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Eintracht Frankfurt: Warum die Hessen auf dem Transfermarkt überraschen

Unkonventionell zum Erfolg  

Das ist das Geheimnis von Frankfurts Transferpolitik

20.08.2019, 20:34 Uhr | Von Jannis Seelbach

 (Quelle: Laci Perenyi/Imago; DeFodi/Imago)
Die Top-Transfers in der Bundesliga zur Saison 2019/2020

Zur Bundesliga-Saison 2019/2020 haben einige Vereine bereits tief in die Tasche gegriffen. Das sind die Top-Transfers der Bundesligisten. (Quelle: t-online.de)

Top-Transfers in der Bundesliga: Diese Spielerwechsel zur kommenden Saison stehen schon fest. (Quelle: t-online.de)


Vor drei Jahren noch abstiegsgefährdet, hat sich die Eintracht zu einem Spitzenteam gewandelt. Trotzdem sorgt die Transferpolitik immer noch vereinzelt für Verwunderung, wie aktuell beim Interesse an Bas Dost. Was ist das Geheimnis?

Eintracht Frankfurt steckt mitten im Transfer-Poker: Die angekündigte Verpflichtung von Torjäger Bas Dost droht zu platzen. Wie sein aktueller Klub Sporting Lissabon am Dienstag mitteilte, habe Dost kurz vor Abschluss des Deals finanzielle Forderungen gestellt. Die Details sind unklar, der Wechsel offen.

Bertholds Kritik

Das dürfte einige Kritiker freuen, die finden, dass der frühere Wolfsburger ohnehin nicht zur Mannschaft passt. Ex-Weltmeister Thomas Berthold meinte beispielsweise: "Mein erster Gedanke war: Bei der so hoch gelobten Scouting-Abteilung haben die nichts anderes im Köcher als Bas Dost? Ehrlich jetzt? Es muss doch irgendwo auf der Welt einen talentierten, kopfballstarken Stürmer geben."

Was Berthold vergisst: Auch Verpflichtungen wie die von Bas Dost sind der Grund für den rasanten Aufstieg der Eintracht. Die Transfer-Strategie beruht nicht nur auf jungen Talenten, sondern auch auf Erfahrung und Weitsicht. Insgesamt lassen sich drei Säulen erkennen.

Passt ins Frankfurter Beuteschema: Der Niederländer Bas Dost steht bei der SGE angeblich ganz oben auf der Transferwunschliste. (Quelle: imago images/GlobalImagens)Passt ins Frankfurter Beuteschema: Der Niederländer Bas Dost steht bei der SGE angeblich ganz oben auf der Transferwunschliste. (Quelle: GlobalImagens/imago images)

Keine offensichtlichen Kandidaten

Was auffällig ist: Es werden oft Spieler verpflichtet, deren Karrieren einen Knick haben, die bei ihrem Verein nicht mehr benötigt werden oder als problematisch im Umgang gelten. Das galt beispielsweise für Kevin-Prince Boateng und Ante Rebic, im aktuellen Fall aber auch für Bas Dost. Bei Wolfsburg sorgte er auch für Unruhe, wenn er nicht spielte.

Alle drei sind bzw waren keine offensichtlichen Transferkandidaten. Doch in Frankfurt haben viele Spieler, deren Verpflichtungen im Umfeld kritisch beäugt wurden, eine neue Heimat gefunden – und ihr ganzes Potenzial entfaltet. Frankfurts Interesse an Dost verdeutlicht aber noch einen weiteren Punkt:

Erfahrung in der Abwehr: David Abraham (l.) und Makoto Hasebe (r., hier gegen Berlins Vedad Ibisevic) gehören zu den wichtigsten Säulen der Eintracht. (Quelle: imago images)Erfahrung in der Abwehr: David Abraham (l.) und Makoto Hasebe (r., hier gegen Berlins Vedad Ibisevic) gehören zu den wichtigsten Säulen der Eintracht. (Quelle: imago images)

Frankfurt setzt auch auf alte Spieler

Dass sich die Eintracht neu erfunden hat, liegt auch an erfahrenen Profis. Mit Makoto Hasebe und David Abraham sind zwei Stammkräfte in der Abwehr über 30. Zum Kreis der Führungsspieler gehört zudem der 34-Jährige Marco Russ, der zwar kein Stammspieler ist, aber innerhalb der Mannschaft hohes Ansehen genießt. Außerdem holte Sportvorstand Fredi Bobic einige ehemalige Eintracht-Profis zurück wie Torwart Kevin Trapp oder Sebastian Rode

Ihre Beispiele zeigen: Generell wird bei Frankfurt nicht ausschließlich, aber auch auf die Erfahrung älterer Stammspieler vertraut. In dieses Muster könnte auch Dost passen. Die Frankfurter kaufen nicht nur Talente, sondern auch die notwendigen Führungsspieler, um diese anzuleiten. So entwickeln sich die jungen Spieler noch besser und erfüllen Teil drei der Strategie: 

Dickes Transferplus: Sebastien Haller wechselte 2017 für sieben Millionen Euro aus Utrecht zur Eintracht und wurde 2019 für 70 Millionen Euro weiterverkauft an West Ham United.  (Quelle: imago images)Dickes Transferplus: Sebastien Haller wechselte 2017 für sieben Millionen Euro aus Utrecht zur Eintracht und wurde 2019 für 70 Millionen Euro weiterverkauft an West Ham United. (Quelle: imago images)

Billig kaufen, teuer verkaufen

Eintracht Frankfurt kann man mit Sicherheit nicht als "Big Player" auf dem Transfermarkt bezeichnen. Bei den mit geringen finanziellen Mitteln ausgestatteten Hessen, so erklärte es Chefscout Ben Manga dem "Tagesspiegel", gehe es darum, unter dem Radar zu scouten: "Ich muss Nischen suchen." Für Vorstand Bobic ist wichtiger, dass die Spieler noch "hungrig" seien und nicht, dass sie schon große Erfolge vorzuweisen haben.

Ein Beispiel ist Sebastian Haller, der für sieben Millionen von Utrecht kam und sich so gut entwickelte, dass er für 40 Millionen Euro an West Ham United verkauft wurde. Oder Luka Jovic, der für sieben Mio. geholt wurde und für 60 Millionen. Euro nach Madrid ging. Aber auch bei kleineren Namen wie Marius Wolf klappt die Transferstrategie. Für 500.000 Euro wurde Wolf gekauft und für vier Millionen Euro wieder verkauft. Durch diese Transfers hat sich der Verein in den letzten Jahren ein finanzielles Polster geschaffen. 2019 machte er bislang rund 44,3 Millionen Euro Gewinn mit Transfergeschäften.
 


Oftmals testet die Eintracht die Spieler erst in Form eines Leihgeschäfts, bevor sie per Kaufoption fest verpflichtet werden. So wie bei Luka Jovic, der zunächst für 200.000 Euro von Benfica Lissabon ausgeliehen wurde. Auch die Verpflichtung des unbekannten Serben war für manche Beobachter überraschend – und hat sich als Glücksgriff erwiesen.

Verwendete Quellen:

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