Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ĂŒbernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Was haben wir denn bitte erwartet?

  • Robert Hiersemann
Ein Kommentar von Robert Hiersemann

Aktualisiert am 11.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Novak Djokovic: Steht aktuell mehr im Fokus als jeder andere Sportler auf der Welt.
Novak Djokovic: Er steht aktuell mehr im Fokus als jeder andere Sportler auf der Welt. (Quelle: PanoramiC/imago-images-bilder)
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Die ganze Welt diskutiert ĂŒber den "Fall Djokovic". Und hinter allem steht die Frage:

Die Einreise-AffĂ€re um Novak Djokovic entwickelt sich zu einem echten Krimi. Ein Gericht entschied am Montag zugunsten des Tennisstars und ordnete seine Freilassung aus der australischen Unterbringungseinrichtung fĂŒr Ausreisepflichtige an. Die AnwĂ€lte des Serben hatten sich gegen die Annullierung seines Visums durch die Grenzschutzbehörden gewehrt. Vorausgegangen war ein tagelanges juristisches Tauziehen, das Menschen in der ganzen Welt bewegte (alle weiteren Informationen lesen Sie hier).


Die Geldrangliste im Herren-Tennis

Platz 10 – Kei Nishikori: Nishikoris höchstes Ranking war bisher Platz vier. Damit ist er der bestplatzierte Japaner aller Zeiten. Er erspielte bisher ein Preisgeld von 25.065.492 US-Dollar.
Platz 9 – Juan MartĂ­n del Potro: Der Argentinier begann seine Profikarriere 2006 und gewann bisher Preisgelder in Höhe von 25.889.600 US-Dollar.
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Juristisch mag Djokovic gewonnen haben, aus moralischer Sicht aber ist er der große Verlierer. Erst beanspruchte der wohl ungeimpfte Tennisstar eine Extrawurst fĂŒr sich, um an den Australian Open teilzunehmen. Dann fĂŒhlte er sich ungerecht behandelt, als er nicht einreisen durfte, und nun ließ er ĂŒber seine Familie per Pressekonferenz (hier lesen Sie: Djokovic-Mutter bricht in TrĂ€nen aus) in feinster Kriegsrhetorik (alles dazu erfahren Sie hier) auch noch ausrichten, dass er "fĂŒr alle freien Menschen gewonnen" habe, "er nicht in die Knie gegangen ist", "er befreit worden" sei.

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Die entscheidende Frage lautet:

Wie viel Vorbild muss ein Profisportler eigentlich sein?

Der Argentinier Diego Armando Maradona ist fĂŒr viele der beste Fußballer aller Zeiten. Ein ĂŒberragender Dribbler, ein genialer Ballverteiler, schlichtweg: Ein KĂŒnstler. Selbst die "Hand Gottes" und die privaten Skandalgeschichten um Prostitution und Drogenkonsum konnten seinen Legendenstatus nicht zerstören. "Diego" wird von seinen AnhĂ€ngern noch immer abgöttisch verehrt.

Straßenbild aus Rom: Überall auf der Welt sind Maradona-Zeichnungen in den StĂ€dten zu finden.
Straßenbild aus Rom: Überall auf der Welt sind Maradona-Zeichnungen zu finden. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)

Michael Jordan war der genialste Basketballspieler des Planeten, gewann sechs NBA-Meisterschaften mit den Chicago Bulls, wurde fĂŒnfmal als wertvollster Spieler der Saison ausgezeichnet. Aber politisch hielt er sich weitgehend raus. Auch seine weithin bekannte Spielsucht und damit verbundene nĂ€chtliche Casino-Trips zu aktiven Zeiten oder Geschichten eines vom Erfolgshunger Getriebenen, der seine Mitspieler drangsalierte, Ă€nderten nichts daran, dass "Air Jordan" bis heute ein generationsĂŒbergreifendes Vorbild ist.

