t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online - Nachrichten für Deutschland
Such IconE-Mail IconMenü Icon



HomeRegionalMünchen

"Letzte Generation": Polizist soll Klimaaktivistin mit Waffe gedroht haben


Polizist soll Aktivistin gedroht haben
"Wenn das noch mal vorkommt, habe ich eine Schusswaffe"


24.08.2023Lesedauer: 3 Min.
Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Zum journalistischen Leitbild von t-online.
Klimaaktivistin in München: In dieser Woche protestieren siein Bayern.Vergrößern des Bildes
Klimaaktivistin in München: In dieser Woche protestieren sie in Bayern. (Quelle: Peter Kneffel/dpa)

Die "Letzte Generation" protestiert aktuell in Bayern. Bei einer Aktion in Würzburg soll ein Polizist eine wüste Drohung ausgestoßen haben.

Markus Söder gibt sich gern als harter Hund – gerade jetzt, wenige Wochen vor den Landtagswahlen in Bayern. Ob es den Ministerpräsidenten gefreut hat, als die "Letzte Generation" angekündigt hat, zunächst Würzburg, Nürnberg und Regensburg zu blockieren und nun München zur Protesthochburg ausgerufen hat, ist nicht bekannt. Verbal allerdings hat Söder die Lage genutzt, um klar Position zu beziehen. Unter anderem kündigte er an, dass es "keinen Rabatt" für die "Letzte Generation" geben werde: "Wir sagen ja zum Klimaschutz, aber nein zu Klimaklebern."

Eine von denen, die Söder damit meint, ist Pia Osman. Die Studentin aus Leipzig ist, wie viele andere Aktivistinnen und Aktivisten, seit Beginn der Vorwoche in Bayern. "Regierungen bestrafen friedlich Protestierende, anstatt sich für wirksamen Klimaschutz einzusetzen", sagt sie im Gespräch mit t-online über Sätze wie den "Kein Rabatt"-Spruch Söders.

Polizist droht im Kessel

Bekanntschaft damit, wie die bayerische Polizei die von Söder geforderte Härte umsetzt, machte Osman bereits am 15. August in Würzburg. Die Aktivisten simulieren Auseinandersetzungen mit Autofahrern und Polizisten zwar regelmäßig – zum Protesttraining gehören auch Gewaltlosigkeit und Deeskalation.

Doch auf das, was in Würzburg passierte, sei sie nicht vorbereitet gewesen, sagt Pia Osman. Nach einer Protestaktion sei sie zusammen mit rund 15 weiteren Demonstrierenden von der Polizei eingekesselt worden.

Einem Polizisten wurde es in dieser Situation wohl zu eng. Er soll gedroht haben: "Wenn das noch mal vorkommt, habe ich auch eine Schusswaffe."

Klimaaktivistin: "Es war gruselig"

"Wir waren erschrocken. Das haben wir noch nie erlebt", erinnert sich Pia Osman. "Es war gruselig." Später seien sie und andere auf den Einsatzleiter der Polizei zugegangen und hätten ihn über den Vorfall informiert. "Der sagte, er kümmert sich darum."

Ob der Vorwurf Konsequenzen hat, ist unklar: Die Polizei Unterfranken bestätigt auf t-online-Anfrage zwar eine Beschwerde beim Einsatzleiter. "Der Einsatzleiter nannte seinen Namen und die Dienststelle und erklärte den Beschwerdeführern, dass er für die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Einsatz verantwortlich zeige und sie jederzeit im Nachgang eine Beschwerde einreichen könnten." Eine solche sei bisher nicht eingegangen.

"Protest, der nicht auffällt, ist nicht wirksam"

Warum protestiert sie gerade in Bayern, diesem Bundesland, dessen Regierung sich demonstrative Härte gegen die "Letzte Generation" geradezu auf die Fahnen geschrieben hat? "In Bayern wurde vor 75 Jahren der Grundstein für das Grundgesetz gelegt", sagt Osman. "Das sind die grundlegenden Werte, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben." Doch diese seien in Gefahr. "Die Würde des Menschen wird angetastet, wenn Menschen in der Hitze nicht mehr sicher leben können."

In Bayern werde "die heile Welt noch krass hochgehalten". "Aber wie lange kann die bleiben?", fragt Osman. Sie selbst hat allein in diesem Sommer zwei katastrophale Fluten erlebt, eine im Zug auf dem Weg nach Norwegen – die andere in der vergangenen Woche, beim Protest in Nürnberg. Dabei wird es nicht bleiben, auch in Bayern nicht, ist die 27-Jährige überzeugt: "Wir werden mehr Katastrophen erleben. Das, was die Wissenschaft seit Jahren sagt, passiert jetzt."

Die Methoden der "Letzten Generation", nerven, das sagt auch Osman. Autofahrer seien mehrfach verbal ausfällig geworden, manche hätten sie und andere von der Straße gezerrt, ihnen ins Gesicht geschlagen. "Wenn diese Menschen jeden Morgen Überschriften sehen, die auf uns schimpfen, verstärkt das die Wut auf uns. Es gibt Medien und Politiker, die uns gezielt diffamieren."

Empfohlener externer Inhalt
Instagram
Instagram

Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Instagram-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Instagram-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.

Ab heute will die "Letzte Generation" München zum Zentrum ihres Protestes machen, wochenlang. Ab dem 13. September ist wieder Berlin dran. "Mir tut es leid, dass wir Menschen stören", sagt Pia Osman. "Aber Protest, der nicht auffällt, ist nicht wirksam."

Verwendete Quellen
  • Telefongespräch mit Pia Osman
  • Anfrage beim Polizeipräsidium Unterfranken
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...



TelekomCo2 Neutrale Website