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Kolumne von Stefan Effenberg: Warnung an Löw und Rettung für den Videobeweis


MEINUNGZwei Aufreger  

Warnung an Löw und Rettung für den Videobeweis

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

31.08.2018, 07:40 Uhr
Kolumne von Stefan Effenberg: Warnung an Löw und Rettung für den Videobeweis. t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg. Im Hintergrund: Die Allianz Arena in München. Der FC Bayern ist einer der Schwerpunkte des Ex-Nationalspielers. 2001 führte er den Verein als Kapitän zum Sieg in der Champions League. (Quelle: imago)

t-online.de-Kolumnist Stefan Effenberg. Im Hintergrund: Die Allianz Arena in München. Der FC Bayern ist einer der Schwerpunkte des Ex-Nationalspielers. 2001 führte er den Verein als Kapitän zum Sieg in der Champions League. (Quelle: imago)

Worin nach der WM-Analyse die schwierigste Aufgabe für den Bundestrainer besteht und mit welchen vier Maßnahmen der Videobeweis gerettet werden kann.

Die Erwartungen an die Pressekonferenz des DFB mit Joachim Löw in dieser Woche waren riesig. Viele haben einen großen Umbruch gefordert oder gedacht, dass der Bundestrainer jetzt die halbe Mannschaft austauscht. Ich habe das nicht erwartet – und halte es auch für genau richtig, dass es nicht so gekommen ist. Du brauchst einfach ein Gerüst.

Umbruch? Wen hätte Löw denn holen sollen?

Spieler wie Thomas Müller, Mats Hummels oder Jerome Boateng standen angeblich auf der Kippe. Löw gibt ihnen, indem er sie wieder nominiert hat, das Signal: "Ihr seid dafür mitverantwortlich, dass wir wieder erfolgreich spielen." Es wäre fatal gewesen, sie nicht zu nominieren, weil wir in Deutschland nicht die Qualität haben, sie zu ersetzen.

Die Bundesliga gibt letztlich nicht viel her. Es gibt einfach kein so großes Angebot an potenziellen Nationalspielern, dass man jetzt das Gefühl hätte: "Oh, da hat er aber fünf Spieler zuhause gelassen, die wir unbedingt brauchen." Wen hätte Löw denn noch nominieren sollen?

Nationalelf hat keine Stars wie Frankreich oder Kroatien

Auch die drei Neuen Kehrer, Schulz und Havertz sind sicher gute Spieler – aber ob sie zwangsläufig auf dem Weg zu Weltstars sind, das wird man sehen.

Das Entscheidende bei der deutschen Nationalmannschaft ist und war ohnehin schon immer das Kollektiv. Sie waren erfolgreich, wenn sie als Einheit aufgetreten sind. Sie haben keine Stars wie Frankreich, Spanien, Belgien, bei denen du vier, fünf Spieler permanent im Auge haben musst. Umgekehrt heißt das natürlich: Wenn die deutsche Mannschaft nicht wieder als Kollektiv funktioniert, wird sie auch in den nächsten Jahren keinen Erfolg haben.

Mit heiler Welt kommt Löw nicht weiter

Ich bin nach wie vor sicher, dass Joachim Löw der richtige Mann für diesen Neustart ist. Aber es ist auch klar: Löw bewegt sich auf einem ganz schmalen Grat.

Denn er muss sich natürlich ein Stück weit ändern. Nur lieb, nett und mit heiler Welt kommt er nicht weiter. Er muss auch mal die Zügel anziehen und sich vielleicht etwas von Spielern distanzieren auf der persönlichen Ebene. Und er muss deutlich machen, dass er rein sportlich entscheidet und das Verhältnis auch sportlich ist. Aber genau das wird seine schwierigste und größte Aufgabe sein.

Dann kannst du die Uhr stellen, wann die Zeit abläuft

Er darf sich nämlich nicht zu sehr verändern. Wenn du ein Wesen, einen Charakter hast im Umgang mit deinen Spielern – und dich dann um 180 Grad drehst, verlierst du den Zugang zur Mannschaft. Dann kannst du die Uhr danach stellen, wann die Zeit abläuft. Ich habe das in meiner Karriere mehrfach erlebt, dass sich ein Trainer in einer Krisensituation so stark verändert, dass er die Mannschaft nicht mehr erreicht.

Löw weiß, dass der Druck enorm ist – und dass er sich mehr in Stadien zeigen muss, wie jetzt am ersten Spieltag, als er mehrere Spiele vor Ort verfolgte. Das erwarte ich – und das erwartet ganz Fußball-Deutschland. Ansonsten hat er jetzt Zeit, alles Stück für Stück voranzutreiben und umzusetzen. Er hat es auch verdient, dass man ihn erstmal machen lässt.

