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Was Gin mit einem Mord zu tun hat

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig

Aktualisiert am 15.03.2020Lesedauer: 6 Min.
"Der Gin des Lebens": Der Krimi von Carsten Sebastian Henn beinhaltet zwei spannende Dinge ÔÇô Gin und einen Mord.
"Der Gin des Lebens": Der Krimi von Carsten Sebastian Henn beinhaltet zwei spannende Dinge ÔÇô Gin und einen Mord. (Quelle: CHROMORANGE/imago-images-bilder)
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Carsten Sebastian Henn schreibt seit Jahren Romane und Krimis, die einen kulinarischen Bezug haben. Mit t-online.de spricht der Autor ├╝ber Genuss, wie man einen Gin herstellt und seinen neuen Kriminalroman.

Wenn ein Mensch schon als Kind gern kocht, frische Tomaten riecht und mit Gew├╝rzen experimentiert, kann nur ein kulinarisch interessierter Erwachsener daraus werden. So war es zumindest bei Carsten Sebastian Henn. Der 46-J├Ąhrige hat ein Buch geschrieben, das sich neben einem Mord mit einem alkoholischen Getr├Ąnk besch├Ąftigt, das die Geschmacksknospen ordentlich kitzelt.

Der Kriminalroman "Der Gin des Lebens" handelt von Bene Lerchenfeld, dessen Leben ziemlich verkorkst ist. Das ├Ąndert sich erst mal auch nicht, als er eine sehr alte Flasche Gin findet. Allerdings ist es der unglaubliche Geschmack des Gins, der Bene aus seiner Lethargie rei├čt. Er macht sich auf die Spuren des Gins nach Plymouth. Dort lebt Cathy, die zu Beginn der Geschichte einen toten Obdachlosen in ihrem Garten findet. Mit diesen beiden Handlungsstr├Ąngen, die sich im Laufe der Geschichte begegnen, schafft Henn eine spannende Wahrheits- und Zutatensuche. Die Spannung verdichtet sich, als klar wird, dass der Obdachlose nicht der einzige Tote ist.

t-online.de: Herr Henn, was war zuerst da: der Mord oder der Gin?

Carsten Sebastian Henn: Zuerst war die Idee da, etwas mit Gin zu schreiben ÔÇô weil es so ein gro├čartiges Getr├Ąnk ist. Ich schreibe oft ├╝ber kulinarische Themen und wenn mich eines besonders fesselt, dann muss ich ein Buch dar├╝ber schreiben. Zuvor habe ich unter anderem einen Whiskey- und einen Champagner-Krimi verfasst.

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Wie kam der Wechsel zum Gin?

Es ist der Drink der deutschen Krimischriftsteller. Es gibt in jedem Jahr ein Festival des Syndikats, der Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren. Vor etwa vier Jahren fing es an, dass man dort Gin und Tonic trank. Pl├Âtzlich tranken das alle ÔÇô auch ich und zwar mit gro├čer Begeisterung. Vor Kurzem las ich eine Statistik, dass Psychopathen bevorzugt Gin Tonic trinken. Ich wei├č aber nicht, was das ├╝ber die Krimiautorenschaft aussagt.

Und wie geht es dann weiter?

Ist das Thema erst mal in meinem Kopf, will ich auch alles dar├╝ber wissen. Wie schmeckt welcher Gin? Wie kann man sie kombinieren? Welche Tonics passen am besten? Ganz automatisch kommt mir im Zuge der Recherche dann eine Idee. Jeder meiner Romane entsteht aus der Leidenschaft f├╝r einen kulinarischen Genuss.

Carsten Sebastian Henn.
Carsten Sebastian Henn. (Quelle: Uwe Zucch/dpa-bilder)

Was macht Gin f├╝r Sie besonders?

Gin hat, im Gegensatz zu anderen Spirituosen, schon fast etwas Alchemistisches. Man muss eine Rezeptur benutzen und hat wahnsinnig viele M├Âglichkeiten. Die richtigen Zutaten zusammenzuf├╝hren, um dieses f├╝r mich fl├╝ssige Gold herzustellen, das hat mich gereizt. Darin sah ich den Kern einer Geschichte und die wollte ich gern erz├Ąhlen.

Es geht auch darum, welche die wichtigsten Bestandteile des Gins sind. Da habe ich Parallelen zu meiner Romanfigur Bene gesehen, der auf der Suche nach den Bestandteilen seines Lebens ist. Und w├Ąhrend er im Roman die Zutaten f├╝r einen gro├čartigen Gin findet, findet er auch die richtigen Zutaten f├╝r sein Leben.

Woher kommt diese Leidenschaft f├╝r kulinarischen Genuss?

Ich glaube, das ist bei mir die famili├Ąre Pr├Ągung. In meiner Familie zeigt man Liebe durch Essen, wenn man es gut meint. Als Kind durfte ich schon in der K├╝che mithelfen und sp├Ąter dann auch schnell selber abschmecken und kochen. Da hatte ich schnell Erfolg und habe ganze Men├╝s f├╝r meine Familie gekocht. Die ganzen sinnlichen Aspekte ÔÇô unser ├Ąltester Sinn ├╝brigens ist das Schmecken und er ist nah mit dem emotionalen Zentrum gekoppelt, das hat mich sehr angesprochen. Ich habe deshalb auch Weinanbau in Australien studiert. Genuss, Riechen und Schmecken ÔÇô all das begeistert mich schon lange und noch bis heute.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach denn den besten Wein?

