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VfB-Star mit falscher Identität – Der Fall wirft Fragen auf

Von t-online, dpa, anb

08.06.2021Lesedauer: 4 Min.
Steht in einem ungewollten Rampenlicht: Silas Katompa Mvumpa.
Steht in einem ungewollten Rampenlicht: Silas Katompa Mvumpa. (Quelle: Tom Weiler/dpa-bilder)
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Es ist ein Vorfall, wie es ihn in der Bundesliga noch nicht gegeben hat. Der VfB Stuttgart teilte mit, dass Silas Wamangituka gar nicht der ist, für den man ihn gehalten hat. Das wirft Fragen auf.

Der Nachname war falsch und auch das Geburtsdatum stimmte nicht: Der in der vergangenen Saison oft so begeisternde Silas Wamangituka hat lange unter falscher Identität für den VfB Stuttgart gespielt.


VfB Stuttgart: Was machen die Ex-Stars heute?

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Klubs herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Timo Hildebrand beispielsweise, 1999 bis 2007 im Verein, ist Gesellschafter der veganen Supermarktkette Veganz.
Zvonimir Soldo: Der defensive Mittelfeldspieler war DAS Aushängeschild des VfB Stuttgart. Von 1996 bis 2006 schnürte er für die Schwaben die Schuhe, hatte mehrere Jahre die Kapitänsbinde inne. Nach insgesamt 301 Ligaspielen und 15 Toren verabschiedete er sich im Mai 2006.
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Sein korrekter Name ist demnach Silas Katompa Mvumpa, wie die Schwaben am Dienstag mitteilten. Auch das Geburtsdatum des Flügelstürmers war nicht korrekt. Laut VfB-Angaben wurde Silas am 6. Oktober 1998 im Kongo geboren und ist somit heute 22 und damit genau ein Jahr älter als ursprünglich angenommen.

Die ganze Geschichte beginnt laut VfB im Jahr 2017, als der damals 18-Jährige vom belgischen Topklub RSC Anderlecht zu einem Probetraining eingeladen wird. Um vom Kongo nach Belgien reisen zu können, erhält er ein zeitlich befristetes Visum. Nach einigen Trainingseinheiten will der RSC ihn wohl verpflichten, da sein Visum jedoch vor dem Ablauf steht, muss Silas zunächst zurück in den Kongo, um ein neues zu bekommen. Hier schaltet sich der ehemalige Spielervermittler ein. Unter massivem Druck solle dieser Silas davon überzeugt haben, dass er nicht mehr nach Europa zurückkehren dürfe, wenn er Belgien einmal verlasse und nach Afrika reise.


"In Bezug auf die Namensänderung ist er vor allem Opfer. Entsprechend werden wir ihn auch schützen", sagt Sportdirektor Sven Mislintat. Silas soll Vertrauen zum Vermittler gefasst und in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten sein. Er habe in dieser Zeit "augenscheinlich" weder auf sein Konto noch auf seine Papiere Zugriff gehabt. Schließlich habe der Vermittler auch seine Identität geändert und neue Papiere verschafft. Der VfB vermutet, dass dies zum einen passierte, um die Verbindung des Stürmers zu seinem Ausbildungsverein im Kongo zu unterbrechen, zum anderen habe sich dadurch die Abhängigkeit von Silas Katompa Mvumpa vom Vermittler erhöht – da er von nun an erpressbar gewesen sei.

Dieser Fall wirft viele Fragen auf.

Wer ist Silas Wamangituka?

Der Kongolese wechselte im August 2019 vom französischen Zweitligaklub Paris FC für acht Millionen Euro zum VfB Stuttgart. Mit starken Leistungen in 29 Spielen (sieben Tore, acht Vorlagen) in der zweiten Liga hatte er maßgeblichen Anteil am Bundesliga-Aufstieg des VfB. Sein absoluter Durchbruch dann in der abgelaufenen Saison: elf Tore und fünf Vorlagen in 25 Bundesliga-Spielen.

Weshalb macht der VfB Stuttgart den Fall gerade jetzt öffentlich?

Silas Wamangituka hat – so teilte es der Klub mit – dem VfB erst kürzlich, Mitte Mai, offenbart, dass etwas mit seiner Identität nicht stimmt. In einer Mitteilung heißt es: "Mit Unterstützung des VfB und seines neuen Beraters hat Silas in den vergangenen Tagen und Wochen intensiv an der Aufklärung der Situation mitgewirkt und schließlich vor wenigen Tagen offizielle Dokumente der Demokratischen Republik Kongo erhalten."

