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Vor 30 Jahren: Das letztes Länderspiel der DDR – "Ede" Geyer erinnert sich

Vor 30 Jahren  

Das letzte Länderspiel der DDR: "Es war beschämend"

13.09.2020, 11:20 Uhr | sid

Vor 30 Jahren: Das letztes Länderspiel der DDR – "Ede" Geyer erinnert sich. Matthias Sammer (li.) mit dem letzten Nationaltrainer der DDR, Eduard "Ede" Geyer (re.) im November 1989. (Quelle: imago images/Sportfoto Rudel)

Matthias Sammer (li.) mit dem letzten Nationaltrainer der DDR, Eduard "Ede" Geyer (re.) im November 1989. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago images)

Am diesem Wochenende jährt sich das letzte Länderspiel der DDR zum 30. Mal. Ex-Nationaltrainer Eduard "Ede" Geyer erinnert sich noch genau – und kritisiert die Haltung der damaligen Mannschaft.

Eduard "Ede" Geyer kann sich noch genau an den unrühmlichen Schlusspunkt für die Fußball-Auswahl der DDR erinnern. Vor rund 30 Jahren, am 12. September 1990, fiel in Brüssel der letzte Vorhang für die Mannschaft der Deutschen Demokratischen Republik, die nach dem Mauerfall am 9. November 1989 nicht einmal mehr zehn Monate Bestand hatte.

Geyer hatte für den letzten Auftritt 36 Spieler eingeladen, aber 22 sagten ab. "Da hätte ich mir gewünscht, dass sich die Spieler etwas charakterfester verabschiedet hätten", sagte Geyer später. Immerhin: Die stark ersatzgeschwächte DDR-Auswahl gewann durch zwei Treffer von Kapitän Matthias Sammer mit 2:0 gegen Belgien.

Geyer: Sammer "war manchmal nicht ganz leicht" 

"Erst im Nachhinein wurde mir bewusst, dass dieser Tag auch eine gewisse historische Bedeutung hatte. Im Vorfeld und an dem Tag selbst ging es nur darum, dass wir gewinnen", berichtete Geyer später in einem Interview in seinem Buch "Eduard Geyer – Einwürfe" zu diesem speziellen Match.

Zu den Unentwegten, die sich entschlossen, noch einmal das DDR-Trikot überzustreifen, gehörten neben Sammer Uwe Rösler, Dariusz Wosz, Heiko Scholz, Heiko Bonan und Torsten Kracht.

Besonders angetan war der langjährige Coach von Energie Cottbus vom Matchwinner Sammer: "Matthias war manchmal nicht ganz leicht, er war ein bisschen kompliziert, hatte zuweilen völlig andere Ansichten. Grundsätzlich machte er sich aber immer Gedanken über Fußball. Mit ihm konntest du stundenlang darüber reden und diskutieren. Er ist schon ein besonderer Spezi, sonst hätte er es auch nicht so weit gebracht."

DDR-Länderspiel: Die Belgier Enzo Scifo und Lorenzo Staelens im Duell mit Matthias Sammer. (Quelle: imago images/Reporters)DDR-Länderspiel: Die Belgier Enzo Scifo und Lorenzo Staelens im Duell mit Matthias Sammer. (Quelle: Reporters/imago images)

Nur wenige der Auswahl kamen zum Spiel 

In Brüssel traf Sammer in der 74. und 89. Minute für die Geyer-Truppe im Constant-Vanden-Stock-Stadion vor nur 12.000 Zuschauern. Am 19. Dezember 1990 stand Sammer auch im Wiedervereinigungs-Länderspiel in Stuttgart gegen die Schweiz (4:0) als erster DDR-Spieler in der Anfangsformation der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB); später wurde Andreas Thom als zweiter Kicker aus dem Osten für Sammer eingewechselt (74.).

Enttäuscht war Geyer über die Spieler, die ihm für das Spiel einen Korb gegeben hatten. Viele hatte mit der DDR-Auswahl abgeschlossen. Aber auch die Spieler aus dem Osten, die in Brüssel zugegen waren, waren bei den Westklubs heiß begehrt. "Ich weiß noch sehr genau, wie nach dem Spiel plötzlich diverse Spielerberater um uns herumturnten. Es war beschämend, wie sich einige von denen aufführten", berichtete Geyer.

Eduard Geyer: ist mehrmaliger DDR-Nachwuchsnationalspieler.  (Quelle: imago images/VIADATA)Eduard Geyer: ist mehrmaliger DDR-Nachwuchsnationalspieler. (Quelle: VIADATA/imago images)

"Wäre Mauer später gefallen, hätten wir das Spiel gewonnen" 

Ähnliches hatte sich schon am 15. November 1989 in Österreich zugetragen, als die DDR wenige Tage nach dem Mauerfall noch um das Ticket für die WM 1990 in Italien kämpfte. Aber vergebens, der Traum von der zweiten Teilnahme an einer WM-Endrunde nach 1974 in der Bundesrepublik Deutschland platzte wie eine Seifenblase. Dies konnte der Fußballlehrer und Dresdner Meisterspieler, der im September 1989 die DDR-Auswahl übernommen hatte, nicht ändern.

"Für einen Trainer, der unbedingt mal eine WM miterleben wollte, war es eine Katastrophe", meinte Geyer im SID-Gespräch. Vor 55.000 Zuschauern ging sein Team in Wien mit 0:3 unter. "Wenn die Mauer ein paar Wochen später gefallen wäre, hätten wir das Spiel gewonnen", betonte Geyer später.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur sid

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