Ich finde die Weine am faszinierendsten, die von ihrer Heimat und von dem Jahr ihrer Reife erz├Ąhlen. Das ist auch ein gro├čer Unterschied zum Gin. Gin erz├Ąhlt nicht von den Jahren seiner Erzeugung, sondern von einer genialischen Rezeptur, die unabh├Ąngig von Ort und Region reproduziert werden kann. Wein macht genau das Gegenteil und ist deshalb auch ein sehr pers├Ânliches Getr├Ąnk. Ich finde es toll, wenn man diese Pers├Ânlichkeit sp├╝ren kann.

Auf Weinreisen, wenn ich mit anderen Journalisten aus Japan oder den USA unterwegs bin, merkt man schnell, dass wir ganz unterschiedlich verkosten. Ich bin mit Riesling gro├č geworden, ich suche immer Frische, und ein Wein muss animierend und nicht so schwer alkoholisch sein. Da reagiere ich sehr empfindlich. Die Amerikaner lieben das Reife, Opulente und bewerten gleich viel h├Âher. Ich w├╝rde immer Riesling, Chardonnay aus dem Burgund oder einen Champagner bevorzugen ÔÇô die sind vital und haben viel Energie.

Haben Sie selbst schon versucht, einen Gin herzustellen?

Oh, das erste Mal bei der Recherche in Plymouth, wo es in der Black Friars Distillery die M├Âglichkeit gab, einen eigenen herzustellen. Mittlerweile habe ich schon drei Gins selbst gemacht. Dabei habe ich immer einen anderen Ansatz gew├Ąhlt: Einmal etwas zitrischer, einmal einen erdigen Gin und bei einem weiteren habe ich versucht, die Sch├Ąrfe rauszukitzeln. Da habe ich mit Pfeffer gearbeitet und wollte eine klare Note haben. Am besten hat aber der zitrische geschmeckt ÔÇô mit viel Orangen- und Zitronenschalen. Ich rate jedem, das auch einmal zu versuchen. Es ist so einfach! Man braucht eigentlich nur einen Vodka und ein paar Kr├Ąuter.

Warum spielt Ihr Krimi in Gro├čbritannien und nicht in Deutschland?

Mein Whiskey-Krimi spielte in Schottland und ein Roman ├╝ber Rum w├╝rde sicher in der Karibik spielen. Den Gin-Krimi h├Ątte ich tats├Ąchlich auch gut in Deutschland spielen lassen k├Ânnen, weil es mittlerweile viele Orte gibt, die ihren eigenen Gin haben. Die Wurzeln des Gins liegen aber in Gro├čbritannien. Bei meiner Recherche bin ich dann auch noch darauf gesto├čen, dass die ├Ąlteste Destillerie in Plymouth ist, da wusste ich, wo ich hinmuss.

Ihre Hauptfigur Bene ist eher ein Au├čenseiter. War das von Anfang an so gedacht?

Ich wei├č bis heute nicht, woher die Inspiration f├╝r meine Figuren kommt ÔÇô aber wichtig ist mir immer, dass sie in sich schl├╝ssig und authentisch sind. Letztlich ist es auch immer ein organischer Prozess. Das ist mir beim Schreiben sehr wichtig: dass ich als Autor auf meine Figuren h├Âre und sie dadurch anfangen, zu leben. Bene ist ein Suchender, der viel ausprobiert, aber immer auch ein wenig am Rand der Gesellschaft steht. Am Rand finden sich n├Ąmlich h├Ąufig die spannendsten Figuren.

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Wie war Ihr Schreibprozess?

Erst einmal gab es viel Vorrecherche zum Gin. Ich habe viele B├╝cher zum Thema gelesen, traf einen Brenner, einen Barkeeper. Dann war die Grundlage da und da zeigten sich auch schon Elemente der Geschichte. Dann bin ich nach Plymouth gereist. Gerade bei einem kulinarischen Krimi ist es wichtig, dass die Leser nicht nur Bilder vor Augen haben, sondern die Stadt auch riechen und schmecken k├Ânnen. Von der ersten Idee bis zum fertigen Roman brauchte ich dann etwa ein Jahr ÔÇô und etliche Flaschen Gin und Tonic.

Gibt es ein Buch, das sie selbst gern geschrieben h├Ątten?

Da gibt es viele. Im vergangenen Jahr hat mich zum Beispiel "Was man von hier aus sehen kann" von Mariana Leky sehr beeindruckt. Das ist zwar ein komplett anderes Genre, aber Leky hat so einen feinen Humor und das Buch ist so elegant geschrieben. Die Figuren sind mit wenigen Pinselstrichen so auf den Punkt gebracht. Ich mochte die Dynamik des Figurenensembles gern und habe es sehr genossen, dieses Buch zu lesen.

Bewegt hat mich auch "Fuchs 8" von George Saunders. Ein unfassbar kluges Buch und sehr ber├╝hrend. Das w├╝rde ich jedem ans Herz legen. Ich lese auch nicht nur Krimis, sondern kreuz und quer und lasse mich da gern inspirieren. Es ist wie bei Getr├Ąnken: Immer dasselbe w├╝rde auf Dauer langweilig werden.

Vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch.

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