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WM 2018 – Ex-Nationalspieler sagt: "Löw-Rücktritt wäre die beste Lösung"


INTERVIEWThomas Brdaric  

"Ein Löw-Rücktritt wäre die beste Lösung"

Von Florian Wichert

01.07.2018, 22:05 Uhr
WM 2018 – Ex-Nationalspieler sagt: "Löw-Rücktritt wäre die beste Lösung". Klare Meinung zu Bundestrainer Joachim Löw: Thomas Brdaric (r.). (Quelle: imago images)

Klare Meinung zu Bundestrainer Joachim Löw: Thomas Brdaric (r.). (Quelle: imago images)

Der Ex-Nationalspieler spricht nach dem WM-Aus über die Zukunft der DFB-Elf – und erklärt aus eigener Erfahrung, warum ein Trainerwechsel nun am sinnvollsten wäre.

54 Bundesligatore, Vizeweltmeister 2002, Champions-League-Finalist – Thomas Brdaric gehörte nach der Jahrtausendwende zu den besten deutschen Stürmern, spielte als Torjäger mit Bayer Leverkusen um viele Titel mit, kam auch in der Nationalelf zum Einsatz. Brdaric musste auch einen Tiefpunkt mitmachen: Das Vorrundenaus bei der EM 2004 – und die Folgen danach.

Im Interview spricht der ehemalige Stürmerstar nun über das Debakel der Nationalmannschaft bei der WM 2018, die Erinnerungen an 2004 – und die Zukunft von Bundestrainer Joachim Löw.

2004: Brdaric (r.) mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Insgesamt absolvierte der Angreifer acht Länderspiele (ein Tor). (Quelle: imago images)2004: Brdaric (r.) mit Bundestrainer Jürgen Klinsmann. Insgesamt absolvierte der Angreifer acht Länderspiele (ein Tor). (Quelle: imago images)

t-online.de: Herr Brdarić, Sie spielten jahrelang in der deutschen Nationalelf, sind heute Trainer von Rot-Weiß Erfurt. Wer trägt aus Ihrer Sicht die Schuld am WM-Debakel der Mannschaft von Joachim Löw – der Bundestrainer selbst?

Thomas Brdarić (43): Das frühe Aus war natürlich super ärgerlich. Es gibt aber viele Gründe, die dazu geführt haben. Ich weiß nicht, wo ich da anfangen soll.

Fragen wir doch so: Denken Sie, dass Joachim Löw weiter machen sollte oder nicht?

Fakt ist, dass es jetzt unheimlich viele Dinge gibt, über die sich Joachim Löw jetzt viele intensive Gedanken machen muss. Auch darüber, ob es wirklich noch Sinn macht, Bundestrainer zu bleiben. 14 Jahre beim DFB sind eine lange Zeit. Die Entwicklung beim DFB war überragend, wir hatten wirklich wunderschöne Jahre mit der Nationalmannschaft. Deshalb müssen wir sie jetzt auch mit Respekt behandeln. Ich beteilige mich auch nicht an irgendwelchen Klatschgeschichten oder posaune etwas hinaus, nur damit ich etwas losgeworden bin und mich besser fühle.

Sie haben aber selbst neben der WM 2002 auch die EM 2004 miterlebt, die für Sie auch in der Vorrunde endete. Wie war es denn damals, als alles in Grund und Boden geschrieben wurde?

Ich weiß es noch, als wäre es gestern. Wir waren alle in Trance, in einem Schockzustand. Keiner konnte glauben, dass es nach Hause geht. Es war ein schönes Land mit Portugal und auch ein interessantes Turnier mit einem Überraschungssieger Griechenland. Aber das Aus hat man natürlich in schlimmer Erinnerung. Das ist durchaus zu vergleichen mit der aktuellen Situation.

Weil sie auch tief gefallen sind?

Erst 2002 der große Erfolg mit dem WM-Finale mit Rudi Völler und Michael Skibbe, dann das Vorrundenaus 2004: Völler und Skibbe haben dann das Ruder übergeben an ein neues, innovatives Team mit Jürgen Klinsmann an der Spitze. Er hatte zwei tolle Jahre mit einem großartigen Erfolg: Dem Sommermärchen. Joachim Löw durfte im Prinzip das, was Oliver Bierhoff und Jürgen Klinsmann angefangen hatten, fortführen. Was ich damit sagen will: Der Trainerwechsel hat den Druck rausgenommen, den Weg freigemacht für Innovationen und den Grundstein gelegt für eine überragende Entwicklung. Ich denke, dass so ein Szenario, also ein Rücktritt von Joachim Löw, heute eine vergleichbare Wirkung haben könnte. Es würde den Druck rausnehmen und wäre wohl die beste Lösung. Ich denke auch, dass es so kommen wird und dass dann der Raum da ist für Innovationen.

EM 2004: Teamchef Rudi Völler (li.) wechselt Brdaric (M.) für Kevin Kuranyi ein. (Quelle: imago images)EM 2004: Teamchef Rudi Völler (li.) wechselt Brdaric (M.) für Kevin Kuranyi ein. (Quelle: imago images)

Sind die denn notwendig?

Wenn wir schon über Details sprechen: Jogi Löw musste nie großartig am System rütteln. Das wäre aber vielleicht mal notwendig. In der heutigen Zeit wird oft gewechselt von Dreierkette auf Viererkette, mal mit einem oder zwei Stürmern. Wenn man da variabel aufgestellt ist, dann macht man es dem Gegner schwerer. Die Nationalelf hat meist im 4-2-3-1 gespielt. Ich denke, dass dies kein gutes offensives System ist, sondern ein kompaktes. Da hat man viel Ballbesitz, man kann sicherlich auch durch innere Qualität nach vorne kommen, aber dann muss auch wirklich alles passen.

Was schon in der Vorbereitung auf die WM nicht der Fall war.

Gegen Österreich oder Saudi-Arabien konnte man sehen, dass wir nicht wirklich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet waren. Aber das hat auch noch weitere Gründe – ob das die Kaderzusammenstellung grundsätzlich war oder das Prinzip, von 27 auf 23 Spieler zu reduzieren. Ich meine, man hätte hier und da andere Lösungen finden müssen.

Sehen Sie einen geeigneten Nachfolger für Joachim Löw?

Es stellt sich die Frage, ob man jetzt auf einen jüngeren Trainer wechseln sollte oder auf einen erfahrenen. Joachim Löw gehört nicht mehr zur jüngsten Generation. Vielleicht wäre es tatsächlich besser, einen kompletten Neustart zu machen mit einem jungen Trainer, der auch mal offen ist für neue Dinge.

Wie werden Sie die WM nun verfolgen?

Mal schauen, was die anderen Länder fabrizieren, ob es noch Überraschungen gibt oder ob sich die großen Nationen durchsetzen. Mein Name stammt ja aus Kroatien. Mein Vater war Kroate. Ich bin deshalb jetzt Kroatien-Fan.

Was Thomas  Brdarić über Hannes Wolf, Arsene Wenger, Stefan Kuntz, Thomas Schneider oder Marcus Sorg als mögliche Nachfolger von Löw denkt, sehen Sie am Montag in der Videoserie „WM-Konter“ bei t-online.de.

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