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Wechsel an der DFL-Spitze: Wer ist Donata Hopfen?


"Medienfrau 2014"
Die neue Boss

  • Noah Platschko
Von Noah Platschko

Aktualisiert am 07.01.2022Lesedauer: 5 Min.
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Donata Hopfen: Die 45-Jährige ist seit 1. Januar 2022 Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL).Vergrößern des Bildes
Donata Hopfen: Die 45-Jährige ist seit 1. Januar 2022 Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL). (Quelle: Foto der Pressemitteilung der DFL/leer)

Nach 16 Jahren Christian Seifert steht nun sie an der Spitze der Deutschen Fußball Liga: Donata Hopfen. Auf die langjährige Medienmanagerin und Unternehmensberaterin wartet eine Mammutaufgabe – auch, aber nicht nur wegen Corona.

Quasi geräuschlos ging er über die Bühne – der Wechsel an der Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL). "Seit dem heutigen Tage haben wir eine neue Geschäftsführerin: Herzlich willkommen bei der DFL, Donata Hopfen!" Mit diesem Tweet begrüßte der Ligaverband seine Chefin. Doch wer ist die neue starke Frau im deutschen Fußball, der angesichts der aktuellen Corona-Lage in Deutschland schon sehr bald eine bedeutsame Rolle zufallen könnte?

Schon vergangenen Sommer hatte die DFL Hopfen als baldige Chefin vorgestellt, nachdem der bisherige Amtsinhaber Christian Seifert bereits im Oktober 2020 seinen Abschied für 2022 angekündigt hatte. Der Aufsichtsrat einigte sich mit Seifert auf eine vorzeitige Vertragsauflösung, er soll der Geschäftsführung allerdings weiterhin bei Bedarf "noch beratend zur Verfügung stehen", um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

Lange Vergangenheit bei Springer

Hopfen, so hieß es in der damaligen Mitteilung, sei nun die "richtige Persönlichkeit", um die DFL in eine "erfolgreiche Zukunft" zu führen. Sie selbst freue sich auf die "kommenden Herausforderungen" und "bedanke sich für das Vertrauen". So weit, so gut, die üblichen Floskeln.

In den sozialen Netzwerken findet man kaum etwas über die 45-Jährige. Ihre ersten Schritte im Medienbusiness machte Hopfen Anfang des Jahrtausends bei der Unternehmensberatung Accenture, ehe sie 2003 zu Axel Springer wechselte. 15 Jahre lang arbeitete sie für den Medienkonzern, erst als Verantwortliche "Business Development" im Geschäftsbereich Elektronische Medien, dann als Geschäftsführerin "Bild Digital" sowie zum Ende ihrer Springer-Zeit als Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung bei "Bild". Sie selbst bezeichnet den US-amerikanischen Medienmogul Rupert Murdoch als ihr berufliches Vorbild.

2014 kürte sie eine Jury der Fachzeitschrift "Horizont" zur "Medienfrau des Jahres". In der Begründung hieß es, Hopfen sei eine Frau, die "maßgeblich verantwortlich ist für die mutige und gelungene Einführung von Paid Content bei der Bild-Gruppe".

Den Spagat zwischen Print und Digital zu schaffen, eine der größten Herausforderungen eines multimedialen Konzerns wie Springer, fiel also in ihren zentralen Aufgabenbereich. Bei "Bild" galt sie als eine, die immer an Print geglaubt hat – trotz der Jahr für Jahr schrumpfenden Auflage. "Wir merken, bei aller Präsenz in den digitalen Medien, dass die Schlagzeilen, die wir in der Zeitung haben, in der öffentlichen Wahrnehmung eine ganz große Rolle spielen", sagte sie im Frühjahr 2017. "Print ist unsere DNA."

So zeigte sich Hopfen, die sich schon als Kind als künftige Sportjournalistin oder Sportmarketingmanagerin sah, auch mitverantwortlich für den Launch der Sporttageszeitung "Fußball Bild" im Januar 2017. Das Ergebnis fiel jedoch ernüchternd aus. Zwei Jahre nach der Erstausgabe wurde das Blatt im Dezember 2018 wegen mangelnder Verkaufszahlen eingestellt. Zu einem Zeitpunkt, als Hopfen schon längst nicht mehr bei Springer war.

Hopfen wirft hin

Im Herbst 2017 ging sie von Bord und sollte als CEO die branchenübergreifende Datenallianz "Verimi" mit aufbauen. Doch schon im Mai 2018, nur einen Monat nach dem Start der Plattform, geht Hopfen wieder von Bord. Offiziell wegen "unterschiedlicher Auffassungen in der strategischen Führung des Unternehmens". Hopfen soll die alleinige Macht gefordert haben. Als das misslingt, wirft sie hin.

