Sie sind hier: Home > Sport >

Wechselspekulationen - BVB-Chef Watzke: "Sancho-Verbleib ist in Stein gemeißelt"

Wechselspekulationen  

BVB-Chef Watzke: "Sancho-Verbleib ist in Stein gemeißelt"

14.08.2020, 12:58 Uhr | dpa

Wechselspekulationen - BVB-Chef Watzke: "Sancho-Verbleib ist in Stein gemeißelt". Geht fest vom Sancho-Verbleib in Dortmund aus: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke:.

Geht fest vom Sancho-Verbleib in Dortmund aus: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke:. Foto: David Inderlied/dpa. (Quelle: dpa)

Bad Ragaz (dpa) - Borussia Dortmund nimmt einen neuen Anlauf, die lange Alleinherrschaft des FC Bayern im deutschen Fußball zu beenden. Den Verbleib von Jadon Sancho deuten alle Beteiligten als positives Signal.

BVB-Chef Hans-Joachim Watzke kommentiert in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur die anhaltenden Spekulationen um Sancho und bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, dass zu Saisonbeginn trotz anderer Signale aus der Politik wieder Zuschauer in die Stadien zurückkehren.

Gleich der erste Tag im Trainingslager von Bad Ragaz begann mit einem Coup. Wie groß war ihre Genugtuung, als Sportdirektor Michael Zorc den Verbleib von Jadon Sancho bekanntgab? Laut Medienberichten stand der Engländer ja eigentlich kurz vor einem Wechsel zu Manchester United.

Hans-Joachim Watzke: Zu den Hintergründen werden wir nichts sagen. Was ich aber betonen kann: Wenn Michael Zorc, der wie ich Westfale ist, von einer definitiven Entscheidung spricht, dann ist sie definitiv. Da gibt es nullkommanull Interpretationsspielraum. Dennoch halten die Spekulationen aus England an, wonach der BVB nur den Preis nach oben treiben will und Sancho am Ende der Wechselfrist doch noch in Manchester landet. Ist das wirklich völlig abwegig?

Watzke: Das habe ich auch gelesen. Das behaupten Experten wie Paul Scholes oder Owen Hargreaves. Das waren großartige Fußballer, und es sind Fußball-Experten. Aber ich weiß nicht, ob sie auch Transfer-Experten sind. Der Sancho-Verbleib beim BVB ist in Stein gemeißelt.

Andere in der BVB-Vergangenheit wechselwillige Profis wie Dembélé und Aubameyang haben ihren Abgang am Ende erzwungen. Wie sicher sind Sie, dass Sancho nicht Ähnliches versucht?

Watzke: Diese Gefahr sehe ich überhaupt nicht. Jadon hat beim Testspiel in Altach - wie Sie wissen - selbst erklärt, wie "happy er in diesem besonderen Haufen ist". Wir haben einen guten Austausch mit seinen Beratern. Wir erkennen an, dass Jadon sehr gut reagiert. Und er erkennt an, dass wir eine gute Mannschaft haben, in der man viel Freude hat, Fußball zu spielen. Er zeigt diese Freude zurzeit jeden Tag. Im Training. Im Spiel.

Uli Hoeneß hatte unlängst die Strategie des BVB als "unklug" bezeichnet, Talente früh zu sichten, zu entwickeln und am Ende dann teuer zu verkaufen. Man könnte meinen, diese Kritik hat Sie inspiriert und darin bestärkt, Sancho nicht zu verkaufen.

Watzke: Was Uli Hoeneß aus der Ferne gesagt hat, hat mich nicht im Ansatz interessiert. Ich habe mich mit dem Wortlaut überhaupt nicht auseinandergesetzt. Deshalb kann ich seine Worte auch nicht bewerten.

Aber dem BVB fällt es schon schwerer, Stars zu halten als den Bayern.

Watzke: Dass ab und an ein Spieler wechselt, ist für uns normal. Das ist der Entwicklungsstufe eines Vereins geschuldet. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass auch die Bayern einst immer wieder gute Spieler abgeben mussten, weil sie noch nicht den entsprechenden Entwicklungsstand erreicht hatten. Karl-Heinz Rummenigge ist damals zu Inter Mailand gewechselt. Mittlerweile gehören die Münchner aber zu den fünf erfolgreichsten und reichsten Vereinen der Welt - Chapeau. Dazu gehören wir nicht. Aber wir haben uns seit unserer Fast-Pleite vor 15 Jahren großartig entwickelt. Wunder können wir jedoch nicht vollbringen. Zaubern können wir auch nicht.

