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Doku-Porträt - Michail Gorbatschow: Zwischen Hölle und Paradies

Doku-Porträt  

Michail Gorbatschow: Zwischen Hölle und Paradies

16.08.2021, 16:14 Uhr | dpa

Doku-Porträt - Michail Gorbatschow: Zwischen Hölle und Paradies. Michail Gorbatschow: "Meine Kraft lässt nach.

Michail Gorbatschow: "Meine Kraft lässt nach.". Foto: Jörg Carstensen/dpa. (Quelle: dpa)

Moskau (dpa) - Um den 90 Jahre alten Michail Gorbatschow ist es einsam geworden. In einem vom russischen Staat bereitgestellten Haus lebt er mit Katze und Haushälterinnen. Er läuft mit einer Gehhilfe, besucht seine Stiftung in Moskau, die längst auch untervermieten muss, um sich den Unterhalt zu leisten.

So zeigt der prominente russische Dokumentarfilmer Vitaly Mansky den einst mächtigsten Mann des früheren kommunistischen Imperiums - in seinem Porträt "Gorbatschow. Paradies". Es läuft an diesem Dienstag (17. August) um 20.15 Uhr bei Arte.

Er solle seinen Film "Gespräch mit einem Narren" nennen, sagt der Friedensnobelpreisträger zu Beginn des Streifens in Spielfilmlänge. Seit dem Tod seiner Frau Raissa 1999 sei das Leben für ihn die Hölle. Mansky kennt Gorbatschow seit Jahrzehnten. Er hat ihn schon als einen der Väter der deutschen Wiedervereinigung gezeigt, als Weltenveränderer mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung).

Als Totengräber der vor 30 Jahren aufgelösten Sowjetunion ist Gorbatschow in seiner Heimat unbeliebt; im Ausland hingegen schätzen ihn Millionen Menschen, weil er vielen die Freiheit brachte. Gorbi, wie ihn die Deutschen herzlich nennen, hat nicht nur den Mauerfall mit ermöglicht. Sein Name steht auch für große atomare Abrüstungsinitiativen mit den USA.

Doch zeigt Mansky hier einen Gorbatschow auf sehr intime Weise als gebrechlichen Greis, als historische Persönlichkeit in einem von Krankheiten gezeichneten Körper. "Meine Kraft lässt nach", sagt er.

Der erste und letzte Präsident der Sowjetunion bricht hier auch mit kulturellen Traditionen seiner Heimat, in der Autoritäten stets im strahlenden Licht gezeigt werden. Gorbatschow ist auf Hilfe angewiesen. Zu sehen ist er beim Essen - und Wodka trinken. Er nickt ein, rezitiert Gedichte, singt Lieder.

Deutlich arbeitet Mansky den Kontrast zur sonstigen Darstellung von Staatenlenkern in autoritären Systemen heraus: Im Hintergrund ist Präsident Wladimir Putin im Fernsehen zu sehen. Der Kremlchef ist für viele Russen der Inbegriff eines starken Anführers, der sich seit mehr als 20 Jahren an der Macht hält. Ende nicht in Sicht.

Gorbatschow hingegen lässt sich schonungslos mit seinen Schwächen filmen; er trat vor 30 Jahren freiwillig ab. Nun wird klar, dass er sich auf das Sterben vorbereitet. In einer Filmszene steht der einstige Generalsekretär der Kommunistischen Partei an Raissas Grab auf dem Prominentenfriedhof des Moskauer Neujungfrauenklosters. Schon vor Jahren ließ er sich hier neben ihr einen Platz sichern.

Mansky hat auch über Putin einen Film ("Putins Zeugen") gedreht. Wenn er die beiden vergleicht, sagt er, dass Gorbatschow sich vor allem durch seine "menschliche Wärme" von Putin unterscheide. An der Macht sei heute "kein Mensch", sondern eine von der Gesellschaft entrückte "Figur aus Plastik". Gorbatschow werde mit dem Film ein Denkmal gesetzt - als jemand, der an die Demokratie in Russland glaubt.

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