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Hoher Ausl├Ąnderanteil, starke AfD ÔÇô woran liegt's?

Von Michael Hartke

Aktualisiert am 18.05.2022Lesedauer: 3 Min.
Hochh├Ąuser in K├Âln
Hochh├Ąuser in K├Âln-Chorweiler. (Archivbild) (Quelle: Henning Kaiser/dpa-bilder)
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K├Âln-Chorweiler: ein Stadtteil mit hohem Ausl├Ąnderanteil, in dem ausgerechnet die AfD punktet. Woran liegt das? t-online hat Experten gefragt.

Fragt man Streetworker Roman Friedrich, der selbst russische Wurzeln hat, gibt es mehrere Faktoren, die die Menschen zur AfD treiben k├Ânnten. Da ist zum einen die Herkunft: "Viele der Menschen hier haben Erfahrungen mit totalit├Ąren Systemen gemacht. Sie hegen gro├čes Misstrauen gegen├╝ber dem Staat", sagt Friedrich.

In der Konsequenz w├╝rden sie dann auch der Politik kein Vertrauen schenken. Immer wieder w├╝rden die gro├čen Parteien den vielen Minderheiten hier Versprechungen machen, die sie dann nicht einhalten. Der Stadtteil ger├Ąt sozusagen nach der Wahl in Vergessenheit.

K├Âln: CDU und SPD haben kein Profil mehr

Zudem h├Ârt der Streetworker immer wieder, dass die gro├čen Parteien SPD und CDU nicht mehr f├╝r das stehen, weswegen man sie fr├╝her gew├Ąhlt hat. "Die SPD ist nicht mehr arbeitnehmerfreundlich, die CDU nicht mehr konservativ", erkl├Ąrt er.

Fr├╝her seien die Russlanddeutschen eher CDU-nah gewesen, weil ihnen christliche Werte und innere Sicherheit wichtig gewesen seien. Mit der st├Ąrker nach links orientierten Haltung der Unionsparteien ging diese Parteibindung verloren. Aus Protest und Mangel an Alternativen w├Ąhlten einige dann die AfD.

Es gibt Wichtigeres, als zur Wahl zu gehen

Durch die geringe Wahlbeteiligung von nur rund 22 Prozent schafft es die Partei hier entsprechend auf 15 Prozent der Zweitstimmen. Ohnehin gebe es Wichtigeres f├╝r die Menschen, als zur Wahl zu gehen, meint Friedrich.

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Wie bekomme ich den n├Ąchsten Job, wie bezahle ich mein Mittagessen oder wie sorge ich f├╝r eine gute Ausbildung meiner Kinder? Das seien die praktischen Fragen, mit denen sich die Menschen hier eher besch├Ąftigten. Sie glauben nicht, dass ihnen die Politik bei der Beantwortung dieser Fragen hilft. "Hier in Chorweiler z├Ąhlt die Tat und nicht das Wort", sagt Friedrich.

Ist Streetworker in K├Âln-Chorweiler: Roman Friedrich. Er hat selbst russische Wurzeln und lebt seit vielen Jahren in Deutschland.
Ist Streetworker in K├Âln-Chorweiler: Roman Friedrich. Er hat selbst russische Wurzeln und lebt seit vielen Jahren in Deutschland. (Quelle: Thomas Banneyer)

Experte: "In solchen Vierteln dominiert Hoffnungslosigkeit"

Das best├Ątigt auch Emre Arslan von der IU Internationalen Hochschule Bad Honnef. Er forscht zu Rassismus, Rechtsextremismus und sozialer Ungleichheit und ist Mitglied der Forschungsgruppe f├╝r Pr├Ąvention und Deradikalisierung. "Es gibt eine gewisse Hoffnungslosigkeit in solchen Stadtvierteln", sagt Arslan.

"Die Parteien sind alle gleich und machen sowieso alles unter sich aus, glauben hier viele." Das f├╝hre zu der extrem geringen Wahlbeteiligung in ├Ąrmeren Vierteln ÔÇô w├Ąhrend sie in reicheren Vierteln wie Hahnwald und Klettenberg bei ├╝ber 70 Prozent liegt.

