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Taktik-Genie Jürgen Klopp: So führte er den FC Liverpool zum Erfolg

Deutscher Trainer gewinnt Premier League  

Taktik-Genie Klopp: So führte er den FC Liverpool zum Erfolg

Von Constantin Eckner

27.06.2020, 12:43 Uhr
Taktik-Genie Jürgen Klopp: So führte er den FC Liverpool zum Erfolg. Jürgen Klopp mit fokussiertem Blick: Der Liverpool-Trainer hat mit seinem Team die Liga dominiert. (Quelle: imago images/Insidefoto)

Jürgen Klopp mit fokussiertem Blick: Der Liverpool-Trainer hat mit seinem Team die Liga dominiert. (Quelle: Insidefoto/imago images)

Nach 30 Jahren beschert Jürgen Klopp dem FC Liverpool wieder einen englischen Meistertitel. Damit setzt er sich erneut ein Denkmal bei einem Klub und etabliert sich endgültig als eines der größten Trainergenies der modernen Fußballgeschichte.

Jürgen Klopp ist für viele Dinge bekannt: sein breites Grinsen, seine geballte Faust beim Torjubel, seine schlagfertigen Interviews und natürlich seinen Heavy-Metall-Fußball. In der medialen Betrachtung mögen Äußerlichkeiten oftmals eine Hauptrolle einnehmen und dem 53-Jährigen die Etikette des Menschenfängers einbringen, aber Titel gewinnt Klopp vor allem mit seinem Verständnis für Taktik. 

Als Liverpool im Herbst 2015 den Deutschen verpflichtete, hofften die Verantwortlichen bei den "Reds", Klopp könnte die Spielphilosophie aus seinen Tagen bei Borussia Dortmund auf die Mannschaft übertragen und sie aus der sportlichen Krise führen. Er hingegen wollte nicht nur dem Mittelfeld entkommen, sondern Titel gewinnen. Und das ist ihm zweifelsohne gelungen. Nach dem Henkelpott der Champions League landet nun auch die englische Meistertrophäe in der Anfield Road.
 


Es gibt gewiss andere Trainer die ähnliche Erfolge vorzuweisen haben. Da wären solch schillernde Typen wie Zinédine Zidane und José Mourinho. Aber im Gegensatz zu Klopp prägen sie keinen Spielstil, sie fachen keine fußballerische Revolution an, sondern führten in der Vergangenheit Weltklasseteams zum Olymp des Fußballs.

Voller Einsatz mit Verstand

Für Klopp hätte dieser Ansatz weder in Dortmund noch in Liverpool funktioniert. Denn er fand beide Male keine hochklassige Mannschaft vor, bei der er schlichtweg noch die letzten Prozentpunkte herauskitzeln musste. Charisma und Redetalent alleine genügten nicht. Stattdessen waren seine Ausstrahlung und Überzeugungskraft nützliche Werkzeuge, um Spieler von seiner Fußballphilosophie zu überzeugen.

Jürgen Klopp mit Kapitän Jordan Henderson (r.): Das gute Verhältnis zu den Spielern ist ein Trumpf des Titel-Trainers. (Quelle: imago images/PA Images)Jürgen Klopp mit Kapitän Jordan Henderson (r.): Das gute Verhältnis zu den Spielern ist ein Trumpf des Titel-Trainers. (Quelle: PA Images/imago images)

Diese Philosophie ist getrieben von Intensität, Leidenschaft, aber ebenso klugem Verteidigen und Angreifen. Klopps Spieler gehen in jeder Phase der Partie, ob kurz nach Ballverlusten oder im Ballbesitz stets an ihre Grenzen. Darauf fußt zunächst der Erfolg. Er überzeugt seine Spieler 100 Prozent zu geben und dann lehrt er ihnen, wie sie diese 100 Prozent zielgerichtet einsetzen.

