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Mariele Millowitsch: "Zum Glück wurde ich nie aufgrund von Attraktivität besetzt"

INTERVIEWMariele Millowitsch  

"Zum Glück wurde ich nie aufgrund von Attraktivität besetzt"

Von Steven Sowa

23.04.2021, 18:05 Uhr
Mariele Millowitsch: "Zum Glück wurde ich nie aufgrund von Attraktivität besetzt". Mariele Millowitsch: In der neuen TV-Reihe "Klara Sonntag", die heute im Ersten startet, spielt sie eine Bewährungshelferin.  (Quelle: IMAGO / Future Image)

Mariele Millowitsch: In der neuen TV-Reihe "Klara Sonntag", die heute im Ersten startet, spielt sie eine Bewährungshelferin. (Quelle: IMAGO / Future Image)

Sie verkörpert in ihren Rollen gern eigensinnige Charaktere und ist spätestens seit ihrer Erfolgsserie "Nikola" einer der bekanntesten TV-Stars Deutschlands: Mariele Millowitsch. Im Interview spricht sie über gescheiterte Beziehungen und das Altern in Würde.

Mariele Millowitsch spielt in der neuen ARD-Reihe "Klara Sonntag", die am Freitagabend um 20.15 Uhr startet, eine Bewährungshelferin. Die 65-jährige Tochter einer berühmten Kölner Schauspielfamilie bekommt es in der Filmreihe mit verurteilten Straftätern aus allen Gesellschaftsschichten zu tun. Über die Frage, was für sie Vergebung bedeutet und ob Menschen eine zweite Chance verdient haben, spricht Millowitsch im Interview mit t-online.

In dem Gespräch berichtet die studierte Medizinerin auch, ob für sie eine Impfung mit Astrazeneca infrage käme, verrät, wie sehr das Alter bereits an ihr nagt – und erklärt, warum sie froh ist, nie "aufgrund von Attraktivität" besetzt worden zu sein.

t-online: Verdient jeder Mensch eine zweite Chance, Frau Millowitsch?

Mariele Millowitsch: Das ist von Fall zu Fall verschieden. Aber grundsätzlich sollten Menschen eine zweite Chance bekommen, klar.

In Ihrer neuen ARD-Reihe "Klara Sonntag" spielen Sie eine Bewährungshelferin. Dabei spielt auch die "Kraft der Vergebung", so heißt es in dem Film, eine Rolle. Ist das eine Eigenschaft der Starken?

Ja, auf jeden Fall. Menschen, die sich in einer Spirale von Vorwürfen drehen, kommen nicht vorwärts. Man macht sich selbst klein, wenn man in dieser unendlichen Schraube bleibt. Das ist nicht bekömmlich.

Können Sie auch verzeihen?

Ich denke schon.

In welchen Situationen war es für Sie nötig, zu verzeihen?

Wenn es um verkorkste Beziehungen geht zum Beispiel. Die hatte ich auch, das haben wir ja alle erlebt im Leben.

Was hat Sie dabei am meisten verletzt?

Es gab Menschen, die illoyal waren und mir in den Rücken gefallen sind. Da habe ich dann die Tür zugemacht. Ich kann den betreffenden Leuten auf der Straße begegnen und sie grüßen, aber ich will mit denen dann nichts mehr zu tun haben.

Haben Sie sich einen Schutzpanzer zugelegt für solche Situationen?

Nein, ich lasse immer noch Menschen auf mich zukommen und bin offen für Begegnungen.

Auch in dem Film gibt es eine Situation, in der das eine Rolle spielt. Dort hat eine Kollegin Ihrer Figur heimlich ein Profil auf einer Dating-App angelegt, für Frau Sonntag. Wie fanden Sie das?

Biggi ist nun mal der Meinung, Frau Sonntag brauche einen Partner.  Obwohl sie manchmal übergriffig ist, steckt Frau Sonntag das locker weg. Ich, Mariele, würde diese Form von "Fürsorglichkeit" ablehnen. Wenn Freundinnen hinter meinem Rücken einen Mann für mich suchen – die würden eine Ansage von mir bekommen! 

Sie sind nicht in einer Beziehung, genauso wie Frau Sonntag.

Schon seit über zehn Jahren stiefle ich allein durchs Leben und ich finde das gut. Ich will daran auch nichts ändern.

Gibt es kein Szenario, in dem Sie sich das noch anders überlegen würden?

Wenn ein Typ auf einem Schimmel daherkommt, mit einem langen Umhang, wahnsinnig gutaussehend, dazu auch noch schlau und stark genug, um mich auf das Pferd hochzuhieven, dann müsste ich vielleicht noch einmal drüber nachdenken.

Dafür wäre doch eine Dating-App gut geeignet: gutaussehend und stark – das könnten Sie vermutlich am Profilbild ablesen. Und dann sagen Sie: Ein Date gibt es nur, wenn er auf dem Ross angeritten kommt.

Nein, Online-Dating ist nichts für mich. Wie soll ich das denn machen als Promi? Ich kann ja kein Bild von mir reinsetzen, selbst wenn ich wollte, das geht nicht.

Die US-Schauspielerin Sharon Stone hatte nichts dagegen. Sie wollte die App Bumble in den USA selbst ausprobieren, wurde aber gestoppt, weil die App-Macher dachten, es handle sich um ein Fakeprofil. Später durfte sie wieder mitmachen, weil sie sich beschwert hatte, dass auch Promis das Recht auf Online-Dating für sich beanspruchen dürfen.

Damit hat sie natürlich vollkommen Recht, aber sie muss dann auch das Echo aushalten. Darauf hätte ich keine Lust. Ich meine: Wer sich da alles melden wird! Frau Stone ist ja nun wirklich ein Sexsymbol und wird bestimmt viele unmoralische Angebote erhalten haben. Sind diese Apps nicht ohnehin eher ein Treffpunkt, um sich für Sex zu verabreden?

Tatsächlich ist das der Ruf, der diesen Apps nacheilt. Oft heißt es, sie seien vor allem für Menschen gut geeignet, die schnell zur Sache kommen wollen.

Eben, so wurde mir das auch mitgeteilt. Das wäre nichts für mich. Wer etwas Schnelles sucht: nur zu. Aber nicht mit mir.

Sie beschleicht also nie das Gefühl der Einsamkeit, auch angesichts der Pandemie und der auferlegten Corona-Isolation?

Ehrlichgesagt nein. Ich kenne einige Frauen, die allein leben, und die kommen damit hervorragend zurecht – so wie ich auch. Ich habe ein wunderbares Netzwerk und weiß, wen ich anrufen muss, wenn mir etwas auf dem Herzen liegt. Außerdem kenne ich auch Paare, da wünscht der eine Partner dem anderen die Pest an den Hals und hofft, dass er nur schnell wieder allein sein kann.

Sie meinen: Paare haben es schwerer in der Pandemie?

Vor allem Beziehungen werden doch durch die Isolation auf eine harte Probe gestellt! Immer zusammenhocken, am besten noch Kinder, Homeoffice und all der Stress ohne regelmäßigen Ausgleich: Das stelle ich mir viel schlimmer vor als Alleinsein.

Sie sind im November 65 Jahre alt geworden. Spüren Sie das Alter inzwischen?

Ja logisch spüre ich das, auch im Kreuz. Alles ist jetzt schon seit 65 Jahren in Benutzung und natürlich gibt es da Abnutzungserscheinungen. Aber ich kann froh sein, mir geht es gut. Ein paar Falten mehr: klar, ist doof, aber nicht schlimm. Aber im Grunde genommen ist alt werden blöd.

Wieso?

Man hat noch so viel Kraft in sich, vor allem im Kopf. Aber der Körper macht nicht mehr mit. Sich nicht dauernd selbst zu überfordern, weil Körper und Geist nicht mehr auf einer Wellenlänge sind, das ist die eigentliche Herausforderung des Alters.

Das klingt nach Lebensweisheit.

Ich bin keine 80, aber ich bin eben auch nicht mehr so weit davon entfernt. Inzwischen bin ich deutlich weiter von der 30 entfernt als von der 80. Das ist nichts, was von heute auf morgen passiert ist: Aber dieser Prozess, dass Körper und Geist in unterschiedlichen Ligen spielen, wird eben ab einer gewissen Altersgrenze offensichtlich.

Wo genau tritt das offensichtlich zu Tage?

Ich mache immer zu viel Sport. Da muss ich inzwischen sehr auf mich aufpassen.

Was machen Sie nicht mehr, weil es Ihnen zu riskant erscheint?

Ich bin nicht mehr zuversichtlich mit Risikosportarten. Ich fahre seit Jahren kein Ski mehr, ich gehe auch nicht mehr Reiten – obwohl ich das wirklich immer gerne getan habe. Aber da reitet das Bedenken mit und das hat keinen Sinn, da wird man unsicher. Ich kann und will es mir nicht leisten, wochenlang im Krankenhaus zu liegen. Außerdem heilt das auch alles nicht mehr so schnell wie vor 30 Jahren.

Ziehen Sie auch etwas Positives aus dem Alter?

Gelassenheit! Ich muss weder mir noch den anderen etwas beweisen.

Mariele Millowitsch mit einem Teil der Darsteller der ARD-Reihe "Klara Sonntag". (Quelle: ARD Degeto/Frank Dicks)Mariele Millowitsch mit einem Teil der Darsteller der ARD-Reihe "Klara Sonntag". (Quelle: ARD Degeto/Frank Dicks)

Aber mit "Klara Sonntag" hätten Sie trotzdem gerne Erfolg?

Natürlich würde ich mich freuen, wenn ich die Zuschauer damit erreiche und sie damit auch bereichere. Diesen Beweis muss ich jetzt anstellen: Dass diese Figur auch funktioniert. Wenn das nicht klappt, tut mir das wahnsinnig leid. Aber ansonsten stehe ich nicht mehr unter Beweiszwang, auch nicht, was die Optik betrifft.

Wie meinen Sie das?

Ich habe nichts zu verlieren. Mein Glück ist doch, dass ich nie aufgrund von Attraktivität besetzt wurde. Ich war nie ein männermordendes Ungetüm, sondern immer ein normaler Mensch. Ich habe also keinen Nachteil dadurch, dass mein Gesicht oder mein Körper alt wird.

Zu welchem Zustand führt Sie diese doch recht bemerkenswerte Erkenntnis?

Zu Entspannung. Das ist ein freundlicher Ausgleich zu diesem blöden Verfall, den man im Alter körperlich durchmacht.

Sie sagten gerade, dass Sie vor allem immer als "normaler Mensch" besetzt wurden. Ist das Fernsehen das Medium für diese Figuren? Haben Sie deshalb kaum Kinorollen gespielt in Ihrer Karriere?

Das Kino ist eine andere Erzählform. Dort müssen Menschen hingehen und Geld in die Hand nehmen, um etwas sehen zu können. Da muss mehr passieren als im Fernsehen. Auf dem Bildschirm kann es ruhiger zugehen und zugleich mit mehr Realität. Schauen Sie sich die "Lindenstraße" an: Wie lange hat das funktioniert?

Rund 35 Jahre lang.

Sehen Sie: Das war mitten aus dem Leben gegriffen. Da musste nichts Spektakuläres passieren. Das waren alles Dinge, die nicht auf die große Leinwand müssen. Fernsehen ist eher das Medium für den lebensnahen Stoff und insofern habe ich kein Problem damit, kein Kino zu machen. Ich freue mich, wenn die Leute am Freitagabend "Klara Sonntag" einschalten und mich auf der Mattscheibe sehen.

Schauen Sie auch gerne Fernsehen?

Geht so. (lacht) Es muss schon ein passendes Programm sein. Ich schaue gerne Dinge, die mich zum Lachen bringen – und bei denen ich trotzdem etwas lernen kann. Heitere Moment sind auch in tragischen Erzählungen wichtig. Mit Humor kommt man weiter im Leben.

Sie machen weniger Sport und schauen kaum Fernsehen. Einer nicht vorhandenen Beziehung trauern Sie auch nicht hinterher. Wie verbringt eine Mariele Millowitsch Ihren Alltag?

Lesen, lesen, lesen. Außerdem habe ich einen Hund, mit dem laufe ich sehr viel durch die Gegend, der hält mich auf Trab. Gärtnern, buddeln, Pflanzen setzen: Das liebe ich im Frühling. Ich bin leicht zufrieden zu stellen. Wenn ich sehe, dass die Blaumeisen eines meiner Häuschen beziehen, kann ich minutenlang am Fenster stehen und mich freuen.

Sie haben einen Bildungshintergrund fernab der Schauspielerei. Nach dem Abitur studierten Sie Veterinärmedizin und promovierten später zur Dr. med. vet. Was denken Sie über das Image-Chaos von Astrazeneca: Würden Sie sich mit dem Impfstoff gegen Corona immunisieren lassen?

Ja, sofort. Ich habe einfach keine Angst davor, dass bei mir etwas passieren könnte, wie jetzt bei diesen Thrombosefällen. Ich bin auch da wieder Fatalistin, das war ich immer und das hat auch immer geholfen. Deswegen werde ich mich impfen lassen, auch mit Astrazeneca.

Angela Merkel ist nur ein Jahr älter als Sie und hat sich vergangene Woche ebenfalls mit Astrazeneca impfen lassen. Bleibt zu hoffen, dass mehr Menschen diesem Beispiel folgen, denn leider gibt es viele Vorbehalte gegen vor allem diesen Impfstoff.

Leider ja, aber die Impfung entbindet uns auch nicht von der Vorsicht, Maske zu tragen, Abstand zu halten und weiterhin umsichtig zu sein. Trotz Impfungen werden uns diese Verhaltensweisen weiter begleiten.

Glauben Sie in absehbarer Zeit an volle Theater-, Kino- und Konzertsäle?

Nein, das sehe ich noch nicht. Auch wenn die Leute geimpft sind, ist doch noch gar nicht klar, ob diese Impfungen auch ausreichend vor Corona schützen und wie lange sie halten – und ob Menschen nicht infektiös sind. Es ist zu viel noch ungeklärt. Die Pandemie ist schnelllebig: Was heute gilt, kann morgen wieder anders sein.

Bereitet Ihnen diese Schnelllebigkeit Sorge?

Nein, das ist medizinische Entwicklung live erlebt. Das kriegen wir doch sonst gar nicht mit! Wenn ein Wirkstoff auf den Markt kommt, und zigmal geprüft wird, erfährt man davon doch sonst als Verbraucher gar nichts. Jetzt sind wir bei Corona mittendrin. Die Medizin und die Herstellung medizinischer Produkte ist aufwändig. Das Prinzip "trial and error" mag anstrengend sein, aber es ist seit jeher üblich.

Verwendete Quellen:
  • Interview mit Mariele Millowitsch

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