Sie haben als Verein - anders als im vergangenen Jahr - in diesem Sommer kein offizielles Saisonziel ausgegeben. Das wird vielerorts als Kapitulation vor der Übermacht der Bayern interpretiert.

Watzke: Ich habe die Worte von St. Paulis Präsident Oke Göttlich auch gelesen. Er wiederum hat in dem Text über meine Worte aber offenbar leider nur die Titelzeile gelesen - ein Fehler, denn die stammte nicht aus meiner Feder. Um es klar zu sagen: Wir kapitulieren nicht! Wir bleiben maximal ambitioniert. Aber als Club haben wir entschieden: Wir machen diese Medienspielchen nicht mehr mit. Jahrelang hat man sich von uns gewünscht: Sagt doch mal, dass Ihr Meister werden wollt. Im vergangenen Jahr haben wir dann gesagt: Wir möchten es zumindest versuchen. Aber das hat schon nach ein paar Tagen kaum noch jemand korrekt zitiert. Erst waren wir der selbst ernannte Meisterschaftskandidat, dann am eigenen Ziel gescheitert, schließlich hatten wir versagt. Ich verstehe, dass das Spielchen für die Medien nett ist, aber für uns ist es das nicht. Alleine durch das Proklamieren von Zielen kommt man diesen übrigens keinen Millimeter näher.

Spieler wie Hummels oder Bürki haben die Ziele zuletzt offensiver formuliert als die Verantwortlichen. Gibt es da einen Dissens?

Watzke: "Überhaupt nicht. Jeder Spieler darf sagen, was er will. Wer von sich glaubt, er braucht für sich persönlich eine andere, eine übergeordnete Motivation, der hat jederzeit alle Möglichkeiten. Es ging einzig und allein darum, was der Club ganz offiziell verlautbart. Und das habe ich Ihnen mitgeteilt. Wir möchten die Menschen mit unserem Fußball begeistern.

Sancho ist gerade mal 20 Jahre alt, Spieler wie Haaland, Reyna, Bellingham und vor allem der gerade einmal 15 Jahre alte Moukoko sind noch jünger. Unlängst war sogar schon vom Jugendwahn zu lesen. Übertreibt es der BVB mit der hohen Zahl an unerfahrenen Talenten im Kader?

Watzke: Nein. Wir haben mit Thomas Meunier auch einen sehr erfahrenen Spieler geholt. Ich glaube, bei uns herrscht mit gestandenen Profis wie Mats Hummels, Lukasz Piszczek, Meunier, Emre Can, Roman Bürki und Raphael Guerreiro eine gute Balance. Die Mischung von erfahrenen und jungen Profis stimmt.

Sehen Sie noch Baustellen in der Kaderplanung? Sind alle Positionen ausreichend besetzt?

Watzke: Du kannst immer weiter optimieren. Aber Fakt ist: Es ist Stand jetzt kein Geld mehr für Ablösesummen da. Wenn man in jedem Spiel ohne Zuschauer vier Millionen Euro verliert, und das tun wir, dann muss man kein Prophet sein, um auszurechnen, in welche Richtung das geht. Es sind definitiv keine großen Sprünge mehr drin.

Und nun müssen die Clubs möglicherweise weiter auf Zuschauer verzichten und mit weiteren Verlusten rechnen. Sind Sie enttäuscht über entsprechende Signale aus der Politik?

Watzke: Ich sehe diese Signale gar nicht so negativ. Markus Söder hat in der vergangenen Woche etwas gesagt, was meiner Meinung nach nicht richtig interpretiert wurde. Er hat gesagt, dass er sich momentan Spiele vor 20.000 oder 25.000 Zuschauern nicht vorstellen kann. Da gehe ich zu 100 Prozent mit. Ich kann mir vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Situation auch keine solchen Zuschauerzahlen vorstellen.

Das klingt zumindest so, als ob sie noch auf einen Bundesliga-Start mit Zuschauern hoffen - wenn auch mit einer geringeren Zahl.

Watzke: Das ist Stochern im Nebel und hängt wesentlich von der Pandemie-Entwicklung ab. Die Politik wertschätzt es sehr wohl, wie die Liga es bisher trotz all der vielen Zweifler gemanagt hat. Wir hatten ein extrem detailliertes und durchdachtes Hygienekonzept, das im Sport überall auf der Welt noch heute als Vorbild dient. Nicht ein einziger Bundesliga-Profi hat sich in den vielen Spielen der vergangenen Saison infiziert. Der Fußball hat sich als absolut verlässlicher Partner der Politik erwiesen. Wir haben Wort gehalten und eine Vertrauensbasis geschaffen.