Gewohnt Poste: Michael Jordan beim Dunk im Trikot der Chicago Bulls.
Gewohnt Pose: Michael Jordan beim Dunk im Trikot der Chicago Bulls. (Quelle: PCN Photography/imago-images-bilder)

Gleiches gilt fĂŒr Tiger Woods. Er hatte schnell einen Ruf als Wunderkind weg, brach in seiner Karriere zahlreiche Rekorde, wurde zum Weltstar mit millionenschweren WerbevertrĂ€gen. Woods gilt als der erste Profisportler, der ĂŒber eine Milliarde US-Dollar verdient hat. Abseits vom GrĂŒn aber lief es in den letzten Jahren desaströs: AffĂ€ren, schwere AutounfĂ€lle, kolportierte Probleme mit Alkohol- und Medikamentenmissbrauch. Bilder des schwer gezeichneten Golfstars schockierten die Öffentlichkeit. Dann kamen auch noch Verletzungen hinzu. Woods ist aber noch immer Publikumsmagnet, besonders seine US-Fans beobachten gespannt, ob er doch noch mal lĂ€ngerfristig zu alter Form finden kann.

Er kennt es: Tiger Woods in Jubel-Pose.
Er kennt es: Tiger Woods in Jubel-Pose. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)

Und dann ist da noch Lance Armstrong, der wohl grĂ¶ĂŸte Radstar aller Zeiten, der sich jahrelang bei der Tour de France einen erbitterten Zweikampf mit Jan Ullrich lieferte. Doch dann stĂŒrzte er ab. Seine sieben (!) Tour-Gesamtsiege zwischen 1998 und 2005? Alle aberkannt, gelöscht aus den GeschichtsbĂŒchern – als sich schon seit Jahren kursierende Doping-GerĂŒchte als wahr herausstellten. In einem heute legendĂ€ren Auftritt bei US-Talk-Queen Oprah Winfrey gestand Armstrong 2013 dann selbst jahrelanges Doping ein. Seitdem gilt er heute auch als einer der grĂ¶ĂŸten BetrĂŒger der Sportgeschichte.

Es waren legendÀre Duelle: Lance Armstrong bei der Tour de France, hinter ihm Jan Ulrich.
Es waren legendÀre Duelle: Lance Armstrong bei der Tour de France, hinter ihm Jan Ulrich. (Quelle: Belga/imago-images-bilder)

Das sind Athleten, die man entweder hasst oder liebt. Und die streitbarsten von ihnen sind am Ende meist die besten. Vorbilder sind sie trotzdem alle. Nur Vorbilder wofĂŒr? FĂŒr Fleiß, Ehrgeiz, herausragende sportliche Leistung – nicht aber aus moralischer Sicht.

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Nur eine Ikone ist in wirklich jeder Hinsicht ein Held: Muhammad Ali. Der Schwergewichtsboxer gehörte zu den herausragendsten Athleten des 20. Jahrhunderts, der "Rumble in the Jungle" war ein Weltereignis.

Im Jahr 1974: Muhammad Ali (r.) boxt im afrikanischen Kinshasa gegen George Foreman.
Im Jahr 1974: Muhammad Ali (r.) boxt im afrikanischen Kinshasa gegen George Foreman. (Quelle: UPI Photo/imago-images-bilder)

Doch zur Legende wurde der US-Amerikaner nicht nur durch seine Schlagkraft, sondern auch durch sein politisches Engagement. Er lehnte öffentlich den Vietnamkrieg ab, verweigerte den Wehrdienst und unterstĂŒtzte die Emanzipationsbewegung der Afroamerikaner. Auch deshalb wurde Ali zum "Sportler des Jahrhunderts" gewĂ€hlt.

Muhammad Ali, einfach bewundernswert

Bei einem Superstar und Ausnahmemenschen wie ihm scheint das Verantwortungsbewusstsein in allen Bereichen aus einem inneren GefĂŒhl heraus zu kommen. Das ist bewundernswert.

Doch man muss eben auch akzeptieren, wenn ein Tennisspieler wie Djokovic nicht als moralisches Vorbild dienen möchte. Was haben wir denn bitte erwartet? Ganz sicher: Sein aktuelles Verhalten wird ihm schaden. Sponsoren werden abspringen, Journalisten werden sich kĂŒnftig dreimal ĂŒberlegen, ob sie ihn noch zu politischen Entwicklungen befragen sollten. Aber ungeachtet dessen bleibt er ein toller Athlet. Und von seinem Fleiß und Ehrgeiz auf dem Tenniscourt sollten sich auch zukĂŒnftig Menschen inspirieren lassen.

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Djokovic ist kein Papst, und auch kein Kanzler. Er ist ein herausragender Sportler. Nicht mehr, und auch nicht weniger.

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