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Schriftsteller Günter de Bruyn (†93) ist gestorben

Kurz vor 94. Geburtstag  

Schriftsteller Günter de Bruyn ist gestorben

08.10.2020, 15:34 Uhr | mbo, t-online, dpa

Schriftsteller Günter de Bruyn (†93) ist gestorben. Günter de Bruyn: Der Autor ist im Alter von 93 Jahren gestorben. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Günter de Bruyn: Der Autor ist im Alter von 93 Jahren gestorben. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Günter de Bruyn ist tot. Der Autor, der zurückgezogen in Brandenburg lebte und als einer der bedeutendsten DDR-Autoren galt, starb im Alter von 93 Jahren. 

Bereits am Sonntag, dem 4. Oktober 2020, war Günter de Bruyn im Krankenhaus von Bad Saarow verstorben, wie die "Märkische Allgemeine" berichtete. Der Landkreis Oder-Spree bestätigte diese Nachricht unter Berufung auf de Bruyns Familie. Der Schriftsteller lebte im brandenburgischen Görsdorf und wäre am 1. November 94 Jahre alt geworden. 

Günter de Bruyn, der 1926 in Berlin geboren wurde, schrieb meist realistische Romane mit autobiografischem Touch. Zu seinem Werk zählen der Roman "Buridans Esel" von 1968 – sein wohl bekanntestes Werk – oder "Abseits. Eine Liebeserklärung an eine Landschaft" von 2006. Gemeinsam mit Gerhard Wolf war er Herausgeber der Reihe "Märkischer Dichtergarten". Die Defa verfilmte "Buridans Esel" 1980 unter dem Titel "Glück im Hinterhaus" nach einem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf.

"Eine große Gabe an die Kulturnation Deutschland"

1989 lehnte de Bruyn den DDR-Nationalpreis ab – mit Hinweis auf die "Starre, Intoleranz und Dialogunfähigkeit" des Regimes. Zuvor hatte er für Aufsehen gesorgt, als er auf einem deutsch-deutschen Schriftstellerkongress die Aufhebung der Zensur in der DDR forderte. Heute gilt er als einer der wichtigsten Chronisten deutsch-deutscher Befindlichkeiten, leise und unbestechlich. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfahl den Schriftsteller Günter de Bruyn zur Lektüre für junge Leute, die sich ein realistisches Bild vom Alltagsleben in der DDR machen wollen. "Ihr Lebenswerk ist eine große Gabe an die Kulturnation Deutschland", sagte sie bei einer Gala zum 80. Geburtstag des vielfach preisgekrönten Autors.

Gegen das Etikett des DDR-Schriftstellers hat sich de Bruyn gleichwohl immer gewehrt. "Ich bin ein deutscher, in der DDR lebender Autor", betonte er stets. Seit 1970 erschienen seine Werke auch im Westen. Dass er gleichwohl eher im Schatten von Ost-Literaturgrößen wie Christa Wolf, Stefan Heym oder Heiner Müller blieb, war seiner selbstgewählten Rolle als "stiller Außenseiter" geschuldet. Nach dem Untergang der SED-Diktatur gab er in seinen beiden Autobiografien "Zwischenbilanz" (1992) und "Vierzig Jahre" (1996) schonungslos und selbstkritisch Auskunft über sein Leben zwischen Mitlaufen und Distanz. Er habe "wie kein zweiter DDR-Autor das eigene Verhalten öffentlich hinterfragt", befand die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Dort hatte er – auch das eher eine Ausnahme – aus eigenen Stücken berichtet, dass er sich einst auf ein Gespräch mit der Stasi eingelassen habe. Umso mehr empfand er den Fall der Mauer als einen der glücklichsten Momente seines Lebens, wenngleich mit einer gehörigen Portion Wehmut. "Es ist zu spät für dich, nun bist du zu alt", notierte der damals 63-Jährige.

Vielfach ausgezeichnet und geehrt

Der verstorbene Literat wurde vielfach ausgezeichnet – unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Brandenburgischen Literaturpreis, dem Verdienstorden des Landes Brandenburg, dem Thomas-Mann-Preis und mit dem Hoffmann-von-Fallersleben-Preis.

1999 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Humboldt-Universität zu Berlin, seit 1990 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Bildung. Er habe sich seinen Leserinnen und Lesern stets mit großem menschlichen Einfühlungsvermögen genähert, erinnerte der Landkreis.

Verwendete Quellen:

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