Was wusste der VfB?

Der Klub teilte selbst mit, dass es erste Zweifel schon im Dezember 2019 gab. Demnach wurden in verschiedenen Medien Zweifel an Silas' Identität laut, woraufhin die DFL die Stuttgarter um eine Stellungnahme bat. "Der VfB Stuttgart hat daraufhin, wie schon zuvor bei der Verpflichtung, die von der Seite des Spielers, der damals noch vom selben Vermittler vertreten wurde, vorgelegten Dokumente eingehend geprüft und hatte auch nach Gesprächen mit Silas und seinem Berater keinen Anlass, an ihnen zu zweifeln", steht in einer Mitteilung. Alle erforderlichen Papiere waren demnach sowohl von französischen als auch deutschen staatlichen Stellen geprüft und lagen als lückenlos und formal korrekt vor.

Mit der Zeit – Silas Wamangituka war zu dem erwähnten Zeitpunkt erst ein halbes Jahr in Stuttgart – wurde das Vertrauensverhältnis dann inniger und der Spieler öffnete sich den Verantwortlichen, vertraute sich ihnen an. Dann habe der Kongolese berichtet, dass er "Opfer von Machenschaften seines ehemaligen Spielervermittlers" geworden und Wamangituka nicht sein richtiger Name sei. Zudem nannte der Angreifer ein anderes Geburtsdatum. Zuvor hatte er sich seit seinem Wechsel zum VfB im Sommer 2019 wohl nicht getraut, Sportdirektor Sven Mislintat und Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger von seiner falschen Identität zu erzählen.

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Was sagt der Spieler?

In einer Klub-Mitteilung öffnet sich Silas Katompa Mvumpa: "Ich habe in den letzten Jahren in ständiger Angst gelebt und mir auch um meine Familie im Kongo große Sorgen gemacht. Es war ein schwerer Schritt für mich, meine Geschichte zu offenbaren. Erst durch die Unterstützung meiner neuen Berater habe ich mich dies getraut. Mir ist klar geworden, dass ich keine Angst mehr haben muss und wir gemeinsam alles auf den Tisch bringen können."

Und weiter: "Ich hätte diesen Schritt nicht gewagt, wenn Stuttgart, mein Team und der VfB für mich nicht eine zweite Heimat geworden wären, in der ich mich sicher fühle. Heute bin ich sehr erleichtert und ich hoffe, dass ich damit auch anderen Spielern Mut machen kann, die ähnliche Erfahrungen mit Vermittlern machen mussten. Dem VfB Stuttgart bin ich zutiefst dankbar für all das Vertrauen und die Unterstützung in dieser Zeit. Ich hoffe, dass ich es ihnen und allen Fans des VfB auf dem Platz zurückzahlen kann."

Wie reagieren DFL und DFB?

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes beschäftigt sich mit dem Fall. Dies kündigte der DFB an. "Der VfB Stuttgart hat den DFB über den Vorgang informiert. Der DFB-Kontrollausschuss wird die Angelegenheit im Hinblick auf ein mögliches sportstrafrechtliches Fehlverhalten des Spielers überprüfen", sagte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des Kontrollausschusses.

VfB-Boss Thomas Hitzlsperger: "Wir haben sofort, nachdem Silas sich uns anvertraut hatte, alle aus unserer Sicht nötigen Maßnahmen eingeleitet und die zuständigen Stellen eingeschaltet." Nach juristischer Bewertung des Sachverhalts gehe man davon aus, "dass Silas im Besitz einer gültigen Spielberechtigung war und weiter ist". Außerdem rechnet der VfB damit, dass Silas zu gegebener Zeit eine neue, auf seinen richtigen Namen lautende Spielberechtigung bekommen werde.

Könnten Klagen anderer Klubs drohen?

Unwahrscheinlich. "Es liegt eine durch die DFL wirksam erteilte Spielerlaubnis vor. Davon abgesehen sind beim DFB-Sportgericht keine Einsprüche gegen Spielwertungen anhängig. Diese können wegen Fristablauf auch nicht mehr eingelegt werden", erklärte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts.

Gab es schon ähnliche Fälle?

Ja. Auch um Bakery Jatta vom Hamburger SV (2015 aus Gambia nach Deutschland geflüchtet, Anm. d. Red.) gibt es Spekulationen. Laut Bild-Zeitung soll Jatta angeblich Bakary Daffeh heißen und älter sein als bisher bekannt.

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Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
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