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München | Notstand in der Pflege – Personal streikt: Viel Stress, wenig Gehalt


"Alle sagen zu mir: Deinen Job könnte ich nicht machen"


06.12.2023Lesedauer: 3 Min.
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Sarah Zerle, Mitarbeiterin im Uniklinikum München, berichtet über ihren belastenden Arbeitsalltag.Vergrößern des Bildes
Sarah Zerle, Mitarbeiterin im Uniklinikum München, berichtet über ihren belastenden Arbeitsalltag. (Quelle: Patrik Stäbler )

Der Druck für Mitarbeiter in Krankenhäusern ist hoch, die Arbeitsbelastung enorm. Das berichten Beschäftigte im Rahmen eines "Nikolaus-Streiks" in der Kirche.

Wenn Sarah Zerle im Bekanntenkreis von ihrem Arbeitsalltag erzählt, dann sind die Reaktionen stets gleich, erzählt sie. "Alle sagen zu mir: Deinen Job könnte ich nicht machen." Denn Sarah Zerle arbeitet als Krankenpflegerin auf der kardiologischen Station des Klinikums der Universität München in Großhadern.

Dort gesellen sich zum täglichen Stress stetig steigende Anforderungen sowie immer weniger Personal. Und dennoch, das betont Sarah Zerle, mache sie ihren Job gerne: "Für mich ist das eine Herzensangelegenheit."

Allein zwei große Haken gibt es aus ihrer Sicht: die zunehmend schlechter werdenden Arbeitsbedingungen und das Gehalt. "Was wir leisten, passt einfach nicht zu dem, was wir bekommen", fasst es Aleksandar Djukic zusammen, ihr Kollege auf der kardiologischen Station. Wer neu in dem Job ist, der gehe mit gerade mal 2.000 Euro netto im Monat nach Hause. "In einer Stadt wie München", sagt Sarah Zerle, "reicht das fast nicht mehr zum Leben".

Streik in München: In der Kirche statt im Krankenhaus

Aus diesem Grund stehen die Krankenpflegerin und ihr Kollege an diesem Mittwochmorgen nicht im Krankenhaus, sondern in der Pfarrkirche St. Rupert im Westend – zusammen mit Hunderten weiteren Beschäftigten der Münchner Uniklinik. Sie folgen einem Aufruf der Gewerkschaft Verdi und sind in einen zweitägigen Warnstreik getreten. Tags zuvor haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Uniklinik am Odeonsplatz demonstriert – gemeinsam mit Tausenden anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder.


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"Wer neu in dem Job ist, der geht mit gerade mal 2.000 Euro netto im Monat nach Hause. In einer Stadt wie München reicht das fast nicht mehr zum Leben."


Sarah Zerle, Krankenpflegerin am Klinikum der Universität München in Großhadern


Heute nun berichten sie in der Kirche über ihre Arbeitsbedingungen im Krankenhaus – und über die aus ihrer Sicht zu geringe Entlohnung. "Sozialberufe sind nach wie vor unterbewertet", klagt Christian Reischl, Verdi-Gewerkschaftssekretär für das Gesundheitswesen. "Ein Bandarbeiter bei BMW verdient besser als eine Krankenschwester." Auch deshalb würden sich zunehmend Menschen aus dem Pflegeberuf verabschieden und viele Jugendliche gegen eine Ausbildung in dem Bereich entscheiden.

Klinikalltag: Das verschärft den Personalmangel

Das verschärfe den Personalmangel, sagt Christian Reischl, was wiederum zu einer weiteren Verschlechterung der Arbeitsbedingungen führe. Um hier gegenzusteuern, verlangt die Gewerkschaft Verdi im laufenden Tarifkonflikt mit den Ländern 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber ein Plus von 500 Euro pro Monat – beziehungsweise 200 Euro für Auszubildende.

Die Tarifgemeinschaft der Bundesländer weist diese Forderung als nicht finanzierbar zurück. In der Folge sind die Beschäftigten der Münchner Uniklinik an zwei Tagen Ende November sowie an zwei Tagen in dieser Woche in den Warnstreik getreten.

Operationen wurden in Uniklinik um 95 Prozent heruntergefahren

"Ihr habt alle entschieden, dass es mit ein bisschen Applaus und netten Worten von Politikern nicht mehr getan ist", sagt Max Schwenn, der die Gewerkschaft bei ihrem Warnstreik unterstützt, in der Kirche St. Rupert. Ihm zufolge haben die Arbeitsniederlegungen die Operationen in der Uniklinik um 95 Prozent heruntergefahren. Aktuell seien dort drei Stationen geschlossen und die Zahl der gesperrten Betten von 58 auf 320 gestiegen.


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"Da geht es um Leben und Tod, aber ich kann von meinem Einkommen nicht alle Rechnungen bezahlen."


Iris Freitag, Fachangestellte am LMU Klinikum


"Gleichzeitig ist es an keinem einzigen Streiktag zu einer Situation gekommen, die einen Patienten auch nur in die Nähe einer Gefahr gebracht hätte", betont Max Schwenn. Ende dieser Woche sollen die Tarifverhandlungen fortgesetzt werden. "Ich schätze die Wahrscheinlichkeit, dass es einen Abschluss gibt, auf 50 Prozent", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Christian Reischl. Sollte man sich nicht einigen, drohten weitere Streikaktionen.

"Ich habe meine Passion gefunden, ich leiste enorm gute Arbeit, ich brenne für meinen Job. Aber ich will nicht mehr für den Job verbrennen", sagt Iris Freitag. Die 30-Jährige arbeitet als medizinische Fachangestellte am LMU Klinikum in München und betont: "Da geht es um Leben und Tod, aber ich kann von meinem Einkommen nicht alle Rechnungen bezahlen. Deshalb streiken meine Kolleginnen und Kollegen und ich."

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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