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K├Âln: Karnevalsbilanz f├Ąllt durchwachsen aus

Von Michael Hartke

04.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Feiern unter 2G-Plus-Bedingungen, wie hier in einer Kneipe am Alter Markt an Weiberfastnacht: Die K├Âlner Wirte ziehen insgesamt eine durchwachsene Bilanz.
Feiern unter 2G-Plus-Bedingungen, wie hier in einer Kneipe am Alter Markt an Weiberfastnacht: Die K├Âlner Wirte ziehen insgesamt eine durchwachsene Bilanz. (Quelle: Dominik Sommerfeld)
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Die negativen Ereignisse der vergangenen Tage und Monate haben vielen Menschen die Lust am Karneval genommen. K├Âlns Wirte und Vereine haben das zu sp├╝ren bekommen. t-online zieht Bilanz.

Es war eine Karnevalssession unter vielen negativen Vorzeichen. Zwar verlief Karneval an manchen Stellen fast normal, mit einer reduzierten Sessionser├Âffnung, vereinzelten Karnevalssitzungen und einigerma├čen gef├╝llten Kneipen. Das war aber alles andere als Karneval, wie wir ihn von fr├╝her kennen.

IG Gastro in K├Âln: "Karneval lohnt sich nur bei vollen Kneipen"

Entsprechend mau sieht die Bilanz der f├╝nf tollen Tage aus. Viele Wirte haben deutlich weniger eingenommen als ├╝blich. Maike Block, die Vorsitzende der K├Âlner IG Gastro, best├Ątigt, dass es auf den Stra├čen deutlich ruhiger war. "Bei mir in der S├╝dstadt, wo ich wohne, w├Ąre ich an einem normalen Weiberfastnachtstag sofort gegen einen Clown gelaufen. In diesem Jahr waren kaum Menschen unterwegs", berichtet sie.

Das habe sich dann auch auf die Einnahmen der Wirte ausgewirkt. Viele h├Ątten auch gar nicht erst ge├Âffnet. "Karneval funktioniert eigentlich nur bei voller Auslastung, weil die Personalkosten durch Einlasskontrollen und Security deutlich h├Âher sind", erkl├Ąrt Block.

Als dann der Rosenmontagszug zur Friedensdemo umfunktioniert worden war, sei fast niemand mehr in die Kneipe gegangen. "Kaum jemandem war nach den Nachrichten aus der Ukraine noch zum Feiern zumute." Um den Umsatz sei es den meisten Wirten aber nicht gegangen. Maike Block ist, im Gegenteil, sehr stolz, dass K├Âln ein so wichtiges Zeichen f├╝r den Krieg gesetzt hat.

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Br├╝cker Gastronom: "Testpflicht hat viele G├Ąste abgeschreckt"

Henri Lejeune ging es in dieser Session auch nicht in erster Linie ums Geld. Er hatte seine Kneipe "Alt-Br├╝ck" ge├Âffnet, um endlich wieder in die Normalit├Ąt zur├╝ckzukehren. "Unterm Strich bin ich mit 40 Prozent vom ├╝blichen Umsatz durch die Karnevalstage gekommen", sch├Ątzt Lejeune.

Rund 150 Leute seien von Donnerstag bis Dienstag insgesamt bei ihm zu Gast gewesen. An einem normalen Karnevalswochenende seien es mehr als 500. Die meisten, selbst seine Stammg├Ąste, h├Ątten sich von der Testpflicht, die an Karneval selbst f├╝r Geboosterte galt, abschrecken lassen, sagt Lejeune. Dann brach auch noch der Krieg aus.

"Von Rosenmontag an kam keiner mehr zu mir in die KneipeÔÇť, bedauert Lejeune, "ich stand aber voll hinter der Friedensdemo und w├Ąre am liebsten selbst mitgelaufen, ich konnte aber nicht zumachen." Alles in allem ist Henri Lejeune aber zufrieden mit seinem Karnevalsgesch├Ąft. Es sei kein Minusgesch├Ąft und besser als erwartet gelaufen.

Hohe Umsatzverluste durch junges Partyvolk im Kwartier Lat├Ąng

Ein Kontrastprogramm gab es dagegen im Kwartier Lat├Ąng. Trotz Corona und Kriegsgeschehen waren die Stra├čen brechend voll. Das zog sich durch die ganzen tollen Tage. Was sich im ersten Moment nach einem guten Gesch├Ąft f├╝r die Gastronomen des Viertels anh├Ârt, war aus Sicht von Markus Vogt alles andere als ein Segen.

Er spricht f├╝r den Gastroverein Kwartier Lat├Ąng ÔÇô und gibt sich frustriert. Die Menschen, die mittlerweile dort feiern w├╝rden, seien in erster Linie Jugendliche, die sich m├Âglichst fr├╝h abschie├čen wollten, sagt er. "Hier herrscht eine Umsonst-und-drau├čen-Mentalit├Ąt. Zu uns in die Kneipen kommen nur wenige und wenn, dann trinken sie nicht viel."