Der niedrige Bildungsstand der W├Ąhler k├Ânnte aber ebenfalls eine Rolle spielen, glaubt Wissenschaftler Felix Hagemeister von der TU M├╝nchen. Er forscht seit L├Ąngerem zur AfD. Auch in Frankreich konnten Wissenschaftler eine solche Tendenz in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil feststellen, sagt er.

Hier gebe es eine Affinit├Ąt zum extrem rechten Rassemblement National, der fr├╝her Front National hie├č. Hier gehe es aber vor allem um Migranten mit geringerer Bildung und nicht per se darum, nicht franz├Âsische Wurzeln zu haben.

Ukraine-Krieg: Russlanddeutsche werden diskriminiert

Im Fall von Chorweiler kann man noch einen weiteren Faktor einbeziehen. Hier leben laut Roman Friedrich 12.000 Russlanddeutsche. Sie seien frustriert dar├╝ber, dass ihnen seit dem Krieg in der Ukraine pl├Âtzlich Diskriminierung entgegengeschlagen ist, selbst wenn sie sich von Putins Politik distanzieren.

"Ihre Hotelbuchungen werden storniert, St├Ądtepartnerschaften werden gek├╝ndigt und Tschaikowski-Konzerte abgesagt", berichtet er. Das passiere sogar bestintegrierten Russlanddeutschen, sagt er. Seit dem Ukraine-Krieg gebe es in Deutschland eine latente Diskriminierung und russlandfeindliche Vorf├Ąlle.

Viele sehen Russlanddeutsche nicht als vollst├Ąndige Deutsche

Emre Arslan weist auf die besondere Migrationsgeschichte der Russlanddeutschen hin: "Die russischen Sp├Ątaussiedler sehen sich selbst als Deutsche und sie durften ja gerade wegen ihres 'Deutschtums' nach Deutschland migrieren. Vielfach sieht man sie hier aber nicht als vollst├Ąndige Deutsche."

Er vermutet daher, dass sie sich von anderen Migranten abgrenzen wollen und dies durch die Wahl der migrationskritischen AfD bekr├Ąftigen. Die AfD w├╝rde ihnen als Deutsche die Anerkennung schenken, die sie sich w├╝nschen, glaubt er. Wissenschaftlich belegen k├Ânne er das aber nicht.

Andrej Melnyk (l), ukrainischer Botschafter, neben Sven Tritschler, AfD (Archivbild): Der Politiker zieht ├╝ber die Landesliste f├╝r K├Âln-Chorweiler in den Landtag ein.
Andrej Melnyk (l), ukrainischer Botschafter, neben Sven Tritschler, AfD (Archivbild): Der Politiker zieht ├╝ber die Landesliste f├╝r K├Âln-Chorweiler in den Landtag ein. (Quelle: Alamy Stock Foto/dpa-bilder)

Durch ihre Migrationsbewegung aus den ehemals deutschen Ostgebieten nach Deutschland seien viele ihrer Ressourcen weggefallen. Sie w├╝rden hier schlechtere Jobs bekommen und ihre Abschl├╝sse seien nicht anerkannt worden. Das alles habe die Sp├Ątaussiedler ihr soziales und kulturelles Kapital gekostet, so der Sozialforscher Emre Arslan.

Gute Integration k├Ânnte Wahl der AfD verhindern

Bei vielen gut integrierten Russlanddeutschen sieht das jedoch anders aus. Der Wissenschaftler Jonas Elis von der Uni Duisburg-Essen hat in seinen Analysen zum Wahlverhalten von Menschen mit Migrationshintergrund festgestellt, dass diese Gruppe eher nicht die AfD w├Ąhlt.

Ob die russlandfreundliche Haltung der Alternative f├╝r Deutschland und ihre Ablehnung von Waffenlieferung einen Einfluss auf die Wahl hatte, k├Ânnen die Experten nicht mit Bestimmtheit sagen.

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