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Keller: "Wahnsinn, in welcher Welt wir mittlerweile leben"

Von dpa
Aktualisiert am 07.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Zeigte sich nach dem Spiel gegen Hannover ersch├╝ttert ├╝ber die Vorf├Ąlle: N├╝rnberg-Trainer Jens Keller.
Zeigte sich nach dem Spiel gegen Hannover ersch├╝ttert ├╝ber die Vorf├Ąlle: N├╝rnberg-Trainer Jens Keller. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)
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Nach den Mordaufrufen gegen zwei Spieler des 1. FC N├╝rnberg zeigen sich Verantwortliche des Traditionsvereins fassungslos. Der Klub will nun mehrere Schutzma├čnahmen f├╝r die Spieler ergreifen.

Jens Keller war innerlich aufgew├╝hlt und rang um Worte. "Es ist schon Wahnsinn, in welcher Welt wir mittlerweile leben, was man alles mitmachen muss, wenn man in der ├ľffentlichkeit steht", sagte der Trainer des 1. FC N├╝rnberg sichtlich best├╝rzt nach dem 0:3 des 1. FC N├╝rnberg im Zweitligaspiel gegen Hannover 96.

Die Anfeindungen in deutschen Fu├čballstadien haben am Freitag in Franken eine neue Dimension erreicht. Nach der Partie machten die Verantwortlichen des FCN publik, dass es am Morgen im Umfeld des Max-Morlock-Stadions und des FCN-Trainingsgel├Ąndes Droh-Plakate in DIN-A-4-Gr├Â├če gegen "Club"-Profis gegeben hatte. Der Verein schaltete umgehend die Polizei ein. Die Ermittlungen gegen Unbekannt laufen.

"Muss es denn einen zweiten Fall Escobar geben?"

Im Internet tauchte sp├Ąter eines der Plakate auf. Mehrere Medien berichteten auch ├╝ber den Inhalt, der eine unfassbare kriminelle Botschaft enthielt. Wann trenne sich der Verein endlich "von solchen Anti-Fu├čballern" wie Lukas M├╝hl, Hanno Behrens und so weiter, hie├č es dort. Die Anfeindungen gipfeln in dem alarmierenden Schlusssatz: "Muss es denn einen zweiten Fall Escobar geben"? Damit wurde auf die Ermordung des kolumbianischen Nationalspielers Andres Escobar nach einem Eigentor bei der Weltmeisterschaft 1994 in den USA angespielt.

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Zeigten Plakate gegen Bayern-Boss Rummenigge: Die N├╝rnberg-Fans gegen Hannover 96.
Zeigten Plakate gegen Bayern-Boss Rummenigge: Die N├╝rnberg-Fans gegen Hannover 96. (Quelle: Sven Simon/imago-images-bilder)

"Das ist ein Fall, der ├╝berschreitet Grenzen", sagte N├╝rnbergs Sportvorstand Robert Palikuca. Er sprach von "sehr eindeutigen Drohungen" und bezeichnete die Aktion des oder der Verursacher als "widerlich und geschmacklos". Palikuca nannte sie "Vollidioten". Der Verein machte selbst aus "ermittlungstaktischen Gr├╝nden" keine konkreten Angaben zur Anzahl der Aufkleber oder den Inhalten. Die Polizei N├╝rnberg sucht derzeit auch nach den T├Ątern und fordert Zeugen auf, sich zu melden. Aufkleber und weitere Beweise wurden sichergestellt.

Betroffene Spieler wurden vor dem Spiel gewarnt

Die betroffenen Akteure seien vor dem Spiel informiert gewesen, berichtete der "Club". Kapit├Ąn Behrens lief gegen Hannover trotzdem auf, Abwehrspieler M├╝hl fehlte wegen einer Verletzung. Palikuca h├Ątte Verst├Ąndnis gehabt, "wenn sie nicht Fu├čball spielen h├Ątten wollen".

Der Verein teilte zudem mit, dass ab sofort alle Trainingseinheiten unter Ausschluss der ├ľffentlichkeit stattfinden w├╝rden. Spieler des FCN w├╝rden vorerst auch keine Sponsoren- oder PR-Termine wahrnehmen. Begr├╝ndet wurden diese Ma├čnahmen jedoch mit dem neuen Coronavirus.

"Das ist einfach traurig"

Der Leistungseinbruch der Mannschaft nach dem fr├╝hen 0:1 durch Timo H├╝bers, dem sp├Ąter noch Treffer von Linton Maina und Hendrik Weydandt folgten, erschien jedenfalls nach dem Abpfiff in einem anderen Licht, auch wenn Keller ihn nicht allein auf die Drohungen zur├╝ckf├╝hren wollte. "Ich wei├č nicht, ob es einen Zusammenhang gibt", sagte er.

"Wenn du dich vor dem Spiel mehr mit so etwas besch├Ąftigst als mit dem Spiel, dann ist das einfach traurig", bemerkte der 49 Jahre alte Coach aber auch: "Wir machen die sch├Ânste Nebensache der Welt, das ist Fu├čball. Aber da wird Fu├čball eine ganz kleine Nebensache."

Keller setzte den Vorfall auch in den Kontext "der aktuellen Zeit, was mit (Dietmar) Hopp alles passiert ist, und mit den Fadenkreuzen ÔÇô und dann passiert so etwas". Er sprach von einer "geplanten, gro├čfl├Ąchigen Aktion", die angesichts des Aufw├Ąrtstrends seiner Mannschaft in der R├╝ckrunde umso unverst├Ąndlicher sei. "Das kann ja nicht sein. Wir haben die letzten Wochen relativ gut performt. Mir fehlen da die Worte und es nimmt einem den Spa├č an dem Spiel."

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Von Dominik Sliskovic
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