Wir erleben einen Rückfall beim Videobeweis

Mehr Sorgen als um die Nationalmannschaft mache ich mir derzeit ohnehin um den Videobeweis in der Bundesliga.

In der Rückrunde der vergangenen Saison hatte sich angedeutet, dass die Abstimmung besser funktioniert. Dann lief es bei der WM sehr gut – da hatte ich die Hoffnung, dass die Bundesliga-Schiedsrichter da anknüpfen können. Das ist aber nicht der Fall. Stattdessen haben wir einen Rückfall in die Vorrunde der vergangenen Saison erlebt.

Schiris bekommen intern einen übergebraten, dann medial

Bei der WM hatte ich das Gefühl, dass die Schiedsrichter eine ganz andere Ausstrahlung und Körpersprache haben als die in der Bundesliga. Warum? Weil dort die besten und erfahrensten Schiedsrichter eingesetzt wurden. In Deutschland haben wir da ganz klar ein Qualitätsproblem. Die Schiedsrichter sind auch hier schon in jungen Jahren einem unglaublichen Druck ausgesetzt – dem sie aber oft nicht gewachsen sind. Sie werden teilweise zu früh in die Bundesliga geworfen, womit man ihnen keinen Gefallen tut. Ich kann mir vorstellen, dass es in Zukunft den ein oder anderen Schiedsrichter geben wird, der die Fahne wirft und sagt: "Ich mache das nicht mehr."

4000 Euro für einen Einsatz sind viel Geld – aber mittlerweile werden sie dem Volk immer häufiger zum Fraß vorgeworfen. Wenn sie am Freitag oder Samstag ein Spiel pfeifen, bekommen sie intern einen übergebraten und anschließend dann noch medial. Ihr Bild ist in jeder Zeitung. Dann gehen sie zurück in den Alltag. Wenn die Lebensqualität massiv leidet, ist die Frage, ob es das wert ist. Es muss auch Spaß machen. Was ich ihnen aber meist ansehe, ist, dass sie schnell weg wollen. Bastian Dankert oder Patrick Ittrich werden keine schöne Woche haben.

Vier Maßnahmen können den Videobeweis retten

Aus menschlicher Sicht ist das gefährlich. Das kann einen kaputt machen. Da kannst du dran zerbrechen. Der Grad wird immer schmaler.

Natürlich kann es keine Option sein, den Videobeweis wieder abzuschaffen. Aber es müssen die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, um ihn zu retten:

  • Warum liegt die Altersgrenze für Schiedsrichter bei 47 Jahren? Warum nicht bei 50 oder 52, wenn die körperliche Fitness stimmt? Das hat den Vorteil, dass erfahrene Schiedsrichter, die sehr wohl eine größere Autorität haben, den Situationen gewachsen sind. Dementsprechend kann man jungen Schiedsrichtern mehr Zeit geben. Wolfgang Stark war einer der besten deutschen Schiedsrichter. Dann musste er aufhören und sitzt nun im „Keller“ in Köln. Nach den Fehlern beim ersten Spieltag wird er auch noch öffentlich angeprangert. Das wäre vermeidbar gewesen.
  • Aus Köln darf nur ein Hinweis kommen, nicht mehr: „Ich sehe ein Handspiel“ oder "Ich sehe ein Foul" – und dann muss der Schiedsrichter im Stadion sich die Szene zur Not drei-, viermal anschauen und eine Entscheidung treffen. Es kann nicht sein, dass die in Köln getroffen wird.
  • Der Ausdruck "Keller" sollte nicht mehr verwendet werden. Viele schmunzeln darüber, aber ich finde diesen Begriff verheerend. Das hat einen bösen Nachgeschmack, wenn man von den "Leuten im Keller" spricht.
  • Der DFB sollte sich ehemalige Spieler ins Boot holen, sie entsprechend schulen und dann in Köln vor die Bildschirme setzen. Die Spieler waren hundertfach in solch strittigen Szenen, die sie dann viel besser beurteilen können. Bei Müller war es am Freitag kein Tor. Die Rote Karte gegen Nastasic von Schalke war keine. Und das angebliche Foul an Ribéry war kein Elfmeter. Wer das nicht erkennt, hat keine Ahnung. Ein ehemaliger Spieler aber erkennt das.

Das heißt nicht, dass es künftig fehlerfrei laufen würde, aber die Fehlerzahl würde sofort minimiert werden, da bin ich mir sicher.


Früher hieß es: "Schlechte Schiedsrichterleistung" – und das Thema war erledigt. Heute sind die Schiedsrichter teilweise mehr im Bild als die Torhüter. Zu beneiden sind sie dafür aktuell nicht.

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