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Kiefer: Haben Zverev und Thiem was anderes als Tennisbälle im Kopf?

  • David Digili
Von David Digili

Aktualisiert am 25.06.2020Lesedauer: 2 Min.
Corona-Regeln? Auf der Adria-Tour von Novak Djokovic (hinten, 4. v. li.) wurde nicht auf Abstand oder Masken geachtet, auch nicht von Zverev oder Thiem (v. li.).
Corona-Regeln? Auf der Adria-Tour von Novak Djokovic (hinten, 4. v. li.) wurde nicht auf Abstand oder Masken geachtet, auch nicht von Zverev oder Thiem (v. li.). (Quelle: Nordphoto/imago-images-bilder)
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Nach dem positiven Corona-Befund bei Novak Djokovic sorgt die "Adria Tour" weiter für Diskussionen. Nicolas Kiefer geht besonders mit Alexander Zverev hart ins Gericht – und sieht Folgen für das Tennis.

Der frühere deutsche Weltklasse-Tennisspieler Nicolas Kiefer sieht durch die aktuellen Corona-Fälle bei der umstrittenen "Adria Tour" auch die Durchführung der kommenden Grand Slams wieder infrage gestellt. Die Infektionen seien "ein klares Signal und eine Warnung an die ATP-Tour", meint der 42-Jährige. An den Veranstaltungen vor Publikum, die vom Weltranglistenersten Novak Djokovic mit organisiert wurden, nahmen unter anderem auch Alexander Zverev, Dominic Thiem, Borna Coric und Grigor Dimitrov teil – sowohl Djokovic als auch Dimitrov, Coric und Troicki haben sich mittlerweile mit dem Coronavirus infiziert.

Dies werde "noch weitreichende Folgen haben", meint Kiefer. "Die French Open sollten ja eigentlich vor Zuschauern gespielt werden. Wird das Risiko gerade nach diesen Ereignissen nicht zu hoch sein?" Der frühere Weltranglistenvierte sieht aufgrund der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Erregers noch ein weiteres Problem, "das den US Open droht: Es muss jeder Spieler anreisen dürfen – es kann nicht gesagt werden: Du darfst rein, Du aber nicht! Alle Reisebeschränkungen müssen bis dahin aufgehoben werden – ansonsten wäre es Wettbewerbsverzerrung. Es bleibt mir ein Rätsel, wie die USTA (der US-Tennisverband, Anm. d. Red.) das bewältigen möchte." Kiefer sieht besonders eine Motivation hinter den Plänen: "Sicherlich spielt hier das Geld aus den TV-Verträgen wieder eine große Rolle."

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Auch nach dem Karriereende dem Tennis verbunden: Aktuell berät Nicolas Kiefer den traditionsreichen SCC Berlin. Für den Reiseveranstalter Robinson ist er als Experte tätig und hat unter "NK #kiwifash" sein eigenes Modelabel.
Auch nach dem Karriereende dem Tennis verbunden: Aktuell berät Nicolas Kiefer den traditionsreichen SCC Berlin. Für den Reiseveranstalter Robinson ist er als Experte tätig und hat unter "NK #kiwifash" sein eigenes Modelabel. (Quelle: Foto: Nicolas Kiefer)

Dazu bekräftigt der Olympia-Silbergewinner im Doppel von 2004 seine Kritik an den Teilnehmern der Show-Matches: "Die 'Adria Tour', auch noch organisiert von der Nummer 1 der Tenniswelt, Novak Djokovic, wäre sicher eine gute Idee gewesen – wenn sie ohne Zuschauer stattgefunden hätte, denn Matchpraxis kann nie schaden." Allerdings: "Es war doch zu erwarten, dass diese momentane Phase so ernst zu nehmen ist und die Bevölkerung jegliches Risiko vermeiden sollte."

Umstrittene Aktion: Borna Coric, Grigor Dimitrov, Organisator Novak Djokovic, Alexander Zverev und Coach Goran Ivanisevic am Rande der "Adria Tour".
Umstrittene Aktion: Borna Coric, Grigor Dimitrov, Organisator Novak Djokovic, Alexander Zverev und Coach Goran Ivanisevic am Rande der "Adria Tour". (Quelle: Pixsell/imago-images-bilder)

Auch die anderen Teilnehmer kritisiert Kiefer scharf: "Man muss sich schon an den Kopf fassen und sich fragen, was sich ein Zverev, ein Thiem und noch viele andere Spieler bei solch einem Auftritt gedacht haben. Victor Troicki ist ja sogar mit seiner schwangeren Frau angereist. Mit gesundem Menschenverstand hätte man das doch nicht gemacht."

Auch das Umfeld sei gefragt gewesen: "Zverev und Thiem sind doch eigentlich gut beraten. Warum sagt niemand im Vorfeld: 'Schöne Einladung, aber Ihr fliegt da nicht hin!'? Wenn die beiden Top-Ten-Spieler dann aber so naiv sind und doch teilnehmen, muss man wirklich einmal hinterfragen, ob die noch was anderes als Tennisbälle im Kopf haben." Er erwarte größeres Verantwortungsbewusstsein: "Jeder Spieler muss reif und erfahren genug sein, die mehr als kritische Situation einzuschätzen."

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Von Jannik Schneider, London
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