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Kinderporno-Prozess: So groß ist die Wut nach dem Metzelder-Urteil

Kinderporno-Prozess  

So groß ist die Wut nach dem Metzelder-Urteil

01.05.2021, 19:51 Uhr | t-online, MEM

Ex-Fußballprofi Metzelder zu zehn Monaten auf Bewährung verurteilt

Christoph Metzelder wurde wegen Besitz und Verbreitung von Kinderpornographie verurteilt. Zuvor hatte der Ex-Nationalspieler seine Tat im Prozess gestanden.

Nach Geständnis: Ex-Fußballprofi Metzfelder ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. (Quelle: Reuters)


Zehn Monate auf Bewährung. So lautet das Urteil, das am Donnerstag gegen Christoph Metzelder im Kinderpornografie-Prozess verkündet wurde. Der ehemalige Fußballprofi hatte sich in Teilen schuldig bekannt. Der Urteilsspruch erhitzt die Gemüter. 

Fußball-Vizeweltmeister Christoph Metzelder hat vor dem Amtsgericht Düsseldorf am Donnerstag ein Teilgeständnis im Kinderpornografie-Prozess abgelegt. Der 40-Jährige räumte die Weiterleitung von 18 kinder- und jugendpornografischen Dateien ein. Den Besitz von nahezu 300 Dateien – wie angeklagt – gestand er nicht. Er sagte unter anderem: "Ich hinterlasse eine Wunde, die niemals verheilen wird. Damit werde ich für den Rest meines Lebens leben müssen."

Der Prozess gegen Metzelder wurde bereits am ersten Tag wieder beendet. Das Amtsgericht Düsseldorf verurteilte ihn zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung. Und dieses Urteil erhitzt die Gemüter in Deutschland. 

Politiker, Unterhaltungs-Promis, Fußballprofis. t-online hat zusammengefasst, wie die Reaktionen auf das Urteil ausfielen. 

Der angeklagte Christoph Metzelder: In einem Saal des Amtsgerichts auf der Anklagebank zwischen seinen Rechtsbeiständen. (Quelle: dpa/Federico Gamberini)Der angeklagte Christoph Metzelder: In einem Saal des Amtsgerichts auf der Anklagebank zwischen seinen Rechtsbeiständen. (Quelle: Federico Gamberini/dpa)

"Habe kein Verständnis" 

Der frühere Bundesliga-Profi und Weltmeister Lukas Podolski findet das Urteil gegen Metzelder, mit dem er einst gemeinsam für die Nationalmannschaft spielte, beispielsweise viel zu lasch. Er sagte zu "Bild": "Für das Urteil zehn Monate auf Bewährung habe ich kein Verständnis. Es geht hier nicht darum, ein Zeichen an einem prominenten Täter zu setzen. Es geht darum, dass so etwas grundsätzlich härter bestraft werden sollte. Auch ein Teilgeständnis darf keine Entlastung sein, wenn es um Kinderpornografie geht!"

Zudem ergänzte Podolski: "Da fehlt mir die abschreckende Wirkung. Wer sich gegen Kinder versündigt, muss mit aller möglichen Härte des Gesetzes bestraft werden. Noch mal: Es werden Kinder geschädigt! So wie ihre Eltern und Familien! Die Strafe wird dem Vergehen nicht gerecht."

"Ein Skandal und eine Katastrophe" 

Auch Natascha Ochsenknecht äußerte sich auf Instagram zum Fall Metzelder. Bereits vor dem Urteil schrieb sie: "Der Prozess, der hoffentlich nicht mit Bewährung enden wird."

Nach dem Urteilsspruch legte sie nach: "Wie ihr seht, hatte ich Recht, und obendrauf zur Belohnung die Bewährung. In dieser Szene weiß man, dass man mit einem Teilgeständnis Erfolg hat. Ein Skandal und eine Katastrophe für die Kinder. Freifahrtschein, das ist zum Kotzen." Unter ihrem Kommentar schrieb die Schauspielerin Rebecca Immanuel: "Solange hier nicht andere Konsequenzen folgen, wird sich nichts ändern. Kennt sich jemand mit der Rechtslage aus? Wieso wird nicht härter durchgegriffen, um auch eine abschreckende Wirkung zu erzielen?" Auch Moderatorin und Model Mirja du Mont äußerte sich entsetzt mit: "Ohne Worte!!!!!" Ihre Kollegin Jenny Elvers schrieb: "Zum Kotzen!!!"

"Mir wird's übel" 

In eine ähnliche Richtung äußerte sich Model Gitta Saxx: "Deutscher Rechtsstaat!?! Der Typ hat Kinderpornos verschickt!!! Mir wird's übel."

Auch der Comedian Oliver Pocher hat kein Verständnis für das Urteil gegen Christoph Metzelder. "Wir reden hier von Kindern, und das ist an Widerlichkeit nicht zu überbieten", schrieb er in seiner Instagram-Story. Dass Metzelder laut eigener Aussage im Prozess keine "pädophile Neigung" besitze, sei für ihn nur "schwer nachvollziehbar."

Liebe Leserinnen und Leser: Wie stehen Sie zum Metzelder-Urteil? Empfinden Sie es als richtig oder hätten Sie sich einen anderen Ausgang des Prozesses gewünscht? Schreiben Sie uns Ihre durch Argumente begründete Meinung mit dem Betreff "Metzelder-Urteil" an lesermeinung@stroeer.de. Eine Auswahl der Einsendungen werden wir mit Nennung des Namens veröffentlichen.

Justizministerin? "Eine wahre Lügnerin" 

Moderatorin Charlotte Würdig reagierte ebenfalls empört und verfasste einen Post. Bereits vor gut einem Jahr saß sie in einer Online-Talkshow mit Justizministerin Christine Lambrecht und diskutierte über härtere Strafen für Täter in Fällen von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie. Lambrecht versprach härteres Durchgreifen. Das Metzelder-Urteil ließ Würdig nun aus allen Wolken fallen. "Frau Lambrecht, Sie versprachen bei 'Jetzt reden vier', dass bis Ende 2020 ein neues Gesetz für mehr Gerechtigkeit bei den Opfern/Kindern verabschiedet wird. Die Strafen, auch 'nur' für das Vertreiben oder den Konsum von Pornographie mit missbrauchten Kindern, merklich erhöht, ja, endlich angepasst werden. Leidenschaftlich haben wir alle diskutiert. Ich glaubte Ihnen."

Dann ergänzt Würdig: "Es ist April 2021 und ein Ex-Fußballer bekennt sich schuldig (weil zweifelsfrei überführt!!). Die Strafe: 10 Monate auf Bewährung!!! Unfassbar!!! Da wird mir schlecht, ich krieg Herzrasen, Tränen schießen mir in die Augen – kurz gesagt, ich bin fassungslos! Wenn man seine Steuern nicht korrekt macht, und sei es auch fahrlässig, und den Staat um eine höhere 5-stellige Summe bringt, droht einem weit mehr!!! Mein Fazit des Tages: Sie haben uns alle ins Gesicht gelogen – und sind somit eine wahre LÜGNERIN‼️".

Fabio De Masi, Mitglied des Deutschen Bundestags, schrieb am Donnerstag auf Twitter: "Metzelder engagierte sich für die CDU und die Lobbytruppe 'Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" (INSM). Es wäre ein Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern von sexueller Ausbeutung, wenn sie ihn nicht mehr bewirbt und zu seiner Jugendstiftung verlinkt!"

Die INSM bedankte sich daraufhin für den Hinweis und teilte mit, dass entsprechende Verlinkungen und Seiten nun "nicht mehr abrufbar" seien. 

Verwendete Quellen:

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