenn man mit erkrankten Patienten arbeitet: "Der Großteil unseres Personal ist geimpft oder bereits genesen" erklärt Hermes, "über Hundert Mitarbeiter haben sich im Laufe der Zeit mit dem Virus angesteckt."

Dass die mangelnde Impfbereitschaft zu Lasten des Klinikpersonals geht, ist für den Mediziner ein Unding: "Der Unwille, sich impfen zu lassen, lässt mich immer wieder den Kopf schütteln", erzählt er, "für die, die jeden Tag mit den Patienten arbeiten, ist das nicht zu ertragen."

"Die vierte Welle ist im Gange"

Derzeit werden im St. Franziskus-Hospital zehn Menschen behandelt, die am Coronavirus erkrankt sind – vor ein paar Wochen belief sich die Anzahl der Covid-Patienten noch auf null: "Die vierte Welle ist auf jeden Fall im Gange", weiß der Mediziner, "auch wenn es derzeit noch wenig Fälle im Verhältnis zur Inzidenzzahl sind."

Von den zehn Covid-Patienten im St. Franziskus-Hospital seien fünf ungeimpft – bei ihnen handle es sich in der Regel um junge Menschen, häufig mit Migrationshintergrund, die sich aus verschiedenen Gründen nicht impfen lassen wollen.

Die fünf anderen Covid-Patienten seien geimpfte Personen, bei denen es zu sogenannten "Impfdurchbrüchen" gekommen ist. Bei diesen handle es sich aber ausschließlich um alte Menschen, bei denen die Impfreaktion nicht so ausgefallen ist, wie sie es bei jüngeren Menschen wahrscheinlich getan hätte.

Impfungen können das Virus durchbrechen, nicht Lockdowns

Ob die Corona-Fälle im Herbst noch einmal deutlich ansteigen werden, dazu will Stefan Hermes keine Prognose aufstellen – vorstellbar sei es aber. Wie er weiter erklärt, lasse sich die vierte Welle schließlich nur stoppen, wenn die Impfquote weiter steige: "Ich kann nur immer wieder an die Menschen appellieren, sich impfen zu lassen", betont der Mediziner, "anders lässt sich das Virus nicht durchbrechen."

Dass Lockdowns auf Dauer eine Lösung des Problems darstellen, bezweifelt der Arzt: "Das gesellschaftliche Leben muss weitergehen und dabei denke ich vor allem auch an die Kinder. Sie haben ein Recht auf ihre freie Entfaltung und Entwicklung."

Die Kölner Uniklinik konnte sich "aufgrund der begrenzten Zeitressourcen" bisher nicht zu der Thematik äußern.

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