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1860 und Sascha Mölders: Kult-Stürmer sorgt für Fußball-Beben in München

Die Fans lieben ihn  

Kult-Stürmer sorgt für Fußball-Beben in München

Von Patrick Mayer, München

08.12.2021, 21:28 Uhr
1860 und Sascha Mölders: Kult-Stürmer sorgt für Fußball-Beben in München. Sacha Mölders: Für den Kultspieler ist bei 1860 Schluss. (Quelle: imago images/Sven Simon)

Sacha Mölders: Für den Kultspieler ist bei 1860 Schluss. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Sascha Mölders erarbeitet sich quer durch Deutschland Kultstatus. Doch jetzt gibt es beim TSV 1860 Riesen-Zoff um den Publikumsliebling. Es ist die Geschichte eines Stürmers, der in München abseits des großen FC Bayern für ein Fußball-Beben sorgt.

Fußballer, die mit Herz und Seele ihren Verein leben. Fußballer, die ihrem Klub immer zur Seite stehen. Fußballer, die für das Wappen, das sie tragen, brennen. Viele Fans deutschlandweit fordern genau das. In einem Geschäft, das immer mehr die Bodenhaftung verliert.

Ein Rückblick: München, Olympiastadion, 17. April 2021. Sascha Mölders trat im Trikot des TSV 1860 vor das Mikrofon des "Bayerischen Rundfunks (BR)". Es war mutmaßlich einer dieser Momente, bei dem so mancher Anhänger Schnappatmung bekommt. Sechzig hatte gerade das Derby bei Emporkömmling Türkgücü (2:0) gewonnen. Mölders wurde nach seiner Einschätzung zum Spiel gefragt. Es folgte stattdessen eine Brandrede, die bei YouTube viral ging.

Entrüstung in München

"Ich muss jetzt erstmal eine Sache sagen, was mich seit Monaten stört: Der Sportskamerad (Max) Kothny hat gesagt, Türkgücü möchte Sechzig in München ablösen", polterte der Sturm-Oldie gegen den gegnerischen Geschäftsführer: "Wenn Sechzig München eines Tages mal in der Kreisliga C spielen sollte, mit dieser Wucht, die der Verein hat, dieser Fanbase, und alles, was drumherum ist – es ist unmöglich, dass Sechzig München in München von irgendjemandem abgelöst wird." Es waren Worte, die nur so nach Identifikation trieften.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Mölders in München-Giesing längst Heldenstatus erlangt. Hier sind die "Löwen" daheim. 500 Meter trennen ihr Vereinsgelände von der Säbener Straße, der Heimat des großen FC Bayern. Was sich nun seit dem Nikolaustag bei den Sechzgern ereignet, rückt in der Isarmetropole aber selbst den deutschen Rekordmeister in den Hintergrund. Denn: Sechzig hat Mölders suspendiert, hieß es in übereinstimmenden Berichten. Mölders selbst ließ dem Verein nicht die Chance, sich zuerst zu erklären: "Ich bin schockiert", schrieb der Kultstürmer bei Social Media. Und, dass ihm mitgteilt worden sei, er dürfe nicht mehr ins Training kommen, "weil es der Trainer so wünscht".

Was völlig undenkbar schien, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die Entrüstung war gigantisch. Selbst Schlager-Stars wie Ballermann-Sänger Ikke Hüftgold sprangen dem Angreifer bei, der als sehr volksnah gilt. Fans attackierten in schier unzähligen Postings die Vereinsbosse – teils unter der Gürtellinie. Es bebt in der Isarmetropole.

Kult-Stürmer blieb 1860 nach Absturz treu

Hier, wo die "Blauen" dem Vernehmen nach immer noch so viele Fans haben wie die "Roten". Mindestens. Noch ein Rückblick: München, 30. Mai 2017, Allianz Arena: Der TSV 1860 hatte gerade vor über 62.000 Zuschauern die Relegation zur 2. Bundesliga gegen Jahn Regensburg (0:2) verloren. Mölders kauerte weinend auf dem Rasen, während die "Löwen"-Ultras die Nordkurve des Vermieters FC Bayern zerlegten. Schon in der Halbzeit hatte der damalige Präsident Peter Cassalette das Stadion verlassen. Kurzzeit-Geschäftsführer Ian Ayre, den der umstrittene Investor Hasan Ismaik vom FC Liverpool geholt hatte, saß zeitgleich im Flieger zurück nach England. Star-Trainer Vitor Pereira kurz darauf im Flieger nach Portugal.

