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Ex-Lautern-Profi vor CL-Duell gegen Chelsea: Das Märchen des Antonio Čolak

Malmö-Star Antonio Čolak  

Vom Regionalliga-Stürmer zu Tuchels kniffligster Aufgabe

20.10.2021, 14:50 Uhr
Ex-Lautern-Profi vor CL-Duell gegen Chelsea: Das Märchen des Antonio Čolak . Antonio Čolak: Der ehemalige Bundesliga-Stürmer hat mit seinen Toren entscheidend Einfluss auf Malmös Champions-League-Einzug genommen. (Quelle: imago images)

Antonio Čolak: Der ehemalige Bundesliga-Stürmer hat mit seinen Toren entscheidend Einfluss auf Malmös Champions-League-Einzug genommen. (Quelle: imago images)

Regionalliga, 2. Liga, Bundesliga, Champions League: Antonio Čolak lebt den Traum vieler Fußballer. Doch der Weg dorthin war für den Deutsch-Kroaten steinig – und hat dabei sogar etwas märchenhaftes. 

Es hat wirklich nicht viel darauf hingewiesen, dass er eines Tages auf solche Gegenspieler treffen würde. Am Mittwoch kriegt es Antonio Čolak mit seinem Malmö FF nämlich mit Champions League-Titelverteidiger FC Chelsea um DFB-Nationalverteidiger Antonio Rüdiger und Stürmerstar Romelu Lukaku zu tun (ab 21 Uhr im t-online-Liveticker). Dabei spielte der 28-jährige Torjäger noch vor vier Jahren in der Regionalliga Bayern. Wie hat der in Ludwigsburg geborene Kroate es von dort unten nur in die Königsklasse geschafft?

"Meine bisherige Karriere war ein einziges Auf und Ab", sagt Čolak im Gespräch mit t-online – und fasst seine Odyssee durch Klubs und Ligen prägnant zusammen. Aus der Jugend der Stuttgarter Kickers stammend, wechselte der 1,88 Meter große Stürmer 2012 zur zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg. Bereits kurz nach seinem Debüt im Profiteam des "Club" wagte Čolak den Sprung ins Ausland und schloss sich 2014 per Leihe dem polnischen Erstligisten Lechia Gdansk an. Auch aufgrund seiner guten Leistungen in Polen (10 Tore in 31 Partien) eiste die TSG Hoffenheim ihn aus Nürnberg los. Doch statt den Bundesliga-Durchbruch zu schaffen, sollte Čolak in den kommenden Jahren konstant auf gepackten Koffern sitzen.

Ingolstadt entpuppt sich für Čolak als Desaster – und Wendepunkt

Kaiserslautern, Darmstadt, Ingolstadt, Rijeka. Gleich vier Mal verlieh die TSG den ambitionierten Angreifer. Mal schlug er sich in den neuen Klubs gut (Darmstadt, Rijeka), mal schlechter (Lautern, Ingolstadt). "Auf diesen Stationen wurde mir leider oftmals nicht das Vertrauen geschenkt, das ich als junger Spieler benötigt hätte, um mein Leistungsvermögen voll auszuschöpfen", erklärt Čolak in der Retrospektive. Gerade sein halbjähriges Gastspiel beim damaligen Bundesliga-Absteiger aus Ingolstadt entpuppte sich für ihn als Desaster. Statt den FCI mit Toren in Richtung Wiederaufstieg zu ballern, wurde Čolak zu den Amateuren in die Regionalliga abgeschoben.

In Ingolstadt findet sich Antonio Čolak plötzlich in der Regionalliga wieder (Archivbild, 2017). (Quelle: imago images/Stefan Bösl)In Ingolstadt findet sich Antonio Čolak plötzlich in der Regionalliga wieder (Archivbild, 2017). (Quelle: Stefan Bösl/imago images)

Im Nachhinein war dieser Nackenschlag jedoch der entscheidende Wendepunkt für Čolak . Denn als er nach nur sechs nervenzehrenden Monaten aus Ingolstadt nach Hoffenheim zurückkehrte, stand da bereits der Klub für ihn bereit, bei dem sich alles ändern sollte: HNK Rijeka, damals amtierender kroatischer Meister und Europa-League-Teilnehmer.

"Rijeka wollte mich bereits nach meiner Erstligasaison beim SV Darmstadt 98 verpflichten", erinnert sich Čolak, "doch Hoffenheims aufgerufener Preis war ihnen zu teuer." Der Kontakt zu Rijeka brach jedoch zu keiner Zeit ab und "so war es wohl auch Schicksal, dass ich in Ingolstadt ein halbes Jahr kaum gespielt habe und mein Marktwert so fiel, dass Rijeka im Winter-Transferfenster zuschlug."

In Kroatien wird ihm endlich Geduld und Vertrauen geschenkt

In Rijeka wurde Čolak endlich das geschenkt, was er unter anderem in Ingolstadt so vermisst hatte: Geduld und Vertrauen. "Und schon zahlte ich es dem Verein mit Toren zurück", betont Čolak, und sagt nicht ganz ohne Stolz: "Nachdem mich Rijeka im Sommer 2019 fest aus Hoffenheim verpflichtete, platzte der Knoten endgültig und ich beendete die Saison mit 20 Treffern als Torschützenkönig der ersten kroatischen Liga."

