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Gute DOSB-Bilanz verdeckt Schwachstellen nicht

Von dpa
Aktualisiert am 20.02.2022Lesedauer: 4 Min.
Denise Herrmann, Franziska Preuß, Roman Rees und Vanessa Hinz (l-r) kommen nach den Winterspielen am Frankfurter Flughafen an.
Denise Herrmann, Franziska Preuß, Roman Rees und Vanessa Hinz (l-r) kommen nach den Winterspielen am Frankfurter Flughafen an. (Quelle: Helmut Fricke/dpa./dpa)
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Peking (dpa) - Mit Schampus stieß Innenministerin Nancy Faeser beim Olympia-Empfang in Frankfurt auf das "großartige Ergebnis" bei den Winterspielen in Peking an.

"Herzlichen GlĂŒckwunsch zu dieser Wahnsinnsleistung. Die Bundesregierung ist sehr stolz auf Team D", rief die SPD-Politikerin einem Teil der Mannschaft um Biathlon-Olympiasiegerin Denise Herrmann in einer Lounge auf dem Frankfurter Flughafen zu.

Der Blick auf den Medaillenspiegel der Peking-Spiele mit 27 Edelplaketten (12 Gold/10 Silber/5 Bronze) und Platz zwei hinter Norwegen (37) und vor Gastgeber China (15) stimmte auch den Deutschen Olympischen Sportbund zufrieden, verdeckte aber einen Makel nicht: Nur zwei FachverbĂ€nde lieferten die Medaillen. "Wir haben sehr gut abgeschnitten und sind in der Weltspitze dabei. In einigen Sportarten haben wir aber den Anschluss an die Weltspitze verloren", resĂŒmierte DOSB-PrĂ€sident Thomas Weikert.

Medaillenregen im Eiskanal

Die Wahl von Bob-Anschieber Thorsten Margis zum FahnentrĂ€ger der olympischen Schlussfeier hatte daher auch Symbolkraft fĂŒr den deutschen Spitzensport: Es bedarf eines krĂ€ftigen Schubs, um ihn fĂŒr zukĂŒnftige Sommer- wie Winterspiele umfassender fit zu machen. "Sicherlich sind wir weniger breit aufgestellt als vor vier Jahren, als sich fĂŒnf VerbĂ€nde an der Medaillenbilanz beteiligen konnten", bilanzierte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig. 31 Medaillen brachten die deutschen Olympioniken 2018 aus Pyeongchang mit, 2014 in Sotschi waren es nur 19.

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GrĂ¶ĂŸten Anteil am deutschen Erfolg hatten in diesem Jahr die Rodler, Skeletonpiloten und Bobfahrer, die im Eiskanal von Yanqing 16 Mal auf dem Siegerpodest standen - neunmal auf Platz eins. Zum Abschluss feierte Francesco Friedrich im Viererbob sein zweites Olympia-Gold nach dem Sieg im Zweier. Silber gewann Johannes Lochner. "Diese Dominanz haben wir von den Athleten des Deutschen Bob- und Schlittenverbandes nicht erwartet", sagte Schimmelpfennig.

Die anderen elf Medaillen sind den Athleten des Deutschen Skiverbandes zu verdanken. Stunden vor dem Spiele-Ende konnten die alpinen SkilĂ€ufer am Sonntag mit Team-Silber noch einen Abschied ohne Edelmetall wie 2018 verhindern. DSV-Sportdirektor Wolfgang Maier war darĂŒber "extrem happy".

Weniger glĂŒcklich und eher besorgt ist der DOSB ĂŒber das LeistungsgefĂ€lle zwischen den VerbĂ€nden und ihren Sportarten. Zumal die Spitzensportreform in Peking erstmals mehr Ertrag bringen sollte. Stattdessen zeigte sich, dass eine zu große Zahl von Sportarten nicht mehr zur Weltspitze zĂ€hlt: Dazu gehören Eisschnell- und Eiskunstlauf, Curling und Shorttrack. EnttĂ€uschend war zudem das frĂŒhe Aus der Eishockey-Herren (10. Rang). Das Frauenteam qualifizierte sich erst gar nicht.