Anders als am Ende der vorigen Saison wird es aber die strenge häusliche Quarantäne der Spieler in der neuen Spielzeit nicht mehr geben. Steigt damit nicht die Gefahr, dass es auch in der Bundesliga einen Fall Dynamo Dresden mit infizierten Spielern geben und der ohnehin enge Terminplan in Gefahr geraten könnte?

Watzke: Die Spieler sind weiterhin in der Dauertestung. Wenn es einen Fall geben würde, könnte der entsprechende Spieler sofort isoliert werden. Dass diese Situation so gut es denn geht beherrschbar ist, haben wir gezeigt. Auch die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt funktioniert. Klar ist aber: Jeder Mensch, der sich ins Leben begibt, geht ein kleines Risiko ein.

Würde der BVB überhaupt Geld verdienen, wenn beispielsweise nur 5000 Zuschauer ins Stadion dürfen? Schließlich wäre der organisatorische Aufwand kostspielig.

Watzke: Diesen Aufwand würden wir gern in Kauf nehmen, um 5000 Zuschauern die Möglichkeit zu geben, Spiele wieder live sehen zu können. Immer Schritt für Schritt. 5000, oder auch 6000, 7000 Zuschauer wären in unserem Stadion - von den Abläufen her und unter Hygiene- und Abstandsgesichtspunkten - kein Problem. Mir wären 5000 lieber als keiner. Man hat in unserem Testspiel in Altach am Mittwoch schon bei nur 1250 Fans gemerkt, dass eine völlig andere Atmosphäre herrscht als bei Geisterspielen.

Gibt es in den Verträgen des BVB mit neuen Spielern eigentlich mittlerweile Pandemieklauseln - als Lehre aus der Corona-Krise?

Watzke: Das müsste man so exakt fassen, dass so ein Vertrag vermutlich über 200 Seiten hätte. Wir haben mit unseren Spielern erstklassige Erfahrungen gesammelt. Sie waren sofort und ohne jede Diskussion bereit, auf Teile ihres Gehalts zu verzichten. Vor allem auch dank Ihnen konnten wir als Arbeitgeber für die komplette Belegschaft konsequent auf Kurzarbeit und damit auf eine Vergesellschaftung unserer Kosten verzichten.

Sie haben für das abgeschlossene Geschäftsjahr einen Verlust von über 40 Millionen Euro für den BVB prognostiziert. Wie schätzen Sie die Gefahr auch für andere, kleinere Clubs ein, wenn diese Krise anhält und noch mehr Geld verloren geht?

Watzke: Entgegen der landläufigen Meinung sind die größten Clubs extrem stark betroffen. Sie haben die höchsten Einnahmeausfälle, aber gleichzeitig die höchsten Kosten. Und diese Kosten verschwinden nicht einfach so wie die Einnahmen. Gottlob sind die größten Clubs in Deutschland überwiegend finanziell gesund. Aber je länger die Geisterspiel-Situation anhält, desto schwieriger wird es auch für sie.

Angesichts der Finanznöte einiger Clubs in der Corona-Krise hat sich die Diskussion um Reformen im Fußball verschärft. Die einen fordern eine Regulierung von Gehältern, andere die gerechte Verteilung der TV-Gelder. Gibt es einen Königsweg?

Watzke: Der Königsweg wäre erreicht, wenn sich alle Beteiligten auf einen vernünftigen Kurs einigen würden. Ein Kurs, der besagt, dass die Liga solidarisch ist, aber Leistung auch belohnt wird. Von der Idee, dass man nur erfolgreich sein kann, wenn man die Stärksten schwächt, halte ich wenig. Es ist der falsche Ansatz, die großen Clubs dafür bestrafen zu wollen, dass sie Außergewöhnliches geleistet haben und den Karren ziehen - übrigens gerade auch international. Diesen Ansatz zu verfolgen, haben wir als BVB übrigens nie versucht.

Warum auch? Der BVB gehört ja zu den Marktführern.

Watzke: Der BVB stand 2005 wirtschaftlich kurz vor dem Aus, ist 2011 zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder deutscher Meister geworden, obwohl er vorher sieben Jahre keine Champions League gespielt hatte und nicht über die entsprechenden Gelder verfügte. Dennoch haben wir es geschafft, uns nach oben zu kämpfen. Der BVB ist der lebende Beweis dafür, dass so etwas möglich ist. Man kann Geld nicht nur über Umverteilung, sondern auch über sportliche Leistung generieren.

ZUR PERSON: Hans-Joachim Watzke ist Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Der 61-Jährige hat dieses Amt beim Fußball-Bundesligisten seit 2005 inne.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Ulla Popkentchibo.deOTTOmyToysbonprix.deLIDLBabistadouglas.deXXXLutz

shopping-portal