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Neil Young & Crazy Horse: Kompromissloser Gitarrenrock

Von dpa
Aktualisiert am 16.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Neil Young steht im Hier und Jetzt.
Neil Young steht im Hier und Jetzt. (Quelle: Nils Meilvang/epa/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Hobbybastler gehen zum Werkeln gerne in den Keller, Musiker hingegen verkr├╝meln sich oft in eine Garage - oder in eine Scheune, wie der gro├če Erz├Ąhler Neil Young.

Der mittlerweile 76 Jahre alte Kanadier hat noch einmal seine legend├Ąre Band Crazy Horse zusammengetrommelt und in einem zum Tonstudio ausgebauten Schuppen in den Rocky Mountains ein grandioses Album aufgenommen: "Barn" - zu Deutsch: Scheune.

In dem restaurierten Stall aus dem 19. Jahrhundert gelangen dem Quartett zehn Lieder voller Melancholie und Kraft - und mit gro├čer Spielfreude. Das zeigt bereits der zarte Opener "Song Of The Seasons". Sparsam mit Gitarre und einem wunderbaren Akkordeon eingespielt - und durchaus politisch. Der Mund-Nase-Schutz in der Zeile "├ťberall gehen maskierte Menschen/Die Menschlichkeit im Visier" k├Ânnte als aktueller Kommentar zur Corona-Pandemie verstanden werden.

Und ist die Strophe "Ich sehe den Palast, wo noch die K├Ânigin regiert/Hinter ihren Mauern und einsamen Toren/Der K├Ânig ist jetzt weg und sie bleibt" nicht eine Anspielung auf eine einsame K├Ânigin Elizabeth II. nach dem Tod ihres Mannes Prinz Philip?

D├Ąmonen der Jugend

Das erste Lied setzt den Ton - intim und nostalgisch. Daran kn├╝pft "Heading West" an, in dem Young von der Scheidung seiner Eltern erz├Ąhlt, als er zw├Âlf Jahre alt war. Mit seiner Mutter fuhr er in einem kleinen Auto weg, sp├Ąter kaufte sie ihm seine erste Gitarre.

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"Good old days, good old days", erinnert sich Young, und st├Ąndig droht seine markante Fistelstimme abzukippen. Hier singt jemand auch gegen die D├Ąmonen einer schwierigen Jugend an, begleitet vom stampfenden Sound der Band: Bassist Billy Talbot (78), Schlagzeuger Ralph Molina (78) und Gitarrist Nils Lofgren (70). "Was f├╝r ein gro├čartiger Ritt mit dem Pferd in diesem Fall", kommentiert Young das wuchtige Lied in Anspielung auf den Bandnamen.

Neil Young & Crazy Horse ver├Âffentlichten ihr Deb├╝t "Everybody Knows This Is Nowhere" bereits 1969. Mehr als f├╝nf Jahrzehnte ist das her. Young sei der "neben Bob Dylan wichtigste Rock-Komponist und -Performer, den Nordamerika hervorgebracht hat", meinte die "New York Times" einmal. Auf "Barn" beweist die Gruppe und vor allem ihr Frontmann, dass sie im Hier und Jetzt stehen.

In "Canerican" (ein Mischwort aus Canadian und American) schildert Young die Zerrissenheit zwischen seinem Herkunftsland Kanada und der Wahlheimat USA. Auch um Pr├Ąsident Donald Trump abw├Ąhlen zu k├Ânnen, nahm er unl├Ąngst die US-Staatsb├╝rgerschaft an. "Ich sah die Ver├Ąnderung kommen", singt er trotzig.

Umweltschutz und Fortschrittskritik

Mit "Human Race" ist Young bei seinem derzeitigen Lieblingsthema angelangt. Von einer s├Ągenden Gitarre unterlegt, ├╝bt der vielfach f├╝r den Umweltschutz engagierte Songwriter bei├čende Fortschrittskritik. "Wohin retten sich die Kinder vor Feuer und Fluten", hei├čt es unter anderem - Schlagzeug und Bass wummern wie Dampfh├Ąmmer. Der hymnische Song verklingt wie ein Donnergrollen. Leugnern des Klimawandels zeigen Young und seine Mitstreiter hier nicht belehrend den Zeigefinger, sondern eher w├╝tend den Mittelfinger.

H├Âhepunkt eines an Glanzpunkten reichen Albums ist das mehr als acht Minuten lange "Welcome Back", in dem es hei├čt: "Ich werde dir jetzt ein altes Lied vorsingen/Eines, das du schon einmal geh├Ârt hast/Es k├Ânnte ein Fenster zu deiner Seele sein". Ein episches Lied voller Sehns├╝chte, das unter die Haut geht.

Doch bevor es zu ernst wird in der Scheune, legen die raubeinigen Rock-Veteranen auch zwei launig einspielte Piano-Balladen hin - eine davon als Hommage an Hollywood-Schauspielerin Daryl Hannah, mit der Young seit 2018 verheiratet ist. "Barn" klingt vers├Âhnlich aus und bleibt doch ein eindringliches, stilpr├Ągendes Album.

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