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Alpine überzeugen, Biathleten enttäuschen

Von dpa
22.02.2021Lesedauer: 3 Min.
Kristian Mehringer, Biathlontrainer der deutschen Damen, am Schießstand.
Kristian Mehringer, Biathlontrainer der deutschen Damen, am Schießstand. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa./dpa)
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Cortina d'Ampezzo/Pokljuka/Peking (dpa) - In den vergangenen Jahren schien eines gewiss im deutschen Wintersport: Die Biathleten sind bei Großereignissen die zuverlässigen Medaillenlieferanten - die alpinen Skirennfahrer tun sich dagegen arg schwer mit Podiumsplätzen.

Ein Jahr vor Olympia von Peking scheinen sich die Vorzeichen gedreht zu haben. Mit vier Medaillen und teils famosen Vorstellungen sorgten die Ski-Asse bei der WM in Cortina d'Ampezzo in den vergangenen zwei Wochen für Furore. Die Skijäger in Pokljuka lieferten mit nur zweimal Silber zugleich die schlechteste Weltmeisterschaft seit 2013 ab.

Was bedeutet das im Hinblick auf die Winterspiele im Februar 2022?

Die Biathleten bemühten sich nach der Enttäuschung in Slowenien zwar um milde Fazits. "Es hat bei der WM ein Stück das glückliche Händchen gefehlt", sagte etwa Bernd Eisenbichler, der Sportliche Leiter Biathlon im Deutschen Skiverband (DSV). Frauen-Bundestrainer Kristian Mehringer setzt auf die Strahlkraft Olympia. "Das ist unser großes Ziel und wir können uns sauber ein Jahr vorbereiten. Dann sind vielleicht wir die Lachenden", sagte er. Ein konkreter Plan, was denn wie verbessert werden soll, war in dem Ausblick freilich nicht dabei.

Die deutschen Biathleten haben ein Konstanz- und Generationsproblem. An ersterem lässt sich kurzfristig arbeiten. Die schwankenden Schieß- und Laufleistungen, die auch in Pokljuka bei den Athleten - mit Ausnahme der mehrmals knapp am Einzelpodium vorbeigelaufenen Franziska Preuß - sichtbar wurden, müssen verbessert werden. "Da haben wir einiges an Arbeit vor uns", kündigte Eisenbichler an.

Komplizierter ist das Nachwuchsthema. Die Leistungsträger Arnd Peiffer (33), Erik Lesser (32), Denise Herrmann (32) und Benedikt Doll (30) haben nicht mehr viele Jahre in der Weltspitze. Potenzielle Nachfolger gibt es nicht. Anders als bei den starken Norwegern, Franzosen und Schweden ist gerade im Altersbereich unter 25 Jahre niemand in Sicht, der den Erfahrenen Druck machen kann oder zu mehr in der Lage scheint. Und innerhalb eines Jahres dürfte das DSV-Team keine neuen Magdalena Neuners oder Laura Dahlmeiers herzaubern.

Auch die Skirennfahrer können aus keinem großen Talentepool wie etwa die Österreicher und Schweizer wählen. Und Alpin-Direktor Wolfgang Maier mahnte zuletzt immer wieder, dass der Corona-Lockdown mit den für Tausende Schüler und Nachwuchssportler gesperrten Pisten langfristig eine riesige Gefahr birgt - auch für den Spitzensport.

Kurz- und mittelfristig aber werde ihm nicht bange, versicherte er. Deutschland sei keine Skination mit dem Anspruch, in jedem Rennen um die Podiumsplätze mitzufahren. "Aber wir können Ausreißer nach oben bringen" - so wie in Cortina. "Wir schaffen es immer wieder und werden es in Zukunft schaffen, dass wir Spitzenathleten haben", versicherte der Funktionär, der in seiner langen Schaffenszeit Stars wie Katja Seizinger, Maria Höfl-Riesch und Felix Neureuther betreute.

Maiers Erfolgsathleten sind jung wie Abfahrts-Vizeweltmeisterin Kira Weidle (24) und Riesenslalom-Hoffnungsträger Alexander Schmid (26) - oder aber noch im besten Abfahrtsalter wie Silbermedaillengewinner Andreas Sander (31). Und Kitzbühel-Champion Thomas Dreßen (27) will nach seiner Verletzungssaison samt Mini-WM-Comeback im nächsten Winter ähnlich angreifen wie Super-G-Vizeweltmeister Romed Baumann (35) in seiner womöglich letzten Olympia-Saison.

Die Zuversicht ist riesengroß im Alpin-Team nach diesem Höhepunkt in den Dolomiten. Selbst der gescheiterte Slalom-Hoffnungsträger Linus Straßer fand: "Ich habe schon viel härtere Sachen durchgemacht und habe mich wieder zurückgekämpft. Von daher ist das eine Kleinigkeit." Dieser Optimismus soll auch bei Olympia zum Erfolg führen - und die Skirennfahrer im Medaillenspiegel an den Biathleten vorbei hieven.

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