"Der Wurm ist nicht drin, aber wir sollten kritisch in das Konzept schauen und es fortschreiben", sagte Schimmelpfennig zu der 2015 gestarteten umstrittenen Reform. Der DOSB-Sportchef fordert zudem eine Grundsatzdebatte darĂŒber, welchen Leistungssport man generell in Zukunft in Deutschland haben wolle: "Ob wir die Vielfalt weiter fördern oder gezielter einzelne Sportarten fördern wollen." Eine Konzentration auf starke Sportarten birgt aber auch eine Gefahr, wenn Medaillenlieferanten komplett ausfallen wie die Bobfahrer 2014.

Tokio als mahnendes Beispiel

Ohne die Kufen-Asse im Eiskanal und die Athleten in der Loipe, am Schießstand und auf der Schanze wĂ€ren die Sorgen nach Peking grĂ¶ĂŸer. Wie schnell es bergab gehen kann, erlebte Deutschland bei den Sommerspielen 2021 in Tokio, als mit 37 Medaillen und Rang neun die schlechteste Erfolgsbilanz seit der Wiedervereinigung zu Buche stand.

Deshalb gilt es, Sportarten wie den Eisschnelllauf auf Erfolgskurs zu bringen. Immerhin werden auf dem Eisoval 69 olympische Medaillen vergeben. "Daher ist es wichtig, sich das strategische und inhaltliche Programm des Verbandes anzuschauen", sagte Schimmelpfennig. FĂŒr ihn ist das kein Projekt bis zu den nĂ€chsten Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo, sondern eher eines, das 2030 fruchten könnte. "Wir werden das in Ruhe analysieren und schauen, was verĂ€ndert werden muss", kĂŒndigte Weikert an.

Was beharrliche Entwicklungsarbeit bewirken kann, bewiesen die Freestyler. Im Skicross gewann Daniela Maier unverhofft die erste (bronzene) Olympia-Medaille in diesem hippen Sportartensegment. Auch die Aufbauarbeit im Skeleton zahlt sich immer mehr aus: Hannah Neise und Christopher Grotheer gewannen jeweils Gold. Zu den Überraschungen zĂ€hlten auch die Olympiasiege von Biathletin Herrmann, des Nordischen Kombinierers Vinzenz Geiger und im Teamsprint der LanglĂ€uferinnen durch Katharina Hennig und Victoria Carl. "Das war mein emotionalster Moment bei Olympia", berichtete Weikert.

DOSB-PrÀsident Weikert: "Funktionale Spiele"

Zur Bilanz der perfekt organisierten Spiele in China, das wegen Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Uiguren und Tibetern in der Kritik steht, gehört ebenso eine sportpolitische Einordnung. "Das waren funktionale Spiele, das Flair und die Zuschauer haben gefehlt", betonte der DOSB-PrÀsident auch bezogen auf die Corona-BeschrÀnkungen im abgeriegelten Olympia-Sperrgebiet. "Das möchten wir nicht mehr haben."

Deshalb freut es ihn, dass nicht nur die Winterspiele 2026 in die italienischen Alpen und damit nach Europa zurĂŒckkehren. "Die Zukunft der Olympischen Spiele sieht hoffnungsfroh aus, weil die nĂ€chsten Spiele in demokratische LĂ€nder vergeben sind", sagte Weikert. NĂ€mlich fĂŒr den Sommer nach Paris 2024, Los Angeles 2028 und Brisbane 2032. Diese Reihe der Olympia-StĂ€dte wĂŒrde der DOSB gerne mit einer Bewerbung ergĂ€nzen. "Es ist sicher realistisch, sich zu bewerben, aber wir mĂŒssen unsere Hausaufgaben machen", sagte Weikert.

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