Die heutige Liverpooler Mannschaft ist dafür das perfekte Anschauungsbeispiel. Sie geht im richtigen Moment ins Pressing, zieht sich im richtigen Moment zurück, schwärmt im richtigen Moment aus. Die Spielweise ist den Spielern in Fleisch und Blut übergegangen. Klopp betont stets, dass die wichtige Arbeit auf dem Trainingsplatz verrichtet wird. Dort lässt er Abläufe einstudieren und schärft gleichzeitig die Reaktionsfähigkeit seiner Mannschaft.  

Flankenmaschine Liverpool

Ganz konkret stellt sich die Taktik Liverpools in dieser Saison wie folgt dar: Das Team spielt aus einer aktuell im Fußball beliebten 4-3-3-Grundformation und versucht bei eigenem Ballbesitz zunächst das Spiel in die Breite zu ziehen. In den vergangenen zwölf Monaten haben die ohnehin wichtigen Außenverteidiger Trent Alexander-Arnold und Andrew Robertson noch einmal an Bedeutung gewonnen. Sie sind gewissermaßen die Spielmacher und Antreiber Liverpools. Das ist recht einmalig im europäischen Spitzenfußball.

Beide setzen mit ihren Läufen und Verlagerungsbällen, aber auch ihren ständigen Flankenpässen in die Strafräume gegnerische Verteidigungsreihen unter enormen Druck. Gerade das Flankenspiel hat sich zu einer Spezialität Liverpools entwickelt und unterliegt einer mathematischen Herangehensweise. Je häufiger scharfe Hereingaben vor das Tor des Gegners gespielt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Stürmer seinen Fuß oder Kopf an den Ball bekommt.

In dieser Grafik ist schematisch dargestellt, wie die beiden Außenverteidiger mit Verlagerungsbällen und Flanken das Spiel Liverpools mitbestimmen.In dieser Grafik ist schematisch dargestellt, wie die beiden Außenverteidiger mit Verlagerungsbällen und Flanken das Spiel Liverpools mitbestimmen.

Während in der letzten Saison gerade die Sturmreihe um Sadio Mané und Mohamed Salah im Fokus stand, sind es nun vermehrt Alexander-Arnold und Robertson. Das hat unter anderem damit zu tun, dass Liverpool seltener aus dem Ballgewinn und im unmittelbaren Konterspiel zum Erfolg kommen kann. Die Gegner stellen sich zuweilen darauf ein, dass sie bei der kleinsten Gefahr eines Ballverlustes in der eigenen Spielhälfte sofort die Kugel wegschlagen.

Die richtigen Spieler und Assistenten

Folglich musste Klopp neue Mittel und Wege finden und konnte sich nicht nur auf das weiterhin starke Pressing und Nachrückverhalten Liverpools verlassen. Deshalb wurde das erwähnte Flügelspiel so wichtig für Ballbesitzphasen der "Reds". In Dortmund wurde Klopp oftmals noch vorgeworfen, er hätte keinen Plan B, keine Alternativlösung, wenn Pressing- und Umschaltfußball nicht funktionierten.

Das war schon damals ein fehlgeleiteter Vorwurf, aber Klopp konnte ihn nie vollends entkräften, weil der BVB aufgrund von Spielerabgängen das sportliche Niveau nicht hielt. In Liverpool hingegen kann Klopp bei Bedarf große Stars für hohe Ablösesummen hinzukaufen. Auch in dieser Hinsicht bewies er bereits ein gutes Händchen, weil er nicht blind Spieler zu sich lockt, sondern aufgrund seiner klaren taktischen Vorstellungen genau weiß, wen er benötigt. So ist es auch im Trainerstab, der für Klopps Erfolg immens wichtig ist. Der Analytiker Peter Krawietz und der Taktikfuchs Pep Ljinders greifen dem Macher Klopp unter die Arme.

Selbst ohne Meistertitel hat Klopp in Liverpool bereits gezeigt, dass er ein einmaliger Trainer mit einer besonderen Philosophie ist. Die letzten Monate jedoch führten allen das wahnsinnige Fußballverständnis des 53-Jährigen noch einmal eindrücklich vor Augen.

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