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Eintracht Frankfurt: Deshalb ist Armin Veh ein großes Risiko

Zu viel Eintracht  

Deshalb ist Veh ein Risiko für Frankfurt

30.06.2015, 12:42 Uhr | t-online.de

Eintracht Frankfurt: Deshalb ist Armin Veh ein großes Risiko. Armin Veh (re.) bei seiner Vorstellung als Eintracht-Coach. (Quelle: imago images/Jan Huebner)

Armin Veh (re.) bei seiner Vorstellung als Eintracht-Coach. (Quelle: Jan Huebner/imago images)

Es fehlten eigentlich nur noch Bier und ein paar Salzstangen. Bei der Präsentation von Armin Veh als neuer alter Trainer von Eintracht Frankfurt wurde geflachst, gelacht und in Erinnerungen geschwelgt. Die Männerfreunde Bruno Hübner, Heribert Bruchhagen und Veh waren wieder vereint, die heile Eintracht-Welt endlich wieder perfekt. Ein genauerer Blick auf die Rückkehr des Präsidiums- und Fanlieblings zeigt aber, dass die Verpflichtung ein großes Risiko für den hessischen Bundesligisten darstellt und eher Anlass zur Sorge denn zu ausgelassener Stimmung bereitet.

Der Vorstandsvorsitzende Bruchhagen versuchte zwar, etwas Romantik aus der Situation zu nehmen. "Wenn es keine Liebe gibt, kann sie auch nicht rosten", sagte er über sein Verhältnis zu Armin – wie er Veh nennt – und die allgemeine Wiedersehensfreude. Alleine, es gelang ihm nicht. Denn Veh bestätigte, dass vor allem der menschliche Aspekt entscheidend für die erneute dienstliche Liaison mit Heri – wie er Bruchhagen nennt – gewesen sei. "Für mich ist es immer entscheidend, mit welchen Personen ich zusammenarbeite", sagte er. "Hier fühle ich mich einfach wohl."

Große Sprünge sind nicht zu erwarten

Nur zwölf Monate nach seinem Abschied aus der Mainmetropole, den Veh mit mangelnder Perspektive begründete, ist der 54-Jährige also zurück. Zurück bei dem Verein, der noch vor einem Jahr Grenzen hatte, die nicht mit Vehs Zielen zu vereinbaren waren. "Ich möchte dem Trainer des Gegners nicht mehr so oft die Hand schütteln und zum Sieg gratulieren müssen", sagte er damals, ging zurück zum VfB Stuttgart und gratulierte in zwölf Spielen sieben anderen Trainern zum Sieg.

Die Gefahr, dass ihm dieses Schicksal nun auch in Frankfurt blüht, ist nicht von der Hand zu weisen. Von der Mannschaft, die Veh von der 2. Bundesliga in die Europa League geführt hatte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Leistungsträger wie Pirmin Schwegler, Sebastian Rode, Sebastian Jung oder Joselu spielen schon lange woanders, Alex Meier kann frühestens im September wieder an Training denken, Kevin Trapp steht vor dem Absprung zu Paris St. Germain. Der Etat dürfte sich im Vergleich zum vergangenen Sommer (30 Millionen Euro) zwar um ein paar Millionen Euro erhöhen, große Sprünge sind allerdings nicht zu erwarten.

Aus einem "kleinen Kloppo" wird Veh

Warum wollte Veh also zurück nach Frankfurt? Und warum wollte Frankfurt unbedingt Veh? Klar ist: Veh gefällt es in Frankfurt, er wird geschätzt und kann in Ruhe arbeiten. Klar ist auch: Veh ist die Lösung der geringsten Widerstände. Der Trainer genießt bei den Verantwortlichen hohes Ansehen, ist aufgrund seiner lockeren Art in der Stadt und bei den Anhängern beliebt und zudem ein enger Vertrauter des neuen Aufsichtsratschef Wolfgang Steubing.

Der langjährige Gönner des Vereins hatte nach seiner Amtseinführung zwar verkündet, einen "kleinen Kloppo" verpflichten zu wollen, der Jugendspieler fördert - dann aber den großen Armin geholt, der das Nachwuchsleistungszentrum am Riederwald nur aus Erzählungen kennen soll. "Der Verein hat keine Philosophie", kritisierte deshalb Ex-Eintracht-Profi Thomas Berthold, nach dessen Kenntnis Veh während seiner ersten Amtszeit nicht ein Jugendspiel besucht habe.

Eintracht droht der Abstiegskampf

Und genau das ist das große Problem. Veh ist kein Erneuerer, er wird sich nicht ändern, keine neuen Löcher reißen. Was früher gut war, kann heute nicht schlecht sein. Dem Team der Frankfurter Eintracht hätte ein wenig neuer Wind allerdings gut getan. Die Lethargie, die sich in den letzten Wochen unter Thomas Schaaf einschlich, muss aus den Kleidern gefegt werden. Das schafft man aber nicht durch lustige Sprüche und Spaß im Training. Der Eintracht droht deshalb eine Saison im Abstiegskampf.

Kandidaten wie Sascha Lewandowski von Bayer Leverkusen oder der ehemalige Hannoveraner Tayfun Korkut, die so etwas wie Aufbruchsstimmung hätten versprühen können, schafften es in einem Trainer-Casting nicht in den Recall und schieden aus. Und das, obwohl sie perfekt ins Raster gepasst hätten. Beide jung, beide mit jeder Menge Erfahrung im Nachwuchsbereich, beide unverbraucht.

Veh braucht keine Eingewöhnungszeit

Der entscheidende Unterschied zu Veh war allerdings, dass Sportdirektor Hübner und Bruchhagen keine Katze im Sack kaufen wollten und nach der Pleite mit Schaaf die vermeintlich sichere Lösung bevorzugten. Bruchhagen will sich in seinem letzten Jahr auf dem Chefsessel nicht mehr verbiegen, Hübner seinen Boss so kurz vor der Pension nicht mehr überstimmen. Sollte das Experiment mit Veh allerdings schiefgehen, wackelt das Denkmal Bruchhagen - und der Job Hübners.

"Ich verbinde drei Jahre erfolgreiche Vergangenheit mit erfolgreicher Zukunft“, erklärte dieser deshalb noch einmal das kleine – und sehr einfach gedachte – Eintracht-Einmaleins. "Veh weiß, wie wir ticken. Das wird alles schnell ineinander greifen.“

Eine schnelle Eingewöhnungszeit wird Veh in der Tat nicht brauchen. Er kennt den Verein, kennt das Frankfurter Umfeld, hat gute Verbindungen zu den Medienschaffenden und darf sogar sein altes Trainerteam wieder mitbringen. Eine Wohlfühloase ganz in seinem Sinne. Alles perfekt also? Alles wie früher? Nicht ganz: Denn in Vehs altem Haus wohnt mittlerweile Stürmer Haris Seferovic.

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