Mit HNK Rijeka wird Antonio Čolak zwei Mal Pokalsieger und Torschützenkönig der ersten kroatischen Liga. (Quelle: imago images/Aleksandar Djorovic)Mit HNK Rijeka wird Antonio Čolak zwei Mal Pokalsieger und Torschützenkönig der ersten kroatischen Liga. (Quelle: Aleksandar Djorovic/imago images)

Čolak gewann mit dem Ex-Klub des Hoffenheim-Stars Andrej Kramarić zwei Mal den kroatischen Pokal und trug im November 2020 im Alter von 27 Jahren erstmals das ikonische rot-weiß-karierte Trikot der Nationalmannschaft Kroatiens. Von der Teilnahme an der Champions League war er zu diesem Zeitpunkt jedoch immer noch weit entfernt.

Doch Čolak hat verstanden, dass hinter seinem bisherigen Aufstieg vor allem eine Menge Ausdauer und Risikofreudigkeit steckt. Statt sich mit dem Star-Status in der kroatischen Liga zufrieden zu geben, probiert er frei nach der Märchenfigur Aschenputtel weiter emsig Schuhe an – immer auf der Suche, nach dem einen, der wie angegossen passt. PAOK Saloniki, wo er im Spätsommer 2020 erstmals in seiner Profikarriere für eine Millionenablöse hin wechselte, war nicht der erhoffte Volltreffer. Also stieg Čolak wieder einmal aus den Latschen und ging nach Schweden, zum Malmö FF. Und fand endlich sein Paar maßgeschneiderte Schuhe.

Colak ballert Malmö in die Champions-League-Gruppenphase

Mit seinen fünf Treffern in acht Qualifikationspartien hat Čolak einen riesigen Anteil an Malmös Erreichen der Champions-League-Gruppenphase. "Mir macht das Fußballspielen für Malmö unglaublichen Spaß – und das spiegelt sich auch in meinen Leistungen und meiner Torquote wider", sagt Čolak fast schon lapidar. 

Dass es beim Jugendklub von Stürmerikone Zlatan Ibrahimović für ihn so gut läuft (16 Tore in 30 Pflichtspielen), liegt auch ganz entscheidend am Cheftrainer: dem früheren Stuttgart- und Milan-Torjäger Jon Dahl Tomasson. Auf ihn angesprochen gerät Čolak regelrecht ins Schwärmen. "Tomasson steht für Powerfußball. Er verlangt von uns Spielern alles ab. Er will sehen, dass wir hoch verteidigen, dem Gegner den Ball im besten Fall bereits in seiner Hälfte abnehmen und viele Torabschlüsse kreieren", beschreibt er den unter dem Dänen praktizierten Fußball.

Jon Dahl Tomasson: Der Champions-League-Sieger von 2003 ist seit 2020 Cheftrainer von Malmö FF. (Quelle: imago images/Bildbyran)Jon Dahl Tomasson: Der Champions-League-Sieger von 2003 ist seit 2020 Cheftrainer von Malmö FF. (Quelle: Bildbyran/imago images)

Viel beeindruckter ist Čolak jedoch vom Menschen Tomasson: "Er sucht den ehrlichen Austausch mit seinen Spielern und interessiert sich auch für die Privatperson hinter dem Fußballer." Es sei besonders diese Facette, die ihn zum wohl größten Lob ansetzen lässt, das ein Spieler einem Coach machen kann: "Das macht ihn für mich zu dem besten Trainer, den ich in meiner bisherigen Karriere hatte."

Malmö-Star schwärmt von Thomas Tuchel

Nun muss sich das dänisch-kroatische Erfolgsduo also in der Königsklasse an der Stamford Bridge beweisen. Beim Titelverteidiger aus London flößt Čolak besonders sein deutscher Coach Thomas Tuchel Respekt ein. "Ich habe mich während der Länderspielpause im September mit Chelseas Mateo Kovacic über die aktuelle Erfolgswelle des Klubs unterhalten. Dabei hat er folgenden beeindruckenden Satz gesagt: 'Thomas Tuchel ist es gelungen, in nur einer Woche der gesamten Mannschaft aufzuzeigen, welchen Fußball er mit uns spielen möchte.' Ich kenne keinen Trainer, dem es gelingt, direkt in der ersten Woche solch komplexe Inhalte zu vermitteln und seine Mannschaft diese dann auch sofort erfolgreich anwenden zu lassen", staunt Malmös Stürmer. Allein wegen Tuchel sei Chelsea für ihn "wieder einer der großen Anwärter auf den Henkelpott", so Čolak.

Obwohl Malmö mit zwei Niederlagen in die Champions-League-Saison gestartet ist (0:3 gegen Juventus, 0:4 gegen Zenit, Anm. d. Red.), rechnet Čolak seinem Team gegen Chelsea etwas aus – auch weil er sich im Duell mit Abwehrstar und Namensvetter Antonio Rüdiger leicht im Vorteil sieht. "Als Stürmer hat man grundsätzlich einen leichten Gedankenvorsprung", erklärt Čolak mit einem Schmunzeln, und fügt an: "Gerade auf diesem höchsten Niveau kommt es auf solche Nuancen an. Wenn mir das gelingt, bin ich auch davon überzeugt, dass ich als Sieger aus dem Duell Toni gegen Toni gehe."

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Antonio Čolak 

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