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"Idiotentest": Promille-Grenzwert drastisch gesenkt

dpa, SP-X

Aktualisiert am 20.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Endstation: Bei manchen Verkehrsvergehen k├Ânnen Autofahrer auch ihre Fahrerlaubnis einb├╝├čen.
Endstation: Bei manchen Verkehrsvergehen k├Ânnen Autofahrer auch ihre Fahrerlaubnis einb├╝├čen. (Quelle: Ralf Hirschberger/dpa-tmn-bilder)
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Ob Drogen oder zu viele Punkte ÔÇô f├╝r den Verlust der Fahrerlaubnis gibt es viele Gr├╝nde. Oft folgt die MPU. Und bei Alkohol am Steuer d├╝rfte der "Idiotentest" nun deutlich fr├╝her kommen als bisher.

Eine MPU wird in der Regel erst ab 1,6 Promille angeordnet. K├╝nftig d├╝rfte sie h├Ąufig bereits viel fr├╝her kommen.

Die Stra├čenverkehrs├Ąmter k├Ânnen alkoholisierte Autofahrer schon ab 1,1 Promille zum Idiotentest verpflichten. Das geht aus einem aktuellen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts hervor. Bislang lag die Grenze f├╝r die Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) bei 1,6 Promille. Das verschobene Limit soll vor allem gewohnheitsm├Ą├čige Trinker aus dem Verkehr ziehen.

In dem verhandelten Fall hatten die Beh├Ârden nach einer Alkoholfahrt eine MPU angeordnet. Der Betroffene wehrte sich dagegen mit dem Argument, er habe lediglich 1,3 Promille im Blut gehabt und zudem keine Ausfallerscheinungen gezeigt.

Die Polizei hatte in ihrem Bericht ausdr├╝cklich vermerkt, dass dem Mann der Alkoholkonsum nicht anzumerken gewesen sei. Das Bundesverwaltungsgericht sah gerade dies als Problem: Wer mit 1,3 Promille nach au├čen fit wirke, m├╝sse alkoholgew├Âhnt sein. Das wiederum spreche daf├╝r, dass der Betroffene zwischen Trinken und Fahren nicht richtig trennen k├Ânne. In solch einem Fall sei die MPU schon ab 1,1 Promille zul├Ąssig. (Az.: 3 C 3.20)

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Eher Gespr├Ąch als Test

Ist die Fahrerlaubnis entzogen, pr├╝ft die F├╝hrerscheinstelle vor deren Wiedererteilung, ob eine MPU n├Âtig ist, erl├Ąutert der ADAC. Wenn ja, wird der Betroffene aufgefordert, eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle f├╝r die Pr├╝fung der Fahreignung zu benennen und f├╝r das Gutachten zu beauftragen. Die Kosten muss der Betroffene selbst zahlen. Der ADAC nennt Kosten von circa 350 bis 750 Euro.

Durchgef├╝hrt werden darf die MPU von 14 anerkannten Tr├Ągern in Deutschland an rund 270 Begutachtungsstellen, darunter sind auch Dekra und T├╝v-Gesellschaften. Eine ├ťbersicht zur MPU gibt auch die Bundesanstalt f├╝r Stra├čenwesen (BASt).

"Eine MPU ist eigentlich ein Bilanzgespr├Ąch", sagt Axel Uhle vom T├╝v S├╝d. In der MPU gehe es darum, festzustellen, inwiefern sich der betroffene Verkehrsteilnehmer mit seinem Fehlverhalten hinterm Steuer auseinandergesetzt, dieses reflektiert und seine Einstellung und Verhalten stabil ge├Ąndert habe, erkl├Ąrt der Verkehrspsychologe.

Angeordnet wird eine MPU immer etwa dann, wenn jemand mit 1,6 Promille Alkohol im Blut erwischt wurde. Bei einem Wiederholungst├Ąter reicht auch weniger Alkohol. Es gibt auch andere Gr├╝nde, aber Alkohol am Steuer ist laut BASt mit 42 Prozent der h├Ąufigste Anlass f├╝r eine MPU, gefolgt von Drogen und Medikamentenmissbrauch (29 Prozent) und einem vollen Punktekonto (18 Prozent).

Wie l├Ąuft die MPU ab?

Die eigentliche MPU umfasst vier Schritte und dauert meist zwei bis drei Stunden. Sie besteht aus medizinischer Untersuchung, psychologischem Gespr├Ąch, Reaktionstest und Frageb├Âgen. Die medizinische Untersuchung ist ein Gesundheitscheck. Im Falle eines Alkoholdeliktes etwa will der Arzt hierbei ausschlie├čen, dass durch eine Alkoholvorgeschichte erhebliche Erkrankungen aufgetreten sind, die ein sicheres F├╝hren von Kraftfahrzeugen beeintr├Ąchtigen k├Ânnen.

Auch der Psychologe muss sich sehr gut vorbereiten

Das psychologische Gespr├Ąch nimmt in der Regel die meiste Zeit in Anspruch. "Hier wird ein zweckgerichtetes, diagnostisches Interview durchgef├╝hrt, auf das sich der Psychologe auch sehr umfassend vorbereiten muss", erkl├Ąrt der Dekra-Verkehrspsychologe Thomas Wagner. Denn hier gehe es darum, auch anhand der Historie des Betroffenen herauszufinden, inwiefern die Gr├╝nde f├╝r den Entzug der Fahrerlaubnis auf- und verarbeitet wurden und eine Prognose des k├╝nftigen Verkehrsverhaltens gestellt werden k├Ânne.

Die Frageb├Âgen schlie├člich k├Ânnen sowohl pers├Ânliche Daten zur Ausbildung und Fahrsituation, wie auch das Abfragen von Vorerkrankungen und Fachwissen zum Beispiel ├╝ber Alkohol im Stra├čenverkehr beinhalten.

Mehr als die H├Ąlfte der MPU-Kandidaten besteht

Im Jahr 2018 haben sich nach BASt-Angaben 87 088 Personen im Rahmen einer MPU begutachten lassen. Knapp 60 Prozent aller begutachteten Personen wurden hierbei als "geeignet" beurteilt, rund 36 Prozent als "ungeeignet" und der Rest als "nachschulungsf├Ąhig" eingestuft.

Ein Nichtbestehen geht Uhle zufolge vor allem auf fehlende oder falsche Vorbereitung zur├╝ck. "Denn eine andere Untersuchung der BASt zeigt: Personen, die sich fr├╝hzeitig informieren, beraten und schulen lassen, bestehen die MPU zu 81 Prozent." Allerdings gibt es bei den Beratungsangeboten gro├če Unterschiede. "Leider herrscht hier regelrechter Wildwuchs, was damit zusammenh├Ąngt, dass der Begriff "verkehrspsychologischer Berater" nicht gesch├╝tzt ist", so Wagner. Daher w├╝rden MPU-Beratungen von ganz unterschiedlichen Berufsgruppen - vom Fahrlehrer bis zum Physiotherapeuten - angeboten.

Die Dauer einer MPU-Beratung liegt "bei klassischen Alkoholdelikten" zwischen 10 bis 20 Stunden, so Uhle. M├Âglich sind sowohl Gruppen- als auch Einzelsitzungen.

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