"Wir haben es verkackt", schrieb dagegen Mölders bei Facebook – und blieb. In der folgenden Saison schoss er den Klub nach dessen Totalabsturz in die Regionalliga (mangels Lizenz) wieder in den Profifußball. "Sascha auf den Zaun", tönte es fortan nach Heimsiegen im Grünwalder Stadion. In jener Kultstätte, in der einst Gerd Müller Rekorde für die Bayern aufstellte, thronte nun der "Fußballgott", wie ihn die 1860-Fans rufen. Er zahlte zurück. In der vergangenen Saison wurde Mölders mit 22 Treffern in der 3. Liga zum ältesten Torschützenkönig im deutschen Profi-Fußball überhaupt – mit 36 Jahren. Und mit dem einen oder anderen Kilo Übergewicht.

Bei Investor Hasan Ismaik schwer verschuldet

Als es darum ging, ob er seinen Vertrag verlängern wird, ließ er wissen: "Ich musste mich zwischen Geld und Liebe entscheiden. Und hier bin ich." Doch beim schwer verschuldeten TSV 1860 München geht es immer auch ums Geld. Mehrheitseigner Ismaik sollen die "Löwen" kolportiert 70 bis 80 Millionen Euro schulden.

Vor dieser Saison sollte mit einem Spieleretat von vier Millionen Euro deshalb der Aufstieg her, unbedingt, mal wieder. Doch die Sechzger holten bisher viel zu wenig Punkte. Auch, weil Mölders (fünf Saisontore) kaum noch lieferte. Nach schmerzhaften Heim-Niederlagen gegen Waldhof Mannheim (1:3) und den 1. FC Magdeburg (2:5) spitzte sich die Lage zu. Denn: Nach zwei Jahren des Burgfriedens machte Geldgeber Ismaik plötzlich wieder Druck. Hinzukam eine polarisierende Stadiondebatte, die den Verein bestimmt.

Die Stadt will das Grünwalder zwar für 60 Millionen Euro (!) um gerade mal 3.000 Plätze (!) auf 18.150 Zuschauer ausbauen und modernisieren. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) beschwerte sich aber öffentlich, dass ihm die Sechzger keine adäquate Miete mitteilen wollten. 1860-Präsident Robert Reisinger teilte stattdessen gegen Bayern-Fan Reiter aus: "Ich wusste gar nicht, dass für die Stadtpolitik nicht mehr das Parteibuch, sondern die Vereinszugehörigkeit entscheidend ist", sagte er dem "Münchner Merkur". Ein Politikum.

1860 München vor Riesen-Problem

Just in dieser Gemengelage hieß es zuletzt zuerst, Sportchef Günther Gorenzel müsse den Klub verlassen. Gehen soll (oder will) stattdessen angeblich nun Mölders. Der, den die Fans lieben. Und zwar selbstverschuldet, berichtet die "tz". So soll der demontierte Kapitän wiederholt Mannschaftskollegen angegangen und gegen das Trainerteam gestänkert haben.

Dass er neben seinem Hauptberuf als Fußballer für "DAZN" Spiele Co-kommentierte, für den "Kicker" eine Kolumne schrieb, die A-Jugend seines Wohnortes Mering (bei Augsburg) trainierte und unter dem Slogan "Die Wampe von Giesing" seinen eigenen Online-Fanshop aufzog, soll beim Arbeitgeber ebenfalls nicht gut angekommen sein. Der TSV 1860 dementierte mittlerweile zwar eine Suspendierung – und steht dennoch vor explosiven Wochen. Laut "tz" könnte es sogar ein juristisches Nachspiel geben. Wie geht es mit Kult-Kicker Mölders weiter? Es ist eine Frage, die viele Fans in Fußball-Deutschland gebannt verfolgen.

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