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FC Bayern | Spott und Kritik an Julian Nagelsmann: "Daran ist er selbst Schuld"

PRO & KONTRAÄrger um Nagelsmann-Aussage  

"Das ist lächerlich und respektlos"

Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

13.09.2021, 13:44 Uhr
Nagelsmann wehrt sich gegen "Lügenbaron"-Vorwürfe

Julian Nagelsmann hatte vor Wochen gesagt, dass er keine Spieler von RB Leipzig zum FC Bayern holen möchte und wurde nach Marcel Sabitzers Transfer dafür kritisiert. Nun wehrt sich der FCB-Coach.

Nagelsmann lässt sich Vorwurf nicht gefallen: Nach einem Transfer von RB Leipzig an die Säbener Straße steht der Bayern-Coach massiv in der Kritik. (Quelle: Stats Perform)


Die Bundesliga diskutiert: Hat Bayern den Konkurrenten Leipzig leergekauft? Im Fokus: Trainer Julian Nagelsmann, der für eine alte Aussage verspottet und kritisiert wird.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann wurde beim 4:1 mit seinem neuen Klub bei seinem Ex-Verein RB Leipzig nicht nur mit Pfiffen empfangen – dem 34-Jährigen fliegt auch eine Aussage um die Ohren, die er kurz nach der Bekanntgabe seines Wechsels getätigt hat.

Auf die Frage, ob er plane, weitere Spieler mitzunehmen, antwortete Nagelsmann: "Ich werde jetzt nicht einen T6 mieten, um nach München zu fahren und im Schlepptau noch den ein oder anderen guten Spieler von Leipzig dabei zu haben." Verstanden wurde der Satz als Bekenntnis: Nagelsmann nimmt keine weiteren Spieler mit. Zumal der Wechsel von Abwehrspieler Dayot Upamecano zu dem Zeitpunkt bereits feststand.

Nagelsmann nahm allerdings seine Assistenten Benjamin Glück, Dino Toppmöller und Xaver Zembrod sowie den Psychologen Maximilian Pelka mit nach München. Dann verpflichtete der FC Bayern kurz vor Transferschluss auch noch RB-Kapitän Marcel Sabitzer für rund 15 Millionen Euro, nachdem der angekündigt hatte, seinen Vertrag in Leipzig nicht über 2022 hinaus verlängern zu wollen. Und: In der vergangenen Woche erzählte RB-Boss Oliver Mintzlaff auch noch in "Sport Bild", dass Bayern hinter dem Rücken seines Klubs Kontakt zu Mittelfeldspieler Konrad Laimer aufgenommen hatte.

Leipzig reagierte am Samstag mit einem Tweet, begrüßte den FC Bayern in Leipzig mit einer Fotomontage der gewechselten Trainer und Spieler in einem Kleinbus.

Sind Spott und Kritik an Julian Nagelsmann aufgrund seiner Kleinbus-Aussage gerechtfertigt?

Robert Hiersemann

Head of Fußball und Sport

Pro

Ja, er hat sich ins eigene Fleisch geschnitten

Julian Nagelsmann ist trotz seines jungen Alters von 34 Jahren bereits ein erfahrener Profitrainer. Er hätte ahnen müssen, dass er sich mit der T6-Aussage ins eigene Fleisch schneidet, wenn er sich nicht strikt an sein Versprechen hält. Nagelsmann suggerierte, dass er nach seinem Wechsel keine Leipziger Spieler und Staffmitglieder mit nach München nehme.

Das Versprechen hat er gebrochen: Er lotste RB-Kapitän Marcel Sabitzer und weitere Personen aus dem Leipziger Trainerstab an die Säbener Straße. Und deshalb ist die Kritik an seinem Verhalten berechtigt. Auch kleine Sticheleien, wie beispielsweise das T6-Foto in dem RB-Leipzig-Tweet, müssen erlaubt sein. Das muss er aushalten. Daran ist er selbst schuld. Nagelsmann hat dadurch Glaubwürdigkeit eingebüßt.

Was gar nicht geht, sind wüste Beleidigungen, denen Nagelsmann im Internet ausgesetzt ist. Die sind immer unter aller Kanone. Egal, wem gegenüber.

Ansonsten ist Nagelsmann abgezockt und intelligent genug, um über dem Spott drüberzustehen. Er sagte selbst zuletzt: "Das lasse ich nicht zu nah an mich heran." Vor einem Topspiel werden immer wieder mal kleine Giftpfeile ins gegnerische Lager geschossen. Das gehört zum "Zirkus Bundesliga" dazu.

Florian Wichert

Stellvertretender Chefredakteur

Kontra

Nein, das ist lächerlich und respektlos

Nagelsmann und sein Kleinbus – im Nachhinein war der Satz nicht unbedingt glücklich. Und trotzdem sind Kritik und Spott hier keineswegs angebracht.

Denn der Trainer tätigte die Aussage bei der Bekanntgabe seines eigenen Wechsels im April. Der Upamecano-Transfer war da längst eingetütet. Dass ein Trainerteam mitkommt, ist auch nur logisch. Laimer ist in Leipzig geblieben. Wir reden also nur noch über den Sabitzer-Transfer – und der kündigte sich damals noch in keiner Weise an.

Stattdessen ging der erst vier Monate später über die Bühne. Im schnelllebigen Fußball ist das eine Ewigkeit. In der Zwischenzeit lehnte Sabitzer ein Vertragsangebot von RB ab und kam auf den Markt, weil Leipzig ihn lieber in diesem Jahr verkaufen statt im kommenden ablösefrei ziehen lassen wollte. Die 15 Millionen Euro Ablöse nahm RB also gern an.

Ohnehin: Leipzig hat allen Wechseln aktiv zugestimmt und insgesamt knapp 80 Millionen Euro für alle Abgänge bekommen. Auch Upamecano hatte RB die Ausstiegsklausel in den Vertrag geschrieben, die ihm den Wechsel erlaubte.

Das ist das Geschäft. Kritik daran ist naiv. Der Spott von RB lächerlich und respektlos. Denn sowohl Spieler als auch Trainer haben den Verein in den vergangenen Jahren erst dahin gebracht, wo er heute ist.

Wer hat recht?

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.

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