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Melkus RS1000: Der Ferrari des Ostens wird 50 Jahre alt

Melkus RS1000  

Der Ferrari des Ostens wird 50

13.10.2019, 11:00 Uhr | dpa , mab

Melkus RS1000: Der Ferrari des Ostens wird 50 Jahre alt. Schneller Sportler: In seiner stärksten Ausführung erreichte der Melkus etwa 200 km/h. (Quelle: dpa/Robert Michael)

Schneller Sportler: In seiner stärksten Ausführung erreichte der Melkus etwa 200 km/h. (Quelle: Robert Michael/dpa)

Der Osten hatte nicht nur Wartburg und Trabant. Sondern auch einen Sportwagen, der noch exklusiver war als viele Ferrari. Und der einen ebenfalls stattlichen Preis hatte.

Flach wie eine Flunder, mit Flügeltüren, und noch immer ein Blickfang: Etwa 50 Besitzer des Rennsportwagens Melkus RS1000 haben bei einem Treffen am Dresdner Verkehrsmuseum den 50. Geburtstag des DDR-Kultautos gefeiert. Zudem kamen am Samstag Hunderte Besucher, um die Oldtimer zu bestaunen. "Ich bin total überrascht", sagte Peter Melkus, der Sohn des Konstrukteurs und Rennfahrers Heinz Melkus. Dieser hatte den einzigen Rennwagen der DDR mit Straßenzulassung 1969 der Öffentlichkeit präsentiert. Bis 1979 wurden in der eigenen Werkstatt in Dresden 101 solche Autos in Handarbeit hergestellt.

Ein Melkus-Sportwagen bei einem Treffen: Vor 50 Jahren wurde der DDR-Rennwagen Melkus RS 1000 der Öffentlichkeit vorgestellt. (Quelle: dpa/Robert Michael)Ein Melkus-Sportwagen bei einem Treffen: Vor 50 Jahren wurde der DDR-Rennwagen Melkus RS 1000 der Öffentlichkeit vorgestellt. (Quelle: Robert Michael/dpa)

Heinz Melkus war in den 50er und 60er Jahren ein bekannter Rennfahrer. Er gewann in seiner Karriere 80 von rund 200 Rennen, holte sechs DDR-Meistertitel und gewann dreimal den "Pokal für Frieden und Freundschaft" – die Meisterschaft der Ostblock-Staaten.

Die Idee entstand in Jugoslawien

Ein vorbeifahrender Lotus soll ihn bei einer Jugoslawien-Reise auf die Idee zum RS1000 gebracht haben, die in der Planwirtschaft der DDR nicht einfach zu verwirklichen war. Doch als Chef eines sozialistischen Entwicklerkollektivs gelang es ihm anlässlich des 20. Jahrestages der DDR, einen Rennwagen zu entwickeln und zu produzieren – um eine Lücke im Fahrzeugangebot zu schließen, wie es hieß.

Melkus-Treffen in Dresden: Von dem Auto entstanden von 1969 bis 1979 genau 101 Exemplare. (Quelle: dpa/Robert Michael)Melkus-Treffen in Dresden: Von dem Auto entstanden von 1969 bis 1979 genau 101 Exemplare. (Quelle: Robert Michael/dpa)

Der Wagen bestand zum Großteil aus handelsüblichen Autoteilen. Motor und Chassis stammten vom Wartburg 353. In der Standardausführung soll es der etwa 700 Kilogramm schwere RS1000 (sein Name wurde abgeleitet von "Rennsportwagen") auf 75 PS und etwa 165 km/h gebracht haben. Die Rennausführung brachte es auf rund 100 PS und etwa 200 km/h.

So teuer war der Melkus

Der Zweisitzer fiel vor allem durch seine extrem tiefe Lage auf – er hatte nur zehn Zentimeter Bodenfreiheit. Hinzu kamen die sich nach oben öffnenden Flügeltüren. Fast 30.000 DDR-Mark kostete er, Besitzer mussten "rennsportliche Tätigkeit" nachweisen. "Mein Vater wollte dem DDR-Rennsport Impulse geben", erzählte Peter Melkus. 1979 wurde die Produktion eingestellt.

Dutzende Melkus aneinandergereiht: Der Erwerb eines Wagens war an die Teilnahme von Sportveranstaltungen geknüpft. (Quelle: dpa/Robert Michael)Dutzende Melkus aneinandergereiht: Der Erwerb eines Wagens war an die Teilnahme von Sportveranstaltungen geknüpft. (Quelle: Robert Michael/dpa)

2006 kam es unter Peter Melkus zu einem Neustart. Seither wurden Melkus zufolge 45 Exemplare nach Originalplänen zusammengeschraubt. Jedes Jahr würden zwei bis drei Wagen in Handarbeit gefertigt. An Originalteilen gebe es keinen Mangel.

Der Preis für einen Neuwagen liegt nun bei rund 90.000 Euro. Die Auftragsbücher seien bis 2023 gefüllt, sagt Peter Melkus. Aktuell seien etwa 120 RS1000 auf den Straßen unterwegs oder stünden in Garagen von Sammlern.

Der Melkus RS1000 hatte auch einen Nachfolger

Melkus RS2000: 18 Exemplare des Sportwagens wurden gebaut. (Quelle: Hersteller)Melkus RS2000: 18 Exemplare des Sportwagens wurden gebaut. (Quelle: Hersteller)

Mit dem RS2000 bot Melkus einen schicken Retro-Sportwagen an. Als Basis diente der Lotus Exige, der bei Melkus noch den speziellen Retro-Touch erhielt. 2010 ging die Produktion los, die Nachfrage nach dem 115.000 Euro teuren und bis zu 270 PS starken Sportwagen war allerdings gering. Letztlich wurden nur 18 Fahrzeuge verkauft.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Nachrichtenagentur SPS

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