Es folgen knapp drei Jahre als Managing Director und Partnerin bei der Beraterfirma "BCG Digital Ventures". "Den Mut zu haben, Dinge neu zu denken und sie dann auch konsequent und nachhaltig umzusetzen, treibt mich an", wird sie 2019 in der Pressemitteilung des Unternehmens zitiert.

Dieser Aufgabe wird sie sich nun auch bei der DFL stellen müssen. Öffentliche Auftritte oder Interviews, in denen sie Auskunft über ihre Ziele und Herangehensweise gibt, gab es seit der Bekanntgabe ihres neuen Postens keine. "Bundesliga und 2. Bundesliga genießen ebenso wie die DFL weltweit einen hervorragenden Ruf", heißt es nur von ihr in der offiziellen DFL-Mitteilung: "Dies alles gilt es auch vor dem Hintergrund technologischer, gesellschaftlicher und medialer Veränderungen im Umfeld des Fußballs zu bewahren – und gleichzeitig innovativ weiterzuentwickeln."

Doch schon bald könnte es zu ihrer Hauptaufgabe werden, den Status quo zu erhalten. Der Bundesliga-Auftakt am Freitag zwischen dem FC Bayern und Borussia Mönchengladbach stand aufgrund der sich ausbreitenden Omikron-Variante auf der Kippe. Immer mehr Corona-Fälle in den Vereinen der 36 Profiteams aus 1. und 2. Bundesliga könnten wie schon in den vergangenen beiden Jahren reihenweise zu Spielabsagen und Neuansetzungen führen.

Hopfen steht vor etlichen Herausforderungen

"Ich hätte die Liga und die DFL als Organisation meiner Nachfolgerin Donata Hopfen, die ich wirklich sehr schätze, gerne so übergeben, dass sie sich komplett auf die Weiterentwicklung konzentrieren kann. Jetzt wird auch sie erst mal Corona-Management leisten müssen, da wird es der DFL nicht anders ergehen als Restaurants, Friseuren oder Zeitungen", sagte Hopfens Vorgänger Seifert im November der "Süddeutschen Zeitung".

Doch nicht nur pandemiebedingt steht Hopfen vor etlichen Herausforderungen. Da ist die Dauerfehde mit dem Deutschen Fußball-Bund, mit dem ein neues Vertrauensverhältnis aufgebaut und ein neuer Grundlagenvertrag über die Finanzströme ausgehandelt werden muss. Da sind die immer noch ungeklärten Ausnahmefälle von der 50+1-Regel, die vom Bundeskartellamt in die Zange genommen wurden.

Da ist der Austausch mit Fanvertretern im Rahmen der DFL-Taskforce "Zukunft Profifußball", deren Reformvorschläge Hopfen begegnen muss. Da ist die internationale Vermarktung der Bundesliga, die zuletzt aus finanzieller Sicht eingebrochen ist.

Und auch die Vergabe der deutschsprachigen Medienrechte (angedacht für Frühjahr 2023) fiele, sollte Hopfen ihren bis 2024 laufenden Vertrag erfüllen, in ihren Aufgabenbereich. Ein Mammutprogramm. Aber ein stemmbares? Die Zukunft des deutschen Fußballs liegt in ihren Händen.

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Watzke und Seifert stärken Hopfen den Rücken

"Geht nicht, gibt’s nicht", soll sie den 400 DFL-Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in einer Video-Konferenz verkündet haben. In den wenigen öffentlichen Auftritten wirkt die 45-Jährige sehr klar und fokussiert. Das Wort "taff" lehnt sie ausdrücklich ab. Bei Social Media findet Hopfen kaum statt. Twitter ist nichts für sie, auch bei Snapchat fühlte sie sich nie heimisch – sagte sie zumindest 2017. Dennoch versuche sie, immer mit dem Trend mitzugehen.

"Skepsis ist völlig unangebracht. Gebt der Frau eine Chance – so wie mir auch. Sie ist eine sehr gute Wahl", hatte sich Ex-Chef Seifert kurz vor Weihnachten positiv über seine Nachfolgerin geäußert. Und auch der neue DFL-Aufsichtsratsboss Hans-Joachim Watzke, mit dem sich Hopfen bereits zum persönlichen Austausch traf, stärkte Hopfen den Rücken und sprach von einem "sehr positiven Gespräch". Er wolle sich aber nicht ins operative Geschäft einmischen.

"Mit mir wird es niemals langweilig", sagte Hopfen einst über sich selbst. Angesichts der anstehenden Herausforderungen dürfte sie sich keine Sorgen machen müssen, dass sie ein Schicksal der Reizlosigkeit ereilt. Dafür gibt es im deutschen Fußball aktuell zu viele Baustellen.

Verwendete Quellen
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