Feiervolk auf der Z├╝lpicher Stra├če an Weiberfastnacht: Nicht alle ans├Ąssigen Wirte sind davon begeistert.
Feiervolk auf der Z├╝lpicher Stra├če an Weiberfastnacht: Nicht alle ans├Ąssigen Wirte sind davon begeistert. (Quelle: Dominik Sommerfeld)

Vogt zufolge bringt diese Ver├Ąnderung der Kundschaft 30 bis 40 Prozent Umsatzr├╝ckgang im Vergleich zu fr├╝heren Karnevalssessionen mit sich. Abseits der Z├╝lpicher Stra├če sei es teilweise noch schlimmer. Da die Menschenstr├Âme durchs Ordnungsamt ums Viertel herumgeleitet werden, gebe es in Nebenstra├čen wie der Kyffh├Ąuser Stra├če kaum noch Publikumsverkehr.

Mehr Umsatz durch Masse

Vogt spricht von Verlusten von bis zu 70 Prozent. "Wir hatten hier teilweise ein halbleeres Viertel." Dennoch seien seine Wirte im Gegensatz zu den S├╝dstadtwirten im Vorteil. Durch die gro├če Masse an Menschen w├╝rde im Kwartier Lat├Ąng mehr Umsatz gemacht als dort.

Wenn er aber die Wahl h├Ątte zwischen wildem Partyvolk und G├Ąsten, die wegen des Krieges nicht mehr in die Kneipe kommen, w├╝rde er sich f├╝r Letzteres entscheiden, sagt er. Die junge Klientel schade dem Image dieses fr├╝her bei Studenten so beliebten Ausgehviertels.

Er wirft der Stadt vor, sich nicht ausreichend um das Problem zu k├╝mmern. Vor vier Jahren habe sie mit dem gratis B├╝hnenprogramm auf der Uniwiese selbst dazu beigetragen, dass sich das Partyvolk im Z├╝lpicher Viertel versammelt. Was als Ausweichfl├Ąche geplant war, habe sich zum "Place to be" an Karneval entwickelt.

K├Âlner Ordnungsamt: 154 hilflose Personen und 316 Wildpinkler

Auch die Stadt K├Âln zieht f├╝r die Z├╝lpicher Stra├če eine ern├╝chternde Bilanz. Wie eine Sprecherin der Stadt K├Âln t-online mitteilt, habe es dort in diesem Jahr tats├Ąchlich deutlich mehr betrunkene, hilflose Personen gegeben als in den Vorjahren. 154 Menschen mussten dem Rettungsdienst ├╝bergeben werden. Das Ordnungsamt hat 316 Wildpinkler erwischt, 105 davon allein an Weiberfastnacht.

Am Rosenmontag seien dann zahlreiche Menschen auf Ampeln, B├Ąume und den Toilettencontainer der AWB am Z├╝lpicher Platz gestiegen. Auch aus Sicht der Polizei war das Kwartier Lat├Ąng der Hotspot an den Karnevalstagen. Mit steigendem Alkoholpegel seien die jungen Leute gewaltbereiter geworden, berichtet ein Polizeisprecher.

So hat am Karnevalsfreitag ein 37-J├Ąhriger einen Polizisten auf der Roonstra├če mit einer abgebrochenen Flasche angegriffen. Den Angriff habe er im letzten Moment noch abwehren k├Ânnen. Insgesamt sei die Session aber deutlich ruhiger verlaufen als in vergangenen Jahren, da generell weniger auf K├Âlns Stra├čen gefeiert wurde, hei├čt es von der Polizei weiter.

Karnevalsvereine hoffen auf Finanzhilfen des Landes

Wie die Session aus Sicht des Festkomitees K├Âlner Karneval gelaufen ist, steht noch nicht endg├╝ltig fest. Sprecherin Tanja Holthaus zufolge h├Ątten vorgegebene Veranstaltungsverbote und die Entwicklung neuer Formate als Alternativen zum Sitzungskarneval allen viel abverlangt. Wie sehr das die Karnevalsvereine getroffen hat, k├Ânne sie noch nicht sagen.

Das Festkomitee geht aber davon aus, dass alle Vereine diese schwierige Session ├╝berstanden haben. Auch der Szenekenner und K├Âlner Weingro├čh├Ąndler Klaus R├╝sing ist optimistisch: "Wenn die Hilfen des Landes flie├čen, dann kommen die Vereine mit einem blauen Auge davon." Je kleiner der Verein, desto schwerer werde es allerdings zu ├╝berleben. Ein Knackpunkt dabei sind die Mitgliederbeitr├Ąge. Wenn ein Mitglied mehr als zwei Jahre Beitr├Ąge zahlt, wolle er auch etwas daf├╝r zur├╝ckbekommen.

"Bei manchen Vereinen ist aber in den letzten zwei Jahren nichts passiert. Da wird der eine oder andere Zahlende seinem Verein den R├╝cken gekehrt haben", f├╝rchtet R├╝sing. Wie die Vereine durch die Krise gekommen sind, zeige sich aber erst Mitte des Jahres, wenn viele Vereine ihre Mitgliederversammlungen abhalten.

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Von Marie Eckert
KarnevalPolizeiUkraine

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