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DFB – Kritik von Joachim Löw: Ist der deutsche Fußball zu weich?


DFB alarmiert  

Kritik vom Bundestrainer: Ist der deutsche Fußball zu weich?

16.11.2019, 15:55 Uhr
 (Quelle: t-online.de - Reuters - Imago)
DFB vor Weißrussland: Wer spielen wird und wie Löw spielen lassen will

Gegen Weißrussland kann die deutsche Fußball-Nationalmannschaft schon das EM-Ticket lösen. Wie genau das klappen kann, mit welchem Personal und welcher Taktik, verrät t-online.de-Reporter Luis Reiß aus Düsseldorf. (Quelle: t-online.de)

DFB vor Weißrussland: Wer spielen wird, wie es mit dem EM-Ticket klappt und was Jogi Löw auf dem Feld plant, weiß t-online.de-Reporter Luis Reiß, der aus Düsseldorf berichtet. (Quelle: t-online.de)


Joachim Löw kritisiert das Zweikampfverhalten seiner Spieler öffentlich – und prangert gezielt ein großes Problem der Bundesliga an. Das sagt ungewollt viel über den Zustand des deutschen Fußballs aus.

Gleich zweimal wurde Joachim Löw vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Weißrussland an diesem Samstag (20.45 Uhr im Liveticker bei t-online.de) mit einem Begriff konfrontiert, der ihm so gar nicht gefällt. "Männerfußball" – den hatte Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc kürzlich von seiner Mannschaft gefordert. Was er, der Bundestrainer, nun davon halte, wollten die Reporter wissen. Und ob die Deutschen denn keinen "Männerfußball" mehr spielen würden. Damit trafen sie bei Löw offenbar einen Nerv.

Denn der nutzte die Vorlage, um an eine der Grundtugenden des deutschen Fußballs zu appellieren. Sein Vorwurf: seinen Spielern fehle es verglichen mit anderen Nationen an der nötigen Zweikampfstärke. Und das in einer Fußball-Nation, die nach jedem Spiel über die Mentalität diskutiert und in der "Gras fressen" als Basis des Erfolgs gilt.

"Ein Körperkontakt ist nicht immer ein Foul"

Doch woran stört sich der Bundestrainer konkret? Löw sagte, der Begriff "Männerfußball" sei zwar Quatsch. Aber: "Die Spieler gehen häufig beim Körperkontakt zu leicht zu Boden. Zweikampfverhalten heißt auf den Beinen bleiben. Damit zeigt man dem Gegner, man ist da, man ist präsent, man setzt ein Zeichen." Und er fügte hinzu: "Zweikämpfe sind die Basis. Damit meine ich auch die offensiven Zweikämpfe. Sich durchzusetzen, sich nicht wegdrängen zu lassen. Da geben die Spieler manchmal den Ball zu leichtfertig her."

Eine Mitschuld sieht der Bundestrainer bei den Bundesliga-Schiedsrichtern. "Es wird für mich viel zu viel abgepfiffen. Das Spiel braucht einen anderen Fluss. Ein Körperkontakt ist nicht immer ein Foul." Die Referees sind wohl der eigentliche Adressat seines kleinen Vortrags. Löw will eine Debatte anstoßen und auf einen aus seiner Sicht fatalen Nachteil der deutschen Eliteklasse hinweisen.

Nur in England wird weniger gepfiffen

Mit seiner Kritik ist Löw nicht alleine. Mehrere Bundesliga-Trainer haben in der Vergangenheit die kleinliche Regelauslegung angeprangert, am deutlichsten wurde Niko Kovac in seiner Zeit bei Eintracht Frankfurt. Damals sagte er: "Man muss ganz klar die Schiedsrichter schulen und zeigen, wie es international geht. Es darf nicht sein, dass sich Spieler hinwerfen und billige Fouls kriegen, dass Pipi-Geschichten abgepfiffen werden."

Doch stimmt das überhaupt? Wie körperlich ein Spiel geführt wird, lässt sich nur schwer messen. Fakt ist: die Zahl der Fouls pro Spiel ist in der Bundesliga mit 23,9 in der vergangenen Saison vergleichsweise niedrig gewesen. In der englischen Premier League waren es 21, in Spanien aber mit 27 beispielsweise deutlich mehr (Quelle: Statista). Die Zahl alleine sagt noch nichts über die Regelauslegung aus. Dass in der Bundesliga der Spielfluss deutlich häufiger unterbrochen wird als anderswo, scheint aber eher eine gefühlte Wahrheit zu sein.

Es gibt einige Gegenbeispiele

Trotzdem gibt es einige Hinweise darauf, dass nach dem Zeitalter der Strategen und Ballbesitzkünstler die Physis wieder ein wichtigerer Faktor für Erfolg wird. Bei der WM 2018 schafften es mit Frankreich und Kroatien zwei der körperlich stärksten Teams ins Endspiel. Das gilt auch für das Finale der Champions League in diesem Jahr zwischen Liverpool und Tottenham. Und dass die Bundesliga reihenweise talentierte Spieler aus Frankreich und England verpflichtet, hat auch mit der besseren athletischen Ausbildung dort im Nachwuchsbereich zu tun.


Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Ausgerechnet Englands Meister Manchester City setzt auf viele filigrane Techniker und hatte damit Erfolg. Die Spieler sind häufig so viel handlungsschneller, dass sie körperlichen Duellen entkommen. Ähnlich ließ sich auch der Erfolg des FC Barcelona über Jahre erklären. Und der FC Bayern hat in seiner dominantesten Phase unter Pep Guardiola ebenfalls fast gänzlich auf große und starke Spieler verzichtet.

Vielleicht ist es also auch so: der deutsche Fußball hat seine spielerische Weltklasse vergangener Jahre verloren und ist deshalb mehr auf die Physis seiner Spieler angewiesen als zuvor. Eine Diskussion über "Männerfußball"? Das ist wohl alles – nur kein Zeichen der Stärke.

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