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EM-Coup: Schweizer werfen Frankreich aus Turnier

Von dpa
Aktualisiert am 29.06.2021Lesedauer: 3 Min.
Der Schweizer Torwart Yann Sommer jubelt nachdem er den entscheidenden Schuss im Elfmeterschie├čen gehalten hat.
Der Schweizer Torwart Yann Sommer jubelt nachdem er den entscheidenden Schuss im Elfmeterschie├čen gehalten hat. (Quelle: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa./dpa)
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Bukarest (dpa) - Der Weltmeister ist raus - und wie! Turnier-Favorit Frankreich scheiterte in einem packenden und turbulenten Achtelfinale trotz zwischenzeitlicher 3:1-F├╝hrung an der nie aufsteckenden Schweiz.

Die Eidgenossen gewannen mit 5:4 im Elfmeterschie├čen, nachdem sie sich durch eine gro├čartige Aufholjagd zum 3:3 (1:0) nach regul├Ąrer Spielzeit in die Verl├Ąngerung gerettet hatten.

Nach dem Tor von Haris Seferovic (15. Minute) f├╝r die Schweiz drehte Altstar Karim Benzema (57. und 59.) zun├Ąchst die Partie innerhalb k├╝rzester Zeit. Paul Pogba traf zudem weltmeisterlich (75.). Doch erneut Seferovic (81.) und Mario Gavranovi─ç (90.) erzwangen die Nachtschicht in Bukarest. Kylian Mbapp├ę scheiterte f├╝r mit dem letzten Elfmeter f├╝r Frankreich am M├Ânchengladbacher Torh├╝ter Yann Sommer.

Erstes EM-Achtelfinale der Schweiz

Die ├ëquipe Tricolore dagegen muss zusehen, wenn die Eidgenossen am Freitag ihr erstes Viertelfinale einer Fu├čball-Europameisterschaft oder -Weltmeisterschaft seit 1954 bestreitet. In St. Petersburg wartet Spanien. Aus der einstigen Hammergruppe F ist nach dem Aus von Titelverteidiger Portugal und Weltmeister Frankreich jetzt nur noch die deutsche Nationalmannschaft im Turnier verblieben.

"Ich bin mega stolz auf uns, auf die ganze Mannschaft. Die Franzosen waren stark, aber sie hatten einen Moment, in dem sie ein bisschen ├╝berheblich wurden. Wir hatten uns gesagt, dass wir bis zuletzt alles versuchen. Dass wir das jetzt geschafft haben, ist einfach unfassbar. Unfassbar", sagte Elfmeter-Held Sommer. Und Kapit├Ąn Granit Xhaka meinte: "Die letzten 30 Minuten waren wir das bessere Team. Wir wollten es vor dem Elfmeterschie├čen beenden. Aber wir haben es geschafft, wir haben Geschichte geschrieben f├╝r den Schweizer Fu├čball. Jetzt kennt jeder die Schweiz."

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Frankreichs Raphael Varane meinte: "Irgendwas hat nicht gereicht. H├Ątte, h├Ątte, sollte nicht sein... In der Kabine wird es jetzt ganz ruhig sein."

Die 22.642 Zuschauer in der Arena Na╚Ťional─â sorgten von Beginn an f├╝r EM-Stimmung - und das vermeintlich ohne gro├če Corona-Sorgen. In der rum├Ąnischen Hauptstadt waren am Sonntag offiziellen Angabe zufolge keine neuen F├Ąlle registriert worden. Am Montagmittag hatten sich zahlreiche Schweizer und Franzosen in der Bukarester Altstadt auf das Achtelfinale eingestimmt.

Schweizer F├╝hrung bis zur Pause

Nach dem Anpfiff des Argentiniers Fernando Andres Rapallini, der als erster Nicht-Europ├Ąer ein K.o.-Spiel bei einer EM leitete, belauerten sich beide Teams zun├Ąchst. Frankreichs Trainer Didier Deschamps setzte auf eine Dreierkette. Die Bayern-Profis Corentin Tolisso, Kingsley Coman und Lucas Hern├índez sa├čen zun├Ąchst auf der Bank, Jules Kound├ę fehlte verletzt. Gegen die Schweizer funktionierte das System anfangs zwar mit Schwung und oft ├╝ber Kylian Mbapp├ę, der gierig auf sein erstes Turnier-Treffer war, aber ohne Torgefahr.

Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovi─ç vertraute derselben Startelf, die im letzten Gruppenspiel die T├╝rkei mit 3:1 geschlagen hatte - die Nati war nach dem Sieg mit durchaus gro├čem Selbstbewusstsein nach Rum├Ąnien gereist. Das Team sei "bereit, Geschichte zu schreiben", hatte Kapit├Ąn Granit Xhaka gesagt.

Im Spiel setzten sich dann auch die Eidgenossen zuerst in Szene und gingen gegen die uninspirierten Franzosen in F├╝hrung. Der Ex-Frankfurter Haris Seferovic (15.) k├Âpfte nach Flanke des Eintracht-Profis Steven Zuber zu seinem 23. L├Ąnderspiel-Treffer ein, nachdem Clement Lenglet als zentraler Mann der Abwehr das entscheidende Kopfballduell verloren hatte. Seferovic rannte anschlie├čend fast auf die andere Seite des Feldes zum Schweizer Fanblock und l├Âste laute "Hopp Schwiiz"-Rufe aus.

Frankreich reagierte w├╝tend, aber unpr├Ązise. Zwei Distanzsch├╝sse innerhalb weniger Minuten von Mbapp├ę (26.) und Adrien Rabiot (29.) gingen am Schweizer Tor vorbei. Danach aber schaltete der Weltmeister wieder in den Freundschaftsspiel-Modus: kein Druck, keine Ideen, kein Einsatz. So hatten die Schweizer keine M├╝he, mit ihrem grundsoliden Spiel die F├╝hrung mit in die Pause zu nehmen.

Lebhafte zweite Halbzeit

Die Franzosen kamen mit ver├Ąnderter Formation und Coman zur├╝ck auf den Platz, blieben aber trotzdem zun├Ąchst ungew├Âhnlich harmlos. Und dann patzte auch noch Bayerns Benjamin Pavard und foulte Zuber im Strafraum. Referee Rapallini gab nach Videobeweis Strafsto├č. Doch der Ex-Wolfsburger Ricardo Rodriguez (55.) scheiterte an Frankreichs Keeper Hugo Lloris.

Danach ging alles ganz schnell: Erst erzielte Benzema (57.) auf Mbapp├ę-Vorlage das 1:1 und zwei Minuten sp├Ąter nach feinstem Kurzpassspiel im Strafraum per Kopf auch das 2:1. Zwischen verschossenem Schweizer Elfmeter und Benzemas vierten Turnier-Treffer lagen nur vier Minuten und drei Sekunden.

Die Schweizer aber steckten nicht auf - auch nicht nach Pogbas traumhaftem Tor zur f├╝r die Franzosen nur scheinbar beruhigenden 3:1-F├╝hrung. Seferovic und Gavranovi─ç retteten die Eidgenossen durchaus verdient in die Verl├Ąngerung, in der Benzema fr├╝h ausgewechselt wurde. In den 30 Extra-Minuten blieben bis auf eine M├Âglichkeit von Mbapp├ę (110.) Torchancen Mangelware.

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