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Warum Joko und Klaas mit ihrer "Männerausstellung" richtig lagen

Realität vieler Frauen  

Warum Joko und Klaas mit ihrer "Männerausstellung" richtig lagen

14.05.2020, 13:34 Uhr | JaH, t-online.de

 (Quelle: imago images / Lars Berg)
"Joko & Klaas gegen ProSieben": Statement gegen sexuelle Belästigung

15 Minuten Sendezeit zur freien Verfügung, das haben Joko und Klaas bei "Joko & Klaas gegen ProSieben" gewonnen. Genutzt haben sie die Zeit für eine Aktion gegen sexuelle Belästigung. (Quelle: ProSieben)

"Joko & Klaas gegen ProSieben": Die beiden Entertainer haben in Ihrer gewonnenen Sendezeit ein Statement gegen sexuelle Belästigung gesetzt. (Quelle: ProSieben)


Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben am Mittwochabend alle Albernheiten hinten angestellt, um auf die wichtigen Themen der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Damit lagen die beiden ziemlich richtig. 

"Stell dich nicht so an" oder "Das war doch nur ein Spaß" – das sind Sätze, mit denen besonders Frauen oft abgetan werden, wenn sie sich beschweren. Sexismus wird nicht selten als halb so schlimm klassifiziert und etabliert sich auch deswegen in der Gesellschaft als nicht der Rede wert. Manchmal ist vielen sogar gar nicht bewusst, wo die Grenze liegt, was sexuelle Gewalt oder sexuelle Belästigungen überhaupt sind. Das gilt sowohl für Frauen als auch für Männer. 

Kommentare über das Aussehen, obwohl es in einem bestimmten Zusammenhang keine Rolle spielt, eine Rechtfertigung für die Rocklänge oder ekelhafte Sprüche von Fremden hinterher gerufen – das gehört für viele Frauen zum Alltag. Es wird hingenommen und ertragen. Dabei ist genau das keinesfalls etwas, das Frauen über sich ergehen lassen sollten oder etwa müssten. Sexuelle Gewalt hat viele Gesichter und zeigt sich nicht nur in Form einer geballten Faust oder einer Vergewaltigung, sie kann auch verbal schaurig blutige Spuren hinterlassen.  

Um genau darauf aufmerksam zu machen, haben Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf mit der Ausstellung "Männerwelten" am Mittwochabend auf ProSieben ein wichtiges Zeichen zum Thema Gewalt gegen Frauen gesetzt. Am Dienstag gewann das Moderatorenduo erneut 15 Minuten Sendezeit durch die Show "Joko & Klaas gegen ProSieben". Während die Ulknudeln ihre kostbare Sendezeit in der vergangenen Woche noch wenig sinnvoll nutzen – sie filmten lediglich den Konkurrenzsender RTL ab – hatten sich die beiden nun etwas weitaus Klügeres überlegt. Die vollen 15 Minuten können Sie sich hier anschauen.  

Eine Sensation im deutschen Fernsehen 

Dass dieses Thema in so einer Offenheit zu solch einer Sendezeit auf eben diesem Sendeplatz derart unverhüllt präsentiert wurde, war eine absolute Neuheit und eine Sensation. Ohne Schnörkel und ohne großartige künstlerische Kniffe präsentierte Autorin Sophie Passmann eine Ausstellung, in der Frauen, prominent und nicht prominent, von ihrem Alltag mit Männern erzählten. Das Traurige: Es handelte sich ausnahmslos um negative Erfahrungen, um Übergriffe und Belästigungen. Noch trauriger: Fast jede Frau hat solch eine Geschichte zu erzählen. 

Palina Rojinski und Sophie Passmann: Die Frauen enthüllen live im Fernsehen ein Penisbild – auf der Youtube-Version wurde es nachträglich zensiert.  (Quelle: ProSieben/Screenshot)Palina Rojinski und Sophie Passmann: Die Frauen enthüllen live im Fernsehen ein Penisbild – auf der Youtube-Version wurde es nachträglich zensiert. (Quelle: ProSieben/Screenshot)

Die Ausstellung startete scheinbar harmlos mit Bildern von nackten Geschlechtsteilen, die Frauen ungefragt täglich geschickt bekommen. Das ist weder lustig, noch attraktiv. Moderatorin Jeannine Michaelsen las Kommentare vor, die über sie verfasst wurden, während sie eine Sendung im Fernsehen moderierte. Ein Großteil handelte dabei von ihrem Aussehen. Außerdem erzählten mehrere Frauen in den 15 Minuten von Sprüchen und Übergriffen, die sie an der Ampel, am Bahnhof oder im Fahrstuhl von Fremden erfahren mussten.

Das Interesse ist ja da

Am Ende der Ausstellung berichten mehrere Frauen, was sie anhatten, als sie vergewaltigt wurden. Schreckliche Szenen über schreckliche Themen, denen aber trotzdem Gehör verschafft werden muss. Auch wenn es unangenehm ist, auch wenn sie uns vielleicht den Abend verderben. Solche Szenen müssten noch viel mehr in unser Bewusstsein gehämmert werden. Dann könnte man weiter in die Tiefe gehen, indem man auch Frauen mit Migrationshintergründen oder bestimmten Glaubensrichtungen zugehörend, Transgender oder Homosexuelle erzählen lässt, die noch auf zusätzliche Art Gewalt erfahren müssen.    

Denn das Interesse an dem Thema ist ja da. In den sozialen Netzwerken wird "Männerwelten" gefeiert, diskutiert, gelobt, kritisiert, thematisiert. Die Nachfrage ist so groß, dass ProSieben sogar angekündigt hat, die Ausstellung am Donnerstagabend um 23.50 Uhr ein weiteres Mal zu zeigen. Offen bleibt eigentlich nur die Frage, warum es für diese richtige und wichtige Aktion erst zwei Männer brauchte, die bei einer TV-Show Sendezeit gewonnen haben, um diese an ihre durchaus auch bekannten Kolleginnen abzutreten, damit die dann auf das Thema aufmerksam machen. 

Verwendete Quellen:
  • "Joko & Klaas Live" vom 13. Mai 2020

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