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Kabarettist Dietrich Kittner ist tot

Von dpa
15.02.2013Lesedauer: 2 Min.
Der Kabarettist Dietrich Kittner ist im Alter von 77 Jahren gestorben.
Der Kabarettist Dietrich Kittner ist im Alter von 77 Jahren gestorben. (Quelle: /dpa-bilder)
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Dietrich Kittner war ein Urgestein des linken politischen Kabaretts. Am Freitag starb der Hannoveraner im Alter von 77 Jahren in seiner Wahlheimat ├ľsterreich. Das teilte sein Produzent in Hannover mit. Zornig, aggressiv und scharf hatte der Kabarettist stets Politik, Staat und Missst├Ąnde angeprangert. Das Fernsehen blieb dem B├╝hnenk├╝nstler aus Hannover jedoch verwehrt.

Kittner stand 50 Jahre auf der B├╝hne und trat mehr als 30 Jahre lang in einem eigenen Theater in Hannover auf. Mit seinen Programmen und Tourneen erreichte Kittner vor allem in den 1960er und 70er-Jahren ein Millionenpublikum. Zielscheibe seiner Kritik waren dabei stets die Regierenden.

"Ich habe mich fr├╝her gerne als Denkspa├čmacher bezeichnet, heute habe ich Angst, ich muss mich einen Propheten nennen", sagte Kittner vor gut zwei Jahren der dpa. Als in seinen jungen Jahren gegen die Wiedereinf├╝hrung einer deutschen Armee demonstriert wurde, habe er noch nicht so recht geglaubt, dass es wieder deutsche Kriege gebe. Nach der Wende habe er vor Rassismus und Sozialabbau gewarnt, beides habe sich bewahrheitet. "Einen solchen Sozialabbau, das haben wir damals nicht f├╝r m├Âglich gehalten."

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"Die Leute dazu bringen, nicht alles zu glauben"

"Ich kann die Leute nicht zu meiner Meinung bekehren", sagte Kittner. "Ich bin nicht objektiv und sage stets in meinem Programm 'Ich bin ja Linker'". "Wichtig ist aber, wenn man die Leute dazu bringt, dass sie nicht alles glauben." Er habe einen Hass auf Unlogik und liebe es nicht, belogen zu werden, dann bohre er nach. Kabarett habe es schwerer als fr├╝her. "Der Ton ist h├Ąrter geworden." Auf kritische Briefe an Politiker habe er anders als fr├╝her keine Antworten mehr bekommen. "Die Arroganz der Macht ist so gewachsen", diagnostizierte er.

Bereits als Siebenj├Ąhriger gab Kittner auf einem Hinterhof in Schlesien Schlagerparodien zum Besten. Sp├Ąter h├Ątte der Zahnarztsohn gerne Schauspiel studiert, entschied sich aber f├╝r Geschichte und Jura in G├Âttingen. Dort entdeckte er die Liebe zum Kabarett und gr├╝ndete die Studentengruppe "Leid-Artikler" und h├Ąngte sein Studium an den Nagel. Langj├Ąhrige Gastspiele folgten, bis er sich 1965 f├╝r eine Solokarriere entschied und 1975 mit seiner Frau Christel das "Theater an der Bult" und sp├Ąter das "Theater am K├╝chengarten" in Hannover er├Âffnete.

Als "gr├Â├čtes Schandmaul der Nation" beschimpft

Immer wieder eckte Kittner an und wurde zeitweise das "gr├Â├čte Schandmaul der Nation" geschimpft. Weil er gemeinsam mit anderen Sozialdemokraten einen nach Meinung der SPD "kommunistisch gesteuerten" Aufruf unterzeichnete, wurde er 1971 aus der Partei ausgeschlossen. Als einer von wenigen Westk├╝nstlern absolvierte er auch mehrere gro├če DDR-Touren. Bis 1990 war sein Theater das einzige Privattheater Niedersachsens, das vom Land - auf Weisung des damaligen CDU-Ministerpr├Ąsidenten Ernst Albrecht - nicht finanziell gef├Ârdert wurde.

Der Weg ins Fernsehen sei ihm stets versperrt worden, klagte Kittner noch k├╝rzlich. Dem deutschen Fernsehen fehle der Mut zu politischem Kabarett, viele Kollegen und Intendanten seien weichgesp├╝lt, "da haben manche es nicht gerne, wenn Ross und Reiter genannt werden", meinte Kittner.

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Von Nils K├Âgler, Sebastian Berning
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