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Corona-Krise in Köln: Mutter unterrichtet Sohn zuhause – und soll zahlen


Mutter unterrichtet Sohn zu Hause – und soll zahlen


22.01.2022Lesedauer: 3 Min.
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Der Sohn von Alexandra Jahnz: Ihn unterrichtet die Kölnerin von zu Hause.Vergrößern des Bildes
Der Sohn von Alexandra Jahnz: Ihn unterrichtet die Kölnerin zu Hause. (Quelle: privat)

Alexandra Jahnz will ihre Familie vor den Folgen einer Corona-Infektion schützen und unterrichtet ihren Sohn deshalb zu Hause. Die Stadt Köln droht mit Zwangsgeld bis hin zu Zwangshaft.

"Wir wissen noch viel zu wenig über Corona", sagt Alexandra Jahnz, die seit Beginn des Schuljahres dafür kämpft, dass ihr Sohn Leo nicht in den Präsenzunterricht muss. Denn: Sie sorgt sich um seine Gesundheit und die ihrer Familie.

Hier in Deutschland besteht allerdings Schulpflicht. Die, das wirft ihr die Stadt Köln vor, würde sie durch ihr Verhalten verletzen. Deshalb hat die Stadt ein Zwangsgeld gegen sie und ihren Mann Pascal Warscheid verhängt. 5.000 Euro sollen die Eltern insgesamt zahlen.

Kölnerin unterrichtet Sohn zu Hause: "Ich will mein Kind nicht der Gefahr einer Infektion aussetzen"

Dabei unterrichte sie den Erstklässler genauso gut zu Hause, ist sie überzeugt. "Solange ich nicht weiß, welche langfristigen Folgen eine Infektion für mein Kind haben kann, will ich es nicht der Gefahr einer Infektion aussetzen." Post- oder Long-Covid-Symptome wurden bisher vermehrt bei Erwachsenen festgestellt. Aber auch einige Kinder leiden bereits darunter.

Sie verweist auf tödliche Hirnhautentzündungen Jahre nach einer Maserninfektion. Diese Befürchtung werde aber immer wieder ignoriert und auch vor dem Oberverwaltungsgericht Köln schenkte man dem Elternpaar kein Gehör.

"Das Problem ist, dass hier zwei Grundrechte gegeneinanderstehen: das Recht auf körperliche Unversehrtheit und das Recht auf Bildung." Bildung könne man notfalls noch nachholen. Wenn aber die Gesundheit einmal geschädigt ist, sei dies irreversibel.

Mit jedem anderen Virus können sich ihre Kinder auch infizieren. Das weiß sie. Im Unterschied zur Grippe sei Covid-19 allerdings wesentlich schlechter erforscht und die Erkrankung betreffe den ganzen Körper, argumentiert sie: "Das Corona-Virus ist ein Virus, das die ganze Welt lahmgelegt hat." Daher sieht sie Corona nicht als allgemeines Lebensrisiko und will für eine Abwägung der beiden Grundrechte vor das Bundesverfassungsgericht ziehen.

"Immer wieder wird außerdem behauptet, Kinder seien keine Pandemietreiber. Dafür gibt es aber keine Belege", sagt Jahnz. Die Inzidenzen liegen in der Gruppe der Kinder zwischen 700 und 1.000. Die Stadt Köln antwortet auf die Frage, wie man zu der Einschätzung komme, dass Kinder in der Schule keine Pandemietreiber seien, ausweichend: "Aktuell sind in Köln 648 Schüler und 128 Mitarbeitende in Schulen infiziert. In Köln gibt es insgesamt 295 Schulen mit 150.100 Schülern."

"Wer für die Gesundheit des Kindes kämpft, sollte nicht kriminalisiert werden"

In den Schulen gelte Masken- und Testpflicht. Vor dem Hintergrund der psychosozialen Gesundheit und Entwicklung der Kinder sei der Stadt Köln daran gelegen, dass der Präsenzunterricht an allen Schulen angeboten werden kann. Von körperlicher Gesundheit schreibt sie nichts.

Die ist Alexandra Jahnz jedoch ebenso wichtig. Solange sich die Infektionslage also nicht bessert, hält die Mutter an ihrer Position fest und will weiterkämpfen. Sie wirft der Politik und der Stadt vor, gesundheitliche Bedenken zu ignorieren: "Die Politik macht es sich zu einfach. Statt sinnvolle Konzepte für Distanzunterricht endlich umzusetzen, argumentiert man lieber mit der Präsenzpflicht und milden Verläufen bei Kindern und schaut bei den Risiken weg."

Eine komplette Abschaffung der Präsenzpflicht hat sie indes nicht im Sinn. Sie wäre sogar froh, wenn ihr Sohn Leo wieder in die Schule gehen könnte. Wann das so weit sei, das will sie stets nach Lage beurteilen. Im Moment sieht sie ihr Kind nicht in der Schule. Dafür müssten mehrere Bedingungen erfüllt sein.

Sie möchte einen guten Impfschutz mit einem angepassten Impfstoff, der nicht wieder durch neue Virusvarianten umgangen wird. Außerdem fordert sie, dass die Schulen zwar offen bleiben, aber sicher gemacht werden und in der Zeit der Pandemie die Präsenzpflicht ausgesetzt wird.

"Eltern, die die Gesundheit ihres Kindes schützen wollen, sollten dafür nicht kriminalisiert werden." Voraussetzung dafür ist ihrer Meinung nach, dass der Unterricht zu Hause funktioniert. Ihr sei klar, dass das nicht alle Eltern leisten könnten. Aber in Absprache mit den Lehrern sollte Heimunterricht möglich sein. Dafür wird sie sich weiter einsetzen.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Alexandra Jahnz
  • Antwort der Stadt Köln
  • Eigene Recherchen
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