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Fantasien über Vergewaltigung: Ermittlungen gegen "Drachenlord" eingestellt


Vergewaltigungsfantasien: Ermittlungen gegen "Drachenlord" eingestellt

  • Meike Kreil
Von Meike Kreil

Aktualisiert am 31.10.2022Lesedauer: 3 Min.
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Youtuber "Drachenlord"
Rainer Winkler beim Prozess in Nürnberg (Archivbild): Es wird vorerst nicht weiter gegen den YouTuber ermittelt. (Quelle: Daniel Karmann/dpa/dpa-bilder)
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Neues vom "Drachenlord": Das Verfahren wegen eines gewaltverherrlichenden Erotik-Blogbeitrags wurde eingestellt. Rainer Winkler erhält seine Geräte zurück.

Die Akte "Drachenlord" bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ist erst einmal geschlossen. Sie verfolgt die Vorwürfe wegen der Verbreitung gewaltverherrlichender Inhalte nicht weiter, die gegen den fränkischen Videoblogger erhoben wurden.

Rainer Winkler veröffentlichte in einem Erotik-Blog einen Text über eine Vergewaltigung. Das rief die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf den Plan. Monatelang ermittelte sie in der Frage: Inwieweit hat sich Winkler mit der Veröffentlichung dieser Gewaltfantasie strafbar gemacht?


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"Die Akte liegt bei uns nun im Archiv."


Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke


Im Internet kursierte zwischenzeitlich der Vorwurf der Verbreitung und des Besitzes von Kinderpornografie. Winkler selbst hatte diese Anschuldigungen gegen ihn in einem seiner Videos öffentlich gemacht.

"Drachenlord" bereits im Frühjahr zu Bewährungsstrafe verurteilt

Zu solchen Inhalten hätten sich keine Hinweise ergeben, erklärt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth im Gespräch mit t-online. "Lediglich" die Verbreitung gewaltpornografischer Inhalte hätten sie feststellen können, erklärt Antje Gabriels-Gorsolke. Eine im Vergleich weniger schwerwiegende Tat. "Deshalb haben wir von der weiteren Verfolgung abgesehen – im Hinblick auf die rechtskräftige Verurteilung aus dem Frühjahr zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung." Damit ist das Kapitel "Drachenlord" zumindest bei der Staatsanwaltschaft (vorerst) abgeschlossen. "Die Akte liegt bei uns nun im Archiv."

Gabriels-Gorsolke stellt einen Vergleich an, um die Entscheidung zu verdeutlichen: "Wenn Sie jemanden wegen Mordes stellen und im Laufe des Ermittlungsverfahrens ergibt sich der Verdacht, dass er auch eine Tafel Schokolade geklaut hat: Dann müsste man theoretisch auch Zeugen für den Schokoladendiebstahl suchen, Fingerabdrücke nehmen und so weiter." Der Schokoladenklau falle aber im Vergleich zum Mord nicht so stark ins Gewicht.

Rainer Winkler bekommt technische Geräte wieder ausgehändigt

Im Zuge der neuen Ermittlungen waren im August Winklers technische Geräte beschlagnahmt worden. Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt, weil dort die Anzeige eingegangen war. Im September haben dann die Kollegen aus Nürnberg-Fürth übernommen. Weil sich keine weiteren Anhaltspunkte auf kinderpornografische Inhalte ergeben hatten, wurde von einer Durchsuchung der Datenträger abgesehen. Der Aufwand wäre einfach zu groß gewesen, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Außerdem: "Es gibt so viele 'Hater', die das verfolgen", so die Sprecherin. "Das hätten wir mitbekommen." Winkler bekommt seine Gerätschaften damit nun wieder zurück.

Zum Hintergrund: In Winklers Blog war im Juni eine Geschichte zu lesen, die auch von Winklers Account verbreitet wurde. Darin wird beschrieben, wie ein Landesfürst im Mittelalter sich ihm in seinen Augen zustehende Freiheiten bei den weiblichen Untertanen nimmt. Dabei hatte der Autor auch explizit Vergewaltigungsszenen beschrieben, etwa mit einem Opfer, das widerspricht und sich wehrt, aber vermeintlich doch Spaß hat. Im Blogposting warnte der Autor eingangs selbst vor "härteren Inhalten".

Winkler bestätigt Vorwürfe in Vernehmung

Die Staatsanwaltschaft prüfte nun außerdem, ob der Eintrag von Winkler selbst stammte – und nicht etwa von einem seiner "Hater", also einem Anti-Fan, der ihm möglicherweise etwas anhängen wollte. In einer Vernehmung bestätigte der 33-Jährige die Vorwürfe jedoch: Nach Informationen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth gab er zu, die umstrittenen Inhalte verbreitet zu haben.

Das Phänomen "Drachenlord" ist diffus und für Außenstehende schwer zu verstehen: Seit Jahren liefert sich Deutschlands wohl umstrittenster Videoblogger ein Katz-und-Maus-Spiel mit seiner Community. Der Streit hat sich von der digitalen längst auf die analoge Welt ausgebreitet. Vor Winklers Haus im mittelfränkischen Altschauerberg kam es regelmäßig zu Tumulten zwischen den sogenannten "Hatern", die provozierten und aus ganz Deutschland anreisten, und dem Blogger, der die Auseinandersetzung immer wieder befeuerte. Seitdem er sein Haus in der kleinen Gemeinde Emskirchen im Landkreis Neustadt an der Aisch im Frühjahr dieses Jahres verkauft hat, scheint Winkler ohne festen Wohnsitz zu sein.

Das Phänomen gipfelte schließlich in einem Prozess in Nürnberg, wo sich Rainer Winkler wegen Körperverletzung verantworten musste. Das Landgericht in Nürnberg hatte den Videoblogger im März zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt, weil er unter anderem einen Mann mit einer Taschenlampe attackiert und einen anderen mit einem Stein beworfen hatte. Die Bewährung dauert an.

In Altschauerberg ist nunmehr Ruhe eingekehrt, erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken auf Nachfrage von t-online. Ab und an würden noch Anhänger der Community auftauchen, um zu versuchen, Winkler aufzuspüren. Insgesamt sei die Lage polizeilich betrachtet aber unauffällig.

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Verwendete Quellen
  • Telefonat mit Sprecherin der Staatsanwaltschaft
  • Telefonat mit Sprecher der Polizei Mittelfranken
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