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München: Doktorandin startet Petition für gelben Sack in der Stadt

Gelbe Tonne für alle  

Münchnerin startet Petition für gelben Sack in der Stadt

Von Kaja Godart

03.05.2021, 10:05 Uhr
München: Doktorandin startet Petition für gelben Sack in der Stadt. Tamara Ehm: Sie möchte den gelben Sack in der Stadt München. (Quelle: Privat)

Tamara Ehm: Sie möchte den gelben Sack in der Stadt München. (Quelle: Privat)

In München gibt es weder gelben Sack noch gelbe Tonne, Bürger müssen Plastikmüll zu Wertstoffcontainern bringen. Eine junge Münchnerin will das nun ändern. 

Angenommen, Sie nehmen die letzte Scheibe Käse und wollen die Plastikpackung dann entsorgen – in welchen Müll kommt sie? Ist doch einfach, würden etwa die Pullacher sagen, Kunststoffverpackungen gehören natürlich in den gelben Sack! Aber nicht in München. Denn München hat weder gelbe Säcke noch gelbe Tonnen. Lediglich Restmüll, Bioabfall und Papier können die Münchner beim eigenen Haus entsorgen. Um recycelbare Käsepackungen, Getränkedosen oder Shampooflaschen loszuwerden, müssen sie zu Wertstoffinseln laufen. Das Problem: Längst nicht alle tun das!

Das will eine junge Münchnerin nun ändern. Tamara Ehm ist 26 Jahre alt und promoviert gerade in Physik. Mit Umweltschutz habe sie daher eigentlich nicht viel zu tun, sagt sie, aber ein Gedanke lässt sie nicht los: Warum gibt es in einer Stadt wie München keine gelben Säcke oder Tonnen, wie bei ihren Eltern in Pullach, in Hamburg oder Köln? Warum muss jeder seinen Plastikmüll selbst wegschleppen? "Meine nächste Wertstoffinsel ist wirklich weit weg und kaum einer macht sich die Mühe, seinen Recyclingmüll dorthin zu tragen. Viele Münchner schmeißen einfach alles in den Restmüll", beobachtet Ehm. "Pro Kopf werden in anderen Städten etwa 30 Kilogramm an Verpackungsmüll gesammelt, in München sind es gerade mal fünf Kilo. Außerdem sind bei uns hier in Sendling die Container immer total überfüllt!"

Tausende Unterschriften benötigt

Also startete die Doktorandin im Alleingang eine Petition: 6.500 Unterschriften will sie sammeln, um sie dem Stadtrat vorzulegen. So viel brauche sie, damit die Stadt eine Stellungnahme dazu verfasse und man ins Gespräch kommen könne. Denn die Stadt könne entscheiden, ob es beim Plastikmüll ein Hol- oder ein Bringsystem gibt, erklärt Ehm: Wird der Müll also an der Haustüre abgeholt oder müssen die Bürger ihn irgendwo hinbringen? Bislang findet die Stadt München jedenfalls, Bürgerinnen und Bürger müssten ihren Recyclingmüll selbst wegbringen.  

Eine der Wertstoffinseln in der Stadt: Laut Tamara Ehm sind sie oft überfüllt oder zu weit weg. (Quelle: Privat)Eine der Wertstoffinseln in der Stadt: Laut Tamara Ehm sind sie oft überfüllt oder zu weit weg. (Quelle: Privat)

Rund 1.000 Wertstoffinseln gibt es in München. Eigentlich genug für alle. Aber neben überfüllten Containern und langen Wegen zu den Wertstoffinseln hat Ehm noch andere Probleme entdeckt: Für alte Menschen sei es nicht so einfach, ihre Mülltüten so weit zu schleppen. Und scheinbar habe niemand bei der Containerkonstruktion an Rollstuhlfahrer gedacht – für die ist nämlich nicht nur die Anfahrt beschwerlich, auch sind die Öffnungen der Container so hoch oben, dass man im Rollstuhl sitzend gar nichts einwerfen kann. Daher will Ehm gelbe Tonnen für alle Münchner Haushalte: "Man kann ja einen Teil der Restmülltonnen in Wohnhäusern durch gelbe Tonnen ersetzen", glaubt sie.

Die Stadt und der Abfallwirtschaftsbetrieb AWM kümmern sich um Restmüll, Biotonne und Papier. Und Recyclingmüll? Der Gesetzgeber verlangt, dass die Produzenten des Plastikmülls für dessen Entsorgung zuständig sind. In München kümmern sich daher die beiden Abfallentsorgungsunternehmen Wittmann und Remondis darum, die Wertstoffcontainer im Auftrag der Hersteller abzutransportieren. Ehm will erreichen, dass die beiden Abfallentsorgungsunternehmen den Müll zukünftig direkt an der Haustüre abholen.

Ein beladenes Fahrrad: So sieht die Fahrt zu den Wertstoffinseln häufig aus. (Quelle: Privat)Ein beladenes Fahrrad: So sieht die Fahrt zu den Wertstoffinseln häufig aus. (Quelle: Privat)

Knapp 5.000 Unterstützer hat Ehm für ihre Petition schon gewinnen können (Stand: 30.04.2021). Aber nur eine gelbe Tonne an jedes Haus zu stellen, reiche nicht, sagt Ehm. "Man muss die Menschen auch aufklären: Was passiert mit unserem Müll, wohin kommt er, was kann recycelt werden und was nicht", erläutert Ehm. "Etwa 40 Prozent des Verpackungsmülls können stofflich verwertet werden. Zum Vergleich: 100 Prozent unseres Restmülls landen direkt in der Müllverbrennungsanlage." Richtig zu trennen sei daher ein wichtiger Teil des Klimaschutzes.

Sie hofft, durch ihre Petition die Einführung von gelben Tonnen in jedem Münchner Haushalt zu erreichen, damit Mülltrennung und Recycling für alle leichter wird und bald wirklich jeder seinen Müll trennt.

Verwendete Quellen:

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