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Die neue Boss

  • Noah Platschko
Von Noah Platschko

Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 5 Min.
Donata Hopfen: Die 45-JĂ€hrige ist seit 1. Januar 2022 Vorsitzende der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Deutschen Fußball Liga (DFL).
Donata Hopfen: Die 45-JĂ€hrige ist seit 1. Januar 2022 Vorsitzende der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Deutschen Fußball Liga (DFL). (Quelle: Foto der Pressemitteilung der DFL/leer)
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Nach 16 Jahren Christian Seifert steht nun sie an der Spitze der Deutschen Fußball Liga: Donata Hopfen. Auf die langjĂ€hrige Medienmanagerin und Unternehmensberaterin wartet eine Mammutaufgabe – auch, aber nicht nur wegen Corona.

Quasi gerĂ€uschlos ging er ĂŒber die BĂŒhne – der Wechsel an der Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL). "Seit dem heutigen Tage haben wir eine neue GeschĂ€ftsfĂŒhrerin: Herzlich willkommen bei der DFL, Donata Hopfen!" Mit diesem Tweet begrĂŒĂŸte der Ligaverband seine Chefin. Doch wer ist die neue starke Frau im deutschen Fußball, der angesichts der aktuellen Corona-Lage in Deutschland schon sehr bald eine bedeutsame Rolle zufallen könnte?


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Schon vergangenen Sommer hatte die DFL Hopfen als baldige Chefin vorgestellt, nachdem der bisherige Amtsinhaber Christian Seifert bereits im Oktober 2020 seinen Abschied fĂŒr 2022 angekĂŒndigt hatte. Der Aufsichtsrat einigte sich mit Seifert auf eine vorzeitige Vertragsauflösung, er soll der GeschĂ€ftsfĂŒhrung allerdings weiterhin bei Bedarf "noch beratend zur VerfĂŒgung stehen", um einen reibungslosen Übergang zu gewĂ€hrleisten.

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Lange Vergangenheit bei Springer

Hopfen, so hieß es in der damaligen Mitteilung, sei nun die "richtige Persönlichkeit", um die DFL in eine "erfolgreiche Zukunft" zu fĂŒhren. Sie selbst freue sich auf die "kommenden Herausforderungen" und "bedanke sich fĂŒr das Vertrauen". So weit, so gut, die ĂŒblichen Floskeln.

In den sozialen Netzwerken findet man kaum etwas ĂŒber die 45-JĂ€hrige. Ihre ersten Schritte im Medienbusiness machte Hopfen Anfang des Jahrtausends bei der Unternehmensberatung Accenture, ehe sie 2003 zu Axel Springer wechselte. 15 Jahre lang arbeitete sie fĂŒr den Medienkonzern, erst als Verantwortliche "Business Development" im GeschĂ€ftsbereich Elektronische Medien, dann als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin "Bild Digital" sowie zum Ende ihrer Springer-Zeit als Vorsitzende der VerlagsgeschĂ€ftsfĂŒhrung bei "Bild". Sie selbst bezeichnet den US-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch als ihr berufliches Vorbild.

Hopfens neuer Arbeitsplatz: die DFL-Zentrale in Frankfurt.
Hopfens neuer Arbeitsplatz: die DFL-Zentrale in Frankfurt. (Quelle: Jan Huebner/imago-images-bilder)

2014 kĂŒrte sie eine Jury der Fachzeitschrift "Horizont" zur "Medienfrau des Jahres". In der BegrĂŒndung hieß es, Hopfen sei eine Frau, die "maßgeblich verantwortlich ist fĂŒr die mutige und gelungene EinfĂŒhrung von Paid Content bei der Bild-Gruppe".

Den Spagat zwischen Print und Digital zu schaffen, eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen eines multimedialen Konzerns wie Springer, fiel also in ihren zentralen Aufgabenbereich. Bei "Bild" galt sie als eine, die immer an Print geglaubt hat – trotz der Jahr fĂŒr Jahr schrumpfenden Auflage. "Wir merken, bei aller PrĂ€senz in den digitalen Medien, dass die Schlagzeilen, die wir in der Zeitung haben, in der öffentlichen Wahrnehmung eine ganz große Rolle spielen", sagte sie im FrĂŒhjahr 2017. "Print ist unsere DNA."

So zeigte sich Hopfen, die sich schon als Kind als kĂŒnftige Sportjournalistin oder Sportmarketingmanagerin sah, auch mitverantwortlich fĂŒr den Launch der Sporttageszeitung "Fußball Bild" im Januar 2017. Das Ergebnis fiel jedoch ernĂŒchternd aus. Zwei Jahre nach der Erstausgabe wurde das Blatt im Dezember 2018 wegen mangelnder Verkaufszahlen eingestellt. Zu einem Zeitpunkt, als Hopfen schon lĂ€ngst nicht mehr bei Springer war.

Hopfen wirft hin

Im Herbst 2017 ging sie von Bord und sollte als CEO die branchenĂŒbergreifende Datenallianz "Verimi" mit aufbauen. Doch schon im Mai 2018, nur einen Monat nach dem Start der Plattform, geht Hopfen wieder von Bord. Offiziell wegen "unterschiedlicher Auffassungen in der strategischen FĂŒhrung des Unternehmens". Hopfen soll die alleinige Macht gefordert haben. Als das misslingt, wirft sie hin.

Es folgen knapp drei Jahre als Managing Director und Partnerin bei der Beraterfirma "BCG Digital Ventures". "Den Mut zu haben, Dinge neu zu denken und sie dann auch konsequent und nachhaltig umzusetzen, treibt mich an", wird sie 2019 in der Pressemitteilung des Unternehmens zitiert.

Gladbach gegen den FC Bayern: MIt dieser Partie wurde die Hinrunde eröffnet. Auch die RĂŒckrunde soll so starten.
Gladbach gegen den FC Bayern: MIt dieser Partie wurde die Hinrunde eröffnet. Auch die RĂŒckrunde soll so starten. (Quelle: Uwe Kraft/imago-images-bilder)

Dieser Aufgabe wird sie sich nun auch bei der DFL stellen mĂŒssen. Öffentliche Auftritte oder Interviews, in denen sie Auskunft ĂŒber ihre Ziele und Herangehensweise gibt, gab es seit der Bekanntgabe ihres neuen Postens keine. "Bundesliga und 2. Bundesliga genießen ebenso wie die DFL weltweit einen hervorragenden Ruf", heißt es nur von ihr in der offiziellen DFL-Mitteilung: "Dies alles gilt es auch vor dem Hintergrund technologischer, gesellschaftlicher und medialer VerĂ€nderungen im Umfeld des Fußballs zu bewahren – und gleichzeitig innovativ weiterzuentwickeln."

Doch schon bald könnte es zu ihrer Hauptaufgabe werden, den Status quo zu erhalten. Der Bundesliga-Auftakt am Freitag zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach stand aufgrund der sich ausbreitenden Omikron-Variante auf der Kippe. Immer mehr Corona-FĂ€lle in den Vereinen der 36 Profiteams aus 1. und 2. Bundesliga könnten wie schon in den vergangenen beiden Jahren reihenweise zu Spielabsagen und Neuansetzungen fĂŒhren.

Hopfen steht vor etlichen Herausforderungen

"Ich hĂ€tte die Liga und die DFL als Organisation meiner Nachfolgerin Donata Hopfen, die ich wirklich sehr schĂ€tze, gerne so ĂŒbergeben, dass sie sich komplett auf die Weiterentwicklung konzentrieren kann. Jetzt wird auch sie erst mal Corona-Management leisten mĂŒssen, da wird es der DFL nicht anders ergehen als Restaurants, Friseuren oder Zeitungen", sagte Hopfens VorgĂ€nger Seifert im November der "SĂŒddeutschen Zeitung".

Doch nicht nur pandemiebedingt steht Hopfen vor etlichen Herausforderungen. Da ist die Dauerfehde mit dem Deutschen Fußball-Bund, mit dem ein neues VertrauensverhĂ€ltnis aufgebaut und ein neuer Grundlagenvertrag ĂŒber die Finanzströme ausgehandelt werden muss. Da sind die immer noch ungeklĂ€rten AusnahmefĂ€lle von der 50+1-Regel, die vom Bundeskartellamt in die Zange genommen wurden.

Christian Seifert: Der langjĂ€hrige DFL-Chef stĂ€rkte seiner Nachfolgerin den RĂŒcken.
Christian Seifert: Der langjĂ€hrige DFL-Chef stĂ€rkte seiner Nachfolgerin den RĂŒcken. (Quelle: Ulrich Hufnagel/imago-images-bilder)

Da ist der Austausch mit Fanvertretern im Rahmen der DFL-Taskforce "Zukunft Profifußball", deren ReformvorschlĂ€ge Hopfen begegnen muss. Da ist die internationale Vermarktung der Bundesliga, die zuletzt aus finanzieller Sicht eingebrochen ist.

Und auch die Vergabe der deutschsprachigen Medienrechte (angedacht fĂŒr FrĂŒhjahr 2023) fiele, sollte Hopfen ihren bis 2024 laufenden Vertrag erfĂŒllen, in ihren Aufgabenbereich. Ein Mammutprogramm. Aber ein stemmbares? Die Zukunft des deutschen Fußballs liegt in ihren HĂ€nden.

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Watzke und Seifert stĂ€rken Hopfen den RĂŒcken

"Geht nicht, gibt’s nicht", soll sie den 400 DFL-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in einer Video-Konferenz verkĂŒndet haben. In den wenigen öffentlichen Auftritten wirkt die 45-JĂ€hrige sehr klar und fokussiert. Das Wort "taff" lehnt sie ausdrĂŒcklich ab. Bei Social Media findet Hopfen kaum statt. Twitter ist nichts fĂŒr sie, auch bei Snapchat fĂŒhlte sie sich nie heimisch – sagte sie zumindest 2017. Dennoch versuche sie, immer mit dem Trend mitzugehen.

"Skepsis ist völlig unangebracht. Gebt der Frau eine Chance – so wie mir auch. Sie ist eine sehr gute Wahl", hatte sich Ex-Chef Seifert kurz vor Weihnachten positiv ĂŒber seine Nachfolgerin geĂ€ußert. Und auch der neue DFL-Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke, mit dem sich Hopfen bereits zum persönlichen Austausch traf, stĂ€rkte Hopfen den RĂŒcken und sprach von einem "sehr positiven GesprĂ€ch". Er wolle sich aber nicht ins operative GeschĂ€ft einmischen.

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"Mit mir wird es niemals langweilig", sagte Hopfen einst ĂŒber sich selbst. Angesichts der anstehenden Herausforderungen dĂŒrfte sie sich keine Sorgen machen mĂŒssen, dass sie ein Schicksal der Reizlosigkeit ereilt. DafĂŒr gibt es im deutschen Fußball aktuell zu